4 seitens der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) bei den beiden Ökonomen Sebastian Dullien und Till van Treeck eine Studie in Auftrag gegeben, welche die Frage nach einem neuen Fortschritts- und Wohlstandsverständnis mit der Frage danach verband, wie sich dieses Verständnis effektiv medial vermitteln und politisch verankern ließe. Die von den beiden Autoren ausgearbeiteten (vgl. Dullien/Van Treeck 2012a, 2012b) und späterhin von Dullien (2015) fortentwickelten Vorschläge zielen – in Anlehnung an das 1967 in Deutschland in Kraft getretene Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StabG)4 – auf ein Stabilitäts- und Wohlstandsgesetz im Sinne eines umfassenden Regulierungsrahmens ab. Ähnlich seinem historischen Vorläufer umfasst dieses eine Reihe übergreifender Ziele, deren praktische Umsetzung anhand eines Sets von Indikatoren gemessen und mithilfe eines darauf bezogenen verpflichtenden Berichtswesens bzw. Monitoring- und Controlling- Prozesses überwacht werden soll. Was erstgenannten Aspekt, also die Zielsetzungen anbelangt, schlagen Dullien und Van Treeck ein neues ,magisches Viereck‘ der Wirtschaftspolitik bestehend aus materiellem Wohlstand, ökologischer Nachhaltigkeit, sozialer Nachhaltigkeit sowie Zukunftsfähigkeit von Staatstätigkeiten und -finanzen vor. Hinsichtlich des zweiten Aspekts plädieren sie für ein überschaubares Set von insgesamt rund zehn bis zwölf, den vier Zielen zugeordneten Indikatoren. Und im Hinblick auf den letztgenannten Aspekt schließlich entwickeln sie eine Reihe von Vorschlägen wie etwa die Ersetzung des von der Regierung zu erstellenden Jahreswirtschafts- durch einen Jahreswohlstandsbericht oder die Reform des bestehenden Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bzw. seine Ergänzung durch ein vergleichbares, mit Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit beschäftigtes Gremium (vgl. etwa Dullien/Van Treeck 2012a: 13ff.). Whitby et al. 2014). In den drei Dimensionen (a) der politischen, (b) der Indikatoren- sowie (c) der prozessualen und strukturellen Barrieren werden dabei insgesamt 13 Probleme – von der mangelnden demokratischen Legitimität über Datenprobleme bis hin zu institutionellem Widerstand gegen Veränderungen – spezifiziert (vgl. ebd.: 28ff.). Im Anschluss daran entwickelt das Projekt in den drei Dimensionen sechs Vorschläge zur Überwindung der genannten Barrieren, namentlich (1) „develop processes to engage citizens and establish the democratic legitimacy“; (2) „develop a strong Beyond GDP narrative“; (3) „continue work on the technical and theoretical foundations of alternative indicators“; (4) „improve processes for integrated and innovative policy making“; (5) „develop strategies for overcoming institutional resistance“; und (6) „strengthen the ,indicator entrepreneur‘ role“ (vgl. ebd.: 36ff.). 4 Dullien/Van Treeck (2012a: 12) sehen zwar die im StabG formulierten Ziele der Wirtschaftspolitik (stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum; hoher Beschäftigungsstand; Stabilität des Preisniveaus; außenwirtschaftliches Gleichgewicht) als überholt an, nicht jedoch den dadurch etablierten Ansatz wirtschaftspolitischer Regulierung (gesetzliche Vorgabe wirtschaftspolitischer Ziele; Berichtwesen mit Jahreswirtschaftsbericht der Regierung und Jahresgutachten des Sachverständigenrats; gesetzliche Verpflichtung der Regierung zur öffentlichen Stellungnahme usw.).