21 Angesichts der Verbreitung unternehmens- bzw. konzerninterner Umstrukturierungen ist es wenig überra- schend, dass diese – aus Sicht der Betriebsräte – auch am häufigsten als gravierendste Umstrukturierung in den letzten zehn Jahren genannt werden: Interne Umstrukturierung wie z.B. neue Abteilungen erhalten 26,5% aller nennungen als „gravierendste“ Umstrukturierung, gefolgt von Verlagerungen von Tätigkeiten in andere Gesellschaften des Unternehmens im Inland mit 12% aller nennungen (vgl. Abbildung 2). Bei anderen Um- strukturierungsformen zeigen sich hingegen teils beträchtliche Diskrepanzen zwischen dem Verbreitungsgrad und der Einstufung als gravierendste Umstrukturierung der letzten zehn Jahre. Am offensichtlichsten ist dies bei der Schließung von Betrieben oder Teilbetrieben. Diese Variante von Umstrukturierung ist „nur“ am zehnt- häufigsten verbreitet, wurde aber wenig überraschend am dritthäufigsten als gravierendste Umstrukturierung angegeben (7% aller nennungen). Ähnlich ist die Situation bei einem Eigentümerwechsel. Umgekehrt werden change-Management-Projekte oder die Übertragung von Tätigkeiten auf leiharbeitskräfte ungeachtet ihrer Verbreitung selten als besonders gravierend empfunden (5% bzw. 3% aller nennungen) – zu geläufig sind diese Maßnahmen inzwischen in vielen Betrieben. ” Zunehmend „firmeninterne Fremdarbeiter“ statt eigener Angestellte. Keine Kompetenzerhöhung am Standort, eher das Gegenteil. Die Verlagerung von Tätigkeiten an externe Unternehmen im Ausland oder Outsourcing an Selbständige sind faktisch nie als gravierendste Umstrukturierung genannt worden. Manche Umstrukturierungsformen werden offenbar eher als alltäglich (und daher weniger gravierend) wahrgenommen, andere dagegen gerade wegen des seltenen Auftretens und einem entsprechenden Schweregrad bei den beschäftigungsrelevanten Auswir- kungen als besonders folgenreich. Die gravierendste Umstrukturierung wurde auch 2005 abgefragt. Auch damals wurden interne Umstrukturie- rungen mit 25% am häufigsten als gravierend hervorgehoben. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Kategorie change Management 2005 noch nicht erhoben wurde, was die Vermutung nahelegt, dass change-Management-Projekte 2005 unter interner Umstrukturierung eingeordnet wurden, sodass sich unter Einberechnung der 2015 neu eingeführten Kategorie ein deutlicher Anstieg ergäbe (2015 betrug der Anteil von interner Umstrukturierung plus change Management zusammen 31,5%). Häufiger als 2015 wurden 2005 Eigentümerwechsel (13,2% gegenüber 6,4%), die Verschmelzung des eigenen Unternehmens mit einem an- deren Unternehmen (10% gegenüber 5%), sowie die Ausgliederung von Produktsparten oder Tätigkeiten in eigene Tochtergesellschaften (10% gegenüber 6%) als besonders gravierend genannt. Ein kurzer Blick auf Tabelle 8, in der einzelne Umstrukturierungsformen wiederum gebündelt (Spalten) und nach einzelnen Unternehmensmerkmalen (Zeilen) dargestellt werden, zeigt z.T. relativ homogene Befunde, was als besonders gravierend eingestuft wird und was weniger. Es ergeben sich allerdings auch interessante Unterschiede, etwa entlang der Merkmale Betriebsgröße und Eigentümerstruktur: In kleineren Unternehmen (bis 249 Beschäftigte) zeigt sich, dass mit 37% überdurchschnittlich oft jene Maßnahmen als sehr gravierend eingestuft werden, die hier als „besondere“ Umstrukturierungsformen zusammengefasst sind, darunter die Schließung von Betriebsteilen, Eigentümerwechsel oder der Ankauf/Verkauf von Beteiligungen. Der Stellen- wert dieser Umstrukturierungsformen als „gravierend“ ist einerseits evident, andererseits in kleineren Be- trieben gerade deshalb, weil sie dort seltener stattfinden und daher bei Betriebsräten dementsprechend in Erinnerung bleiben. Ebenfalls erwähnenswert ist die Verteilung der „gravierendsten“ Umstrukturierung bei Betrieben im Eigentum der öffentlichen Hand. Hier zeigt sich eine akzentuierte Verteilung der nennungen auf die beiden Bereiche „interne Umstrukturierung“ und „besondere Formen“. Die hohen Anteile der nennungen für lediglich zwei (gebündelte) Umstrukturierungstypen resultieren daraus, dass in diesen Gesellschaften im Eigentum des Bundes oder der länder etc. andere Maßnahmen wie „Ausgliederung“, „Auslandsverlagerung“ oder „Unter- nehmensverschmelzung“ kaum einmal als besonders gravierend genannt werden und folglich wenig relevant sein dürften. Dies hängt einerseits mit den Branchenschwerpunkten des öffentlichen Sektors zusammen