8 gleichzeitig stabilen Preisen, einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht, stabilen Staatsfinanzen sowie stabilen Finanzmärkten, gewährleistet werden. Die Kunst der Wirtschaftspolitik besteht darin, diesen zum Teil widersprüchlichen Zielen gleichzeitig und erfolgreich nachzugehen. Österreich weist in Bezug auf die meisten der Indikatoren des magischen Vielecks der Wirtschaftspolitik einen Spitzenplatz in Europa auf. Auch wenn in punkto gerechter Verteilung und nachhaltiger Umweltpolitik noch viel zu tun bleibt, ist die Vollbeschäftigung jenes Ziel, das durch das hohe Niveau der Arbeitslosigkeit am stärksten verfehlt wird. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen hat sich in Österreich seit dem Jahr 2008 um 150.000 auf 360.000 (Jahresdurchschnitt 2016) erhöht, inklusive der Arbeitslosen in Schulungsmaßnahmen erreicht sie sogar 430.000. Die Arbeitslosenquote ist im Zuge der Finanzkrise von 5,9 % der unselbständigen Erwerbspersonen auf 9,4 % gestiegen. Dieser dramatische Anstieg der Arbeitslosigkeit hat zwei Ursachen: Er ist zum einen die Folge der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise, die die Nachfrage nach Arbeitskräften und vor allem das geleistete Arbeitsvolumen in Stunden gedämpft hat (was von der anhaltenden Ausweitung der Zahl der Jobs überdeckt wird). Zum anderen ist sie das Ergebnis der raschen Ausweitung des Arbeitskräfteangebots, zu der neben der Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters und dem Anstieg der Frauenerwerbsquote vor allem die Zuwanderung aus anderen EU-Mitgliedsländern – darunter vor allem Deutschland, Ungarn, zuletzt auch Rumänien und Bulgarien – entscheidend beitrug. Dieser Angebotsschock wird anhalten. Die bereits durchgeführten Reformen in der Pensionsversicherung und das steigende Bildungsniveau bewirken, dass die Menschen deutlich länger am Arbeitsmarkt bleiben. Das relativ hohe Niveau bei Einkommen und Arbeitsstandards machen Österreich international zum attraktiven Arbeitsstandort. Zudem zwingt die anhaltend angespannte Lage vor allem im Nahen Osten die Menschen zunehmend zur Flucht und mittelfristig droht auch der Klimawandel neue Fluchtbewegungen auszulösen. Österreich galt über viele Jahrzehnte zu Recht als internationales Vorbild in Bezug auf die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die Beschäftigungspolitik. Die Arbeitslosenquote verharrte bis Anfang der 1980er Jahre unter 2 % der Erwerbspersonen, und auch in den Jahrzehnten danach wies Österreich immer eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten der europäischen Länder auf. Diese Erfahrungen lehren, dass die Grundbedingung des Erfolgs darin besteht, das Ziel der Verringerung der Arbeitslosigkeit in den Mittelpunkt der gesamten Sozial- und Wirtschaftspolitik zu stellen und nicht auf aktive Arbeitsmarktpolitik oder andere wirtschaftspolitische Spezialsegmente zu beschränken. In Österreich hatte – unter dem Eindruck der restriktiven EU-Vorgaben – die Budgetkonsolidierung bis 2015 Priorität gegenüber der Beschäftigungspolitik. In den Jahren 2016 und 2017 ist die Budgetpolitik leicht expansiv ausgerichtet, was gesamtwirtschaftlich sinnvoll ist. Steuer- und Beitragssenkungen und Mehrausgaben für den Arbeitsmarkt, die Bildung und die öffentlichen Investitionen zeigen einen höheren politischen Stellenwert für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, der auch positive Wirkungen nach sich ziehen wird: 2017 ist ein Rückgang der Arbeitslosigkeit möglich. Die Arbeiterkammer fordert darüber hinaus Weichenstellungen mit denen eine längerfristige Trendwende gelingen, und die Zahl der Arbeitslosen bis 2020 um 100.000 reduziert werden kann. ? Die Bundesregierung muss auch auf europäischer Ebene die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit engagiert verfechten, besonders in den Krisenländern und mit einem Schwerpunkt auf Maßnahmen zugunsten von Jugendlichen, die sich nicht in Ausbildung oder Beschäftigung befinden. ? Der Spielräume für sinnvolle Investitionen in die öffentliche Infrastruktur muss in der gesamten EU ausgeweitet werden, besonders in jenen Ländern, die wirtschaftlich immer weiter hinter dem EU- Durchschnitt zurückbleiben und wo deshalb die Abwanderungstendenzen von Arbeitskräften besonders hoch sind. Aus heimischer Sicht gilt dies besonders auch für Kroatien, für dessen BürgerInnen der österreichische Arbeitsmarkt bereits 2020 geöffnet wird.