6 WIRTSCHAFTSLAGE ÖSTERREICHS Thomas Delapina, Kai Biehl, Reinhold Russinger, Sepp Zuckerstätter AK Wien, Abteilung Wirtschaftswissenschaften und Statistik WIFO-Prognose Dezember 2016 für Österreich1 Das WIFO revidierte im Dezember seine Wachstumsprognose für 2016 um 0,2 Prozentpunkte abwärts auf 1,5 Prozent, und auch für die beiden darauffolgenden Jahre wird die Steigerung des realen BIP in dieser Größen- ordnung liegen. Die Ausgaben für Flüchtlinge und die Steuerreform sorgen für eine Belebung des Konsums. Auch die Investitionen, insbesondere in Fahrzeuge, entwickeln sich sehr dynamisch. Trotz des Beschäfti- gungswachstums wird die Arbeitslosigkeit steigen, der Preisauftrieb wird ab 2017 wieder etwas stärker. Das außenwirtschaftliche Umfeld liefert weiterhin kaum Konjunkturimpulse. Mit Abklingen der US- Investitionsschwäche und mit einer Belebung der Investitionen in den MOEL durch den neuen mehrjährigen EU-Finanzrahmen zeichnet sich aber eine leichte Verbesserung ab. Bei den Rohstoffpreisen dürfte die Talsohle erreicht sein, wodurch sich auch die Konjunktur in den Schwellenländern allmählich wieder verbessert. Brasili- en und Russland bleiben aber weiterhin in einer, wenn auch abgeschwächten, Rezession. Die Umorientierung in Richtung Binnenwirtschaft bremst die Expansion in China, aber die Konjunkturbelebungsmaßnahmen zeigen erste Erfolge – eine harte Landung zeichnet sich derzeit nicht ab. In den USA sollte die Wirtschaft nach einer Schwächephase 2016 wieder mit Raten über 2 % wachsen. Auch im Euroraum ist keine Wachstumsbeschleunigung zu erwarten, für 2017 und 2018 werden je 1,5 % BIP- Wachstum prognostiziert. Die deutsche Wirtschaft verzeichnet eine leicht überdurchschnittliche Konsum- und Konjunkturdynamik, Frankreichs Wirtschaft wächst wie die österreichische etwa durchschnittlich, während in Italien keine substanzielle Besserung in Sicht ist. Nach einer trägen Entwicklung in den letzten Jahren gewann das Wirtschaftswachstum in Österreich zuletzt wieder an Schwung. Die BIP-Wachstumsrate lag 2016 erstmals seit 5 Jahren mit 1,5 % über der 1 Prozent- Marke, was zum Teil Sonderfaktoren wie der Steuerreform und den Ausgaben im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration zuzuschreiben ist. Getragen wird das Wachstum von einer Belebung der Binnennachfrage, wobei der Konsum von der günstigen Beschäftigungssituation sowie durch steigende Einkommen der privaten Haushalte gestützt wird. Auch die Investitionen werden kräftig ausgeweitet, angesichts der eher gedämpften Konjunkturaussichten eher Ersatz- als Erweiterungsinvestitionen. Bemerkenswert war 2016 die kräftige Nach- frage nach Kraftfahrzeugen – die gesamtwirtschaftlichen Fahrzeuginvestitionen stiegen um 20 %. Die Herstel- lung von Waren im Inland kann davon aber kurzfristig nicht profitieren. Die Inflationsrate liegt in Österreich weiterhin deutlich über der des Euro-Raumes. Treibende Kräfte liegen dabei, stimuliert durch die rege Nachfrage im Tourismus, im Bereich „Restaurants und Hotels“, dessen Preis- steigerungen auch wesentlich zur Differenz zum Durchschnitt des Euroraumes beitragen. Das WIFO erwartet für 2017 aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise eine Erhöhung der Inflation in der Eurozone. Dadurch dürfte sich der Inflationsabstand Österreichs, trotz leicht preiserhöhender Effekte durch die Gegenfinanzierung der Steuerreform, verringern. 1Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, 16. Dezember 2016 Branchenreport. Holzwirtschaft 2017 ? 39