32 7. GESAMTEInScHÄTZUnGEn ZU BETRIEBlIcHEn VERÄnDERUnGSPROZESSEn Im letzten Teil wird ein resümierendes Gesamtbild zum betrieblichen Umstrukturierungs- bzw. Veränderungs- geschehen aus Betriebsratssicht nachgezeichnet; dies auch als Ergänzung zur Perspektive der beiden letzten Abschnitte, die auf einzelne hervorgehobene Umstrukturierungen gerichtet und dementsprechend mit über- wiegend negativen Bewertungen verbunden war. Die Gesamtbilanz von betrieblichen Umstrukturierungen und Veränderungen ist aus Betriebsrats-Sicht ambivalent bzw. durchwachsen, aber nicht nur negativ Die nachfolgend eingeholten Einschätzungen beziehen sich nicht mehr auf einzelne Restrukturierungsmaß- nahmen und deren Auswirkungen, sondern generell auf betriebliche Veränderungen in den letzten Jahren. In dieser Hinsicht spricht eine Mehrheit von 58% von einer gemischten Bilanz aus positiven und negativen Aspekten, wobei es keine oder kaum Alternativen zu den durchgeführten Maßnahmen gegeben habe. Und eine knappe Mehrheit von 55% der befragten Betriebsräte bekundet, dass (zumindest) das Unternehmen von den Umstrukturierungen in Summe profitiert habe. Mehr Konkurrenz- und Arbeitsdruck (81%) für die Beschäftigten als eine wesentliche Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch die Interviews, ebenso geht eine Mehrheit (54%) davon aus, dass bedingt durch Umstruk- turierungen ein Personalabbau an den Standorten in Österreich stattgefunden habe. Demgegenüber können nur 25% von einer (parallel dazu) erfolgten Ausweitung der Beschäftigung in Österreich berichten und erwähnen 40% Zugeständnisse bei löhnen / Gehältern bzw. bei Arbeitszeitregelungen. Besonders dort, wo es zu Fremd- vergabe, internen Ausgliederungen bzw. zu räumlichen Verlagerungen gekommen ist, hat sich die Wertschöp- fungstiefe am Standort verringert und wird eine geringere Bandbreite an leistungen als früher erbracht. Unter al- len Befragten hat sich für 43% die betriebliche Wertschöpfungstiefe durch diverse Umstrukturierungen reduziert. Sucht man bei den resümierenden Einschätzungen Unterschiede nach Unternehmensmerkmalen (vgl. Tabel- le 13), so zeigt sich zunächst, dass das Gesamtbild in Dienstleistungsbetrieben pessimistischer ausfällt als in Produktionsunternehmen (häufigere nennungen für Personalabbau, geringere Ausweitung der Beschäfti- gung, mehr Zugeständnisse). Kleinere Unternehmen konnten von den Veränderungen der letzten Jahre im Durchschnitt weniger profitieren, auch deshalb, weil sie weniger Einflussmöglichkeiten auf externe Markt- gegebenheiten haben und zudem seltener neues Personal einstellen können; dafür scheint der Konkurrenz- druck in den kleineren Betrieben etwas geringer auszufallen. Signifikante Unterschiede zeigen sich insbesondere beim Merkmal „Unternehmenstypus“, das sich aus den beiden Variablen unabhängiges Unternehmen vs. Teil eines Konzerns einerseits und den Eigentumsverhält- nissen (mehrheitlich in inländischer, ausländischer oder öffentlicher Hand) andererseits ergibt. Als im Vergleich „guter“ Unternehmenstypus schneiden in den Gesamtbewertungen eigenständige österreichische Unterneh- men ab, die keine Tochter eines übergeordneten Konzerns sind. Hier konnte man überdurchschnittlich gut von Umstrukturierungen in den letzten Jahren profitieren (68% vs. 55% Gesamtdurchschnitt), wurde seltener Personal abgebaut (30% vs. 54% Gesamtdurchschnitt) bzw. wurde am öftesten die Beschäftigung ausge- weitet, mussten am seltensten Zugeständnisse gemacht werden (26% vs. 40%), erscheint der Arbeits- und Konkurrenz als noch vergleichsweise erträglich (50% vs. 81% nennungen für mehr Arbeitsdruck) und wurde die Wertschöpfungstiefe am seltensten verringert. Umgekehrt lassen sich „Bad Guys“ aus den Daten nicht so leicht herausdestillieren, d.h. die Werte für die anderen Betriebstypen liegen zumeist näher am Durchschnitt. Interessant ist allerdings, dass PersonalvertreterInnen in Konzernen, die der öffentlichen Hand zurechenbar sind, ein vergleichsweise kritisches Bild ihres Arbeitgebers abliefern: Hier wird besonders oft von Personal- abbau durch Umstrukturierungen in den letzten Jahren (74% vs. 54% Gesamtdurchschnitt) gesprochen. Das