48 da diese bzw. der damit jeweils verfolgte Zielpfad erst so mithilfe von (alternativen) Indikatoren überprüft und in international und historisch vergleichender Perspektive analysiert werden könne (vgl. etwa Schneider INTV). Denn – wie Karl Aiginger (INTV) die dahinter liegende Annahme formuliert – „ein gesellschaftlicher Wandel tritt nur dann ein, wenn auch dauernd gemessen wird, ob wir ihn durchhalten“. Ein solches Monitoring erzeuge entsprechend nicht bloß „einen gewissen Handlungsdruck“ (Himpele INTV), sondern werde seitens der Politik auch „gerne […] als Entscheidungsgrundlage wahrgenommen“ (ebd.). Damit im Zusammenhang stehend wird von Politik und Verwaltung auch auf die notwendige Präzision, Validität und Überprüfbarkeit von Indikatoren bzw. von darauf bezogenen Kausalbeziehungen zu politischen Maßnahmen als Voraussetzung für ihre politische Relevanz verwiesen (vgl. etwa Bernhofer INTV). Was die mit den ,Beharrungskräften‘ orthodoxer Paradigmen verbundene, zweite Hürde anbelangt, habe die Krise ab 2007 und die „Erschütterung der Gewissheiten“ (Schratzenstaller INTV), die sie auch im universitären Feld bedingte, neue Spielräume eröffnet. Diese gelte es im Sinne des „Bohrens dicker Bretter“ (Himpele INTV) zu nutzen, um auch hier – in Lehre und Forschung – auf die Erweiterung eines verengten Wohlstands- und Fortschrittsverständnisses hinzuwirken.52 Wie oben bereits angedeutet wurde, wird dabei die Ansicht vertreten, dass die orthodoxen Ansätze in den Wirtschaftswissenschaften zwar keineswegs überwunden seien; dass durch die Krise jedoch sehr wohl die damit verbundenen Interessen geschwächt bzw. Gewissheiten irritiert wurden. Und dies – also der Umstand, dass „das alte Paradigma die Welt nicht mehr erklären kann“ (Marterbauer INTV) – markiere stets, wie Markus Marterbauer unter Bezugnahme auf Antonio Gramsci ausführt, „den Beginn von Veränderungen“ (ebd.). Eine wesentliche Hoffnung ruht in diesem Zusammenhang entsprechend auf der Stärkung heterodoxer Ansätze in den Volkswirtschaftsdepartments der Universitäten, welche – wie etwa Gewerkschafts- und AK-VertreterInnen unter Verweis auf aktuelle Beispiele an der Wiener Wirtschaftsuniversität und an der Johannes Kepler Universität Linz betonen (vgl. Muhm INTV; Stein INTV) – von an einem Wandel interessierten AkteurInnen in u.a. uneindeutig sei und sich erst mit zeitlicher Verzögerung niederschlage: „Es ist kein Versuchslabor, wo man jetzt sagt, okay, wir machen eine Politikänderung und schauen, wie sich das auf den Indikator auswirkt. […] Politik funktioniert halt nicht so“. 52 Anders Christian Felber (INTV), der den wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream durch einen grundlegenden „Methodenfehler“ gekennzeichnet sieht, welcher wesentlich in einer Verwechslung von Mittel (Geldwachstum) und Zweck (Gemeinwohl) bestehe. Die Lösung für dieses Problem könne nur in einer „Wiedereinbettung“ der Wirtschaftswissenschaft in die Philosophie und Ökologie – oder aber in einer „echten Ökonomie“ und der „Abschaffung der realexistierenden Chrematistik“ bestehen (vgl. ebd.).