6 (etwa im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge) ausgeweitet, welche (beispielsweise von der Automobilität hin zu anderen Möbilitätsformen) verändert werden? Was für Vorstellungen von Wohlstand und ,gutem Leben‘ gibt es? Geht es also um den Konsum möglichst günstiger Produkte, deren sozialer und ökologischer Produktionsprozess ausgeblendet wird? Oder geht es eher um den Konsum von langlebigeren, vielleicht auch weniger materiellen Gütern – dafür aber stärker um ein an guten sozialen Netzwerken und ökologisch sensiblen Lebensweisen ausgerichtetes Leben auch jenseits der Versorgung mit dem Grundlegenden? Welche Formen der Erwerbsarbeit und der nicht-bezahlten Arbeit (Hausarbeit, Versorgungsarbeit usw.) – Letztere nimmt durchschnittlich insbesondere für Frauen immer noch einen größeren Teil der Zeit in Anspruch –, aber auch welches Verhältnis zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit (work-life-balance) tragen zu einem erfüllten Leben bei? Wie werden persönliche Sicherheiten und individuelle Freiheiten, politische Partizipationsmöglichkeiten und eine lebenswerte Umwelt jenseits individuellen Einkommens gewährleistet? Tim Jackson (2011) hat in seinem Aufsehen erregenden Buch Wohlstand ohne Wachstum gefragt, wie Wohlstand beschaffen sein soll, „der es den Menschen ermöglicht, ein gutes Leben zu führen, mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft zu schaffen, mehr Wohlbefinden zu erfahren und trotzdem die materiellen Umweltbelastungen zu reduzieren“ (ebd.: 54). Dabei vertraut er weder auf wirtschaftliches Wachstum noch auf technologische Lösungen, denn diese seien eine Selbsttäuschung. Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem bedarf Jackson zufolge vielmehr politischer Rahmenbedingungen wie etwa einer ökologischen Steuerreform und strikter Obergrenzen für den Verbrauch von Ressourcen und den Ausstoß von Emissionen. Es bedarf aber auch kultureller Veränderungen wie etwa eines Abbaus des Konsumismus, einer Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, einer Stärkung der Fähigkeiten und Kompetenzen der Menschen sowie einer Unterstützung südlicher Länder beim Umbau ihrer Ökonomien (vgl. ebd.: 175ff.). So zeigen die GesundheitsforscherInnen Richard Wilkinson und Kate Pickett (2010) mit dichtem empirischen Material: „Wirtschaftswachstum war für lange Zeit Motor des Fortschritts, doch in den reichen Ländern ist dieser Antrieb inzwischen weitgehend erschöpft. Das ökonomische Wachstum ist nicht mehr wie einst von Maßnahmen für das Wohlergehen und Wohlbefinden der Bürger begleitet. Schlimmer noch: Langfristig haben Ängste, Depressionen und andere soziale Probleme mit wachsendem Wohlstand zugenommen.“ (ebd.: 20) Mehr Gleichheit, so die grundlegende These ihres