Seite 2 Probleme ? Vernachlässigung von Datenschutz und Datensi- cherheit ? Städtische Infrastrukturen laufen Gefahr in private Hände zu gelangen ? Vernachlässigung von KosumentInnenschutz Fra- gen (Kosten für die Implementierung neuer Tech- nologien werden auf KonsumentInnen abgewälzt?) ? Transparente Kriterien zur Bewertung neuer Tech- nologien fehlen (Kosten-Nutzen für alle Stadtbe- wohnerInnen, soziale Inklusion, digitale Spaltung, Sinnhaftigkeit, …) ? Vernachlässigung kultureller und sozialer Aspekte (sozial ausgewogene Stadtentwicklung vor dem Hintergrund zunehmender sozialer Ungleichheit, Platz für „unsmarte“ StadtbewohnerInnen, …) Wesentliche Erkenntnisse Die AK Studie „Smart Cities – eine technologische Einschätzung“ analysiert das Themenfeld Smart City in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit. Dazu beleuchtet Studie die Bedeutung von Informations- und Kommunikationssystemen bei unterschiedli- chen Smart City Initiativen, die dahinter stehenden organisatorischen und technologischen Konzepte, sowie gesellschaftspolitische und rechtliche Rah- menbedingungen. Sie beschreibt auch, wie weltweit agierende IT-Kon- zerne „die Stadt“ in Zusammenhang mit Smart City Strategien als ausbaufähiges Geschäftsfeld entdeckt haben. Als erster großer IT-Konzern nahm sich IBM dem Thema Smart City an und initiierte 2008 sein „Smarter Planet“ Programm, wenig später folgte der US Konzern Cisco mit seinem Konzept Smart+- Connected. Aber auch deutsche Konzerne wie Sie- mens oder SAP sind in der Zwischenzeit Anbieter von Produkten und Lösungen smarter Stadtentwicklung. Dieser Markt verspricht große Wachstumspotentia- le, sind doch smarte Häusern schon jetzt mitsmarten Geräten (z.B. Smart TV) bestückt oder steuern den Energiehaushalt über Apps bzw. verwenden Roboter (Staubsauger- und Rasenmäher-Roboter) zur Unter- stützung der häuslichen Arbeit. Daher überrascht es auch nicht, dass dieses boomende Feld nun auch von Akteuren bearbeitet wird, die in diesem Markt- segment bisher nicht bekannt waren, wie Microsoft mit seinem CityNext Ansatz und seit kurzem auch Google. Städte gehen vermehrt mit Softwarekonzer- nen Kooperationen ein bzw. beteiligen sich an Pilot- projekten, wo kostengünstig auf Ressourcen dieser IT-Konzerne zurückgegriffen werden kann, um städ- tische Aufgaben zu unterstützen. Bei der Analyse der dabei angebotenen Lösungen muss jedoch kritisch verfolgt werden, ob die Konzepte, die IT-Firmen bei Einsatz von Smart City-Lösungen umsetzen, sich nicht eng an der Idee einer Stadt als geschlossenem System orientieren. Kann eine Stadt ähnlich wie ein Unternehmen hard- ware- und softwaretechnisch unterstützt werden oder bedarf es nicht anderer organisatorischer und technologischer Modelle? Mitunter erwecken die pu- blik gewordenen Referenzprojekte aber genau die- sen Eindruck: Eigene Komponenten/Systeme des Produktportfolios werden angeboten, diese in Folge miteinander vernetzt, Daten zentral gesammelt und für Analysezwecke aufbereitet. Kritische Stimmen, die diese technologiegesteuerte Stadtentwicklung verfolgen, bemerken ein Comeback überwunden ge- glaubter technokratischer Dominanzallüren. Parallel dazu ist zu beobachten, dass auch im Bereich der weltweit agierenden Normierungsinstitutionen (ISO, IEC, ITU) große Anstrengungen unternommen wer- den, die Smart City und ihre Prozesse und Aufgaben zu normieren. In all diesen Ansätzen fällt den BewohnerInnen einer Stadt mehr die Rolle der KundInnen zu und weniger die der aktiven BürgerInnen. Bei der erweiterten Er- fassung und Verwendung von - zum Teil auch perso- nenbezogenen bzw. - Beziehbaren Daten – darf nicht auf deren Schutz vergessen werden. Dazu liefern derzeitige gesetzliche Regelungen wie das österrei- chische Datenschutzgesetz (DSG 2000) und die ab Mai 2018 geltende EU Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) eine Vielzahl an Ansatzpunkten. In ei- nem global aktiven Markt, wo eine Vielzahl an Anbie- tern aus dem amerikanischen oder asiatischen Raum kommen und diese Staaten sehr unterschiedliche Einstellungen zum Datenschutz besitzen, wird es vor allem an den europäischen AkteurInnen liegen, für die eigene Umgebung nachhaltige Lösungen im Um- gang mit den Daten von BürgerInnen zu erarbeiten.