56 institutionellen Trägheit, zumal – wie Dwora Stein (INTV) es formuliert – „es unglaublich schwer ist – gerade für politische Institutionen, die auch so eine Tradition haben –, eingetretene Pfade […] zu verlassen“. In der Perspektive mancher zeichnet für diese Trägheit nicht zuletzt der Umstand verantwortlich, dass die in der Vergangenheit erzielten Erfolge und der mit einer Veränderung befürchtete Verlust des erreichten Wohlstandsniveaus das Beschreiten neuer Wege hemme (vgl. Schneider INTV). Das Fehlen eines integralen Ansatzes in Bezug auf Fragen von Wachstum und Wohlstand habe auch das Fehlen eines wirtschaftspolitischen Gesamtkonzepts zur Folge. So meint etwa Johannes Schweighofer (INTV): „Dass man da irgendwie einigermaßen einen konsistenten Rahmen hätte, an dem man sich orientiert – das ist nicht der Fall.“ Dafür verantwortlich zeichne auch der Umstand, dass im Bereich der wissenschaftlichen Politikberatung durch Beiräte bzw. Gremien einschlägige Einrichtungen mit einem solch weit gefassten Auftrag in Österreich fehlen und es in bestehenden Einrichtungen wie dem Fiskalrat diesbezüglich wenig Spielraum gebe. Dies sei mit ein Grund dafür, dass wissenschaftliche Debatten häufig nicht zu Politik und Verwaltung vordringen, da diese hier in der Regel „nur registriert [werden], wenn das sozusagen irgendwo medial aufschlägt oder wenn es die Wissenschaft an uns heranträgt“ (Bernhofer INTV). (4.3.3) Lösungsoptionen Angesichts der mit divergierenden Interessenlagen und damit assoziierten Machtasymmetrien verbundenen Hürden sei auf einer grundlegenden Ebene zu akzeptieren, dass – wie Johannes Schweighofer (INTV) es formuliert – „politische Auseinandersetzungen geführt werden müssen“. Zu diesem Zweck sei eine politische Debatte über Indikatoren und deren Entwicklung sowie – darauf aufbauend – über gesellschaftliche Zielsetzungen und damit verbundene Konflikte bzw. Synergien vonnöten.67 Denn wenn erst einmal ökonomische, soziale und ökologische Zielsetzungen als prinzipiell gleichrangig etabliert seien, brauche es laut Markus Marterbauer (INTV) eine „Debatte auch über […] Werte: ,Was ist in der Gesellschaft wichtig?‘ Zumindest diese 67 Margit Schratzenstaller (INTV) kritisiert diesbezüglich etwa mit Blick auf die Europa 2020-Strategie, dass hinsichtlich der hier festgeschriebenen ökonomischen, sozialen und ökologischen Ziele „niemand von Trade-offs und Synergien [redet] und dass die einzelnen Ziele nicht so einfach zusammen zu bringen sind“.