Branchenreport.2016 ? 8 3 DIE AKTUELLE WIRTSCHAFTSLAGE Thomas Delapina, Kai Biehl, Reinhold Russinger, Sepp Zuckerstätter AK Wien, Abteilung Wirtschaftswissenschaften und Statistik Die aktuelle WIFO-Prognose für Österreich1 Das WIFO erhöhte seine Wachstumsprognosen für 2016 und 2017 minimal um je 0,1 Prozentpunkte auf je- weils 1,7 Prozent. Die Ausgaben für Flüchtlinge und die Steuerreform sorgen heuer für eine Belebung des Kon- sums. Auch für die Investitionen wird ab 2016 eine höhere Dynamik erwartet, die jedoch hinter vergangenen Aufschwungphasen zurückbleiben wird. Trotz wachsender Beschäftigung wird die Arbeitslosigkeit durch den großen Zustrom am Arbeitsmarkt weiter steigen, niedrige Rohstoffpreise dämpfen weiterhin den Preisauf- trieb. Das außenwirtschaftliche Umfeld bleibt weiter schwach. Das Wachstum des Welthandels wird sich bis 2017 nur geringfügig auf 2,5 Prozent erhöhen. Bei den Rohstoffpreisen dürfte die Talsohle erreicht sein, wodurch sich auch die Konjunktur in den Schwellenländern allmählich wieder verbessert. Brasilien und Russland bleiben aber weiterhin in einer, wenn auch abgeschwächten, Rezession. Die Umorientierung in Richtung Binnenwirt- schaft bremst die Expansion in China, aber die Konjunkturbelebungsmaßnahmen zeigen erste Erfolge. In den USA wächst die Wirtschaft nach einer kleinen Schwäche 2016 robust mit Raten im Prognosezeitraum von knapp 2,5 Prozent. Die wirtschaftliche Erholung im Euroraum schreitet voran, aber nur zögerlich. Das WIFO erwartet bis 2017 Wachstumsraten bis 1,7 Prozent. Dabei bleibt weiterhin der private Konsum die Konjunkturstütze. Mit der Erholung des weltwirtschaftlichen Umfeldes und dem weiterhin niedrigen Wechselkurs werden voraussicht- lich auch die Exporte wieder anziehen. Die Lage am Arbeitsmarkt im Euro-Raum verbessert sich nur geringfü- gig, die Inflationsrate liegt weiterhin nahe Null Prozent. Leicht expansive Effekte werden sich in einigen Län- dern, vor allem in Deutschland und Österreich, durch den Anstieg der Flüchtlingszahlen ergeben. Nach einer trägen Entwicklung in den letzten vier Jahren gewann das Wirtschaftswachstum in Österreich zu- letzt wieder an Schwung. Getragen wird es von einer Belebung der Binnennachfrage, die von der günstigen Beschäftigungssituation sowie durch steigende Einkommen der privaten Haushalte gestützt wird. Dass damit das österreichische BIP-Wachstum wieder im Durchschnitt der Eurozone liegen wird, ist nicht zuletzt Sonder- faktoren wie der Steuerreform und den Ausgaben im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration zuzu- schreiben. Teils fließen diese Ausgaben direkt in den privaten Konsum, zum Teil indirekt über die Ausgaben der Non-Profit-Organisationen, und zum Teil in Form von öffentlichem Konsum. Dazu kommen erste Auswirkungen der Wohnbauoffensive. Ab 2017 sollten die heuer durch das schwache weltwirtschaftliche Umfeld gedämpften Exporte wieder stär- ker zum Wachstum beitragen. Auch die Investitionsdynamik hat sich schon seit 2015 merklich verbessert. Die Nachfrage nach Ausrüstungs- und sonstigen Anlageinvestitionen steigt dabei deutlich kräftiger als die nach Bauinvestitionen. Die Inflationsrate liegt in Österreich weiterhin deutlich über der des Euro-Raumes. Treibende Kräfte sind Mieten und Gastwirtschaft. Das WIFO erwartet für 2016 aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise eine Erhö- 1Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, 23. Juni 2016