Technologischer Wandel & Ungleichheit 27 2 KONZEPTIONELLER RAHMEN Die Auswirkungen des technischen Wandels auf Beschäftigung und Verteilung werden in der ökonomischen Literatur seit jeher kontrovers diskutiert – von sehr technik- optimistischen bis hin zu dystopisch anmutenden Szenarien. In Anbetracht der – noch zu beschreibenden – Komplexität der Wirkungsketten des technischen Wandels sowie der unterschiedlichen methodologischen Herangehensweisen ist diese Vielfalt wenig über- raschend. Für eine ausführliche Debatte der aktuellen empirischen und theoretischen Literatur sei an dieser Stelle auf Zilian et al. (2016)3 verwiesen, wo – als vereinbarter Be- standteil des gegenständlichen Projektes – dieser Diskussionstand ausführlich zusam- mengefasst und diskutiert wird. Auf Basis dieser Literaturstudie werden im folgenden Kapitel einige begriffliche Klärun- gen unternommen hinsichtlich der zentralen Konzepte, die der empirischen Analyse zu- grunde liegen, sowie die hypothetischen Wirkungszusammenhänge zwischen techni- schem Fortschritt und Beschäftigung und Verteilung beschrieben. 2.1 ZUM ZUSAMMENHANG ZWISCHEN TECHNOLOGISCHEM WANDEL, BESCHÄFTIGUNG UND UNGLEICHHEIT Um die Interaktion zwischen technischem Fortschritt, Beschäftigung und Verteilung zu verstehen, müssen verschiedene Wirkungsketten berücksichtigt werden. In Abbildung 5 sind die komplexen Zusammenhänge in einer zunehmend „wissensbasierten Ökonomie“ (knowledge-based economy), die von technischem Wandel in Form von Investitionen in sogenanntes wissensbasiertes Kapital (knowledge-based capital – KBC) geprägt ist und der Beschäftigung sowie der personellen und funktionellen Einkommensverteilung schematisch dargestellt. Wir werden im Folgenden die Auswirkungen auf Beschäftigung (Kapitel 2.1.1) getrennt von jenen auf die Verteilung (Kapitel 2.1.2) untersuchen. Da es zwischen personeller und funktioneller Verteilung enge Zusammenhänge gibt, werden diese gemeinsam diskutiert. Während die personellen Einkommensungleichheiten von der unterschiedlichen Nach- frageentwicklung nach gering- bzw. hochqualifizierten Arbeitskräften abhängen, wird die funktionelle Einkommensverteilung in erster Linie durch den Einsatz der Produktionsfak- toren Arbeit und Kapital bestimmt. Für eine umfassende Untersuchung der Auswirkun- gen des technischen Fortschritts auf Einkommensungleichheiten müssen beide Formen der Einkommensverteilung berücksichtigt werden. 3 Erschienen in Band 42 der Zeitschrift Wirtschaft und Gesellschaft (WuG) der Arbeiterkammer Wien: https://www.wu.ac.at/fileadmin/wu/d/i/vw1/Willi/Technologischer_Wandel_und_Ungleichheit__WuG_2016_4_.pdf