Seite 3 ? erschwerte Rechtsdurchsetzung, da es ja eine Arbeit über nationale Grenzen hinweg ist ? fehlende Transparenz Wesentliche Erkenntnisse In der ersten österr. Befragung von Crowdworkern geben von 2.003 befragten erwachsenen Österrei- cherInnen 18% an, im letzten Jahr einmal über eine Plattform gearbeitet zu haben. Eine überraschend große Zahl von 5% gibt an, mindestens wöchentlich Arbeit über eine Online-Plattform zu finden, 9% tun das monatlich. Einkommenssituation Generell ist das Einkommen der Crowdworker eher gering. Fast die Hälfte der befragten Crowdworker gibt an, dass sie insgesamt (also nicht nur aus ih- rer Crowdwork-Tätigkeit) weniger als 18.000 Euro im Jahr verdienen. 43 % geben an, ein Einkommen zwi- schen 18.000 und 36.000 zu erzielen. Persönliches Einkommen der Crowdworker / € pro Jahr in % 18.000 € > 36.000 € weniger als 18.000 € mehr als 60.000 € 36.000 € > 60.000 € 48%43% 6% 3 Für die meisten stellt Crowdwork einen Zusatzver- dienst dar. Mit 59% gibt der Großteil an, Crowdwork macht weniger als die Hälfte ihres Einkommens aus. Bei 11% mehr als die Hälfte. Für lediglich 2% ist es die einzige Einkommensquelle1. Wie viel verdienen sie aus Crowdwork? 1 Vgl.Huws Ursula, Joyce Simon: Österreichs Crowdworkszene. Sep- tember 2016. https://wien.arbeiterkammer.at/service/studien/digitaler- wandel/Oesterreichs_Crowdworkszene.html. Das größte Problem, das Crowdworker in bisher vorliegenden Studien formulieren, ist die geringe Be- zahlung. Ein Grund dafür liegt in der auf Plattformen herrschenden großen Konkurrenz und das Fehlen jeglicher Mindeststandards. Andererseits kann, im Bereich des clickwork, die Kleinteiligkeit von Aufträgen ein einkommensbegren- zender Faktor sein. Denn oft werden „Micotasks“, die in wenigen Minuten erfüllt werden, nur mit minimalen Beträgen bezahlt. So geben laut Forschungsbericht des deutschen Bundesministerium für Arbeit und Soziales zum sozioökonomischen Hintergrund und zu den Motiven von Crowdworkern 65% ein durch- schnittliches Einkommen pro Auftrag von bis zu 1,99 Euro an. 16% geben an, bis zu drei Euro pro Auf- trag zu verdienen22. Um ein annähernd akzeptables Einkommen zu erreichen, müssen Crowdworker also sehr viele dieser Aufträge hintereinander erledigen. In der Praxis scheint aber auch die massenhafte Erledigung vieler niedrig bezahlter Mikroaufgaben nicht zu hohen Stundenlöhnen zu führen. Eine Unter- suchung der Einkommen von Crowdworkern, die im Rahmen einer Befragung von der ILO durchgeführt wurde, kommt für die Plattformen Amazon Mechani- cal Turk und Crowdflower auf einen Stundenlohn der zwischen 1 Dollar und 5,4 Dollar liegt33. Das schlägt sich am Ende schließlich in niedrigen Monatseinkommen nieder. Eine umfangreiche Be- fragung der deutschen Hans Böckler Stiftung zeigt: 71% der deutschen Crowdworker verdienen aus ih- rer Crowdworktätigkeit weniger als 500 Euro im Mo- nat, 30% weniger als 100 Euro, nur ein Zehntel mehr als 1.500 Euro. Aber: bei der Bezahlung gibt es große Unterschiede zwischen Tätigkeits- und Plattformarten. Im Bereich Desgin z.B. wird deutlich mehr verdient, als im Be- reich Mikrotasks44. Die ILO zeigt außerdem: Lange, unbezahlte Such- 2 Vgl. Ajay Agrawal, John Joseph Horton, Nicola Lacetera, and Elisabeth Lyons. Digtialization and the contract labour market: a research agenda. In: Avi Goldfarb, Shance Greenstein und Catherine Tucker, Economis Analysis of the Digital Economy. United States National Bureau of Economic research. 2015.. 3 Vgl. Berg, Janine (2015): Income security in the on-demand economy: Findings and policy lessons from a survey of crowd- workers, in: Conditions of Work and Employment Series No. 74, S. 11. 4 Vgl. Leimeister, Jan / Durward, David / Shkodran, Zogaj: Crowd Worker in Deutschland. Eine empirische Studie zum Arbeitsum- feld auf externen Crowdsourcing-Plattformen, in: Reihe Study der Hans-Böckler-Stiftung Stuttgart, Bd. 323, S. 44.