Technologischer Wandel & Ungleichheit 127 6 FALLSTUDIE WIEN 6.1 EINLEITUNG Im folgenden Kapitel werden nach Maßgabe der Datenverfügbarkeit Entwicklungen in Bezug auf die Wissens-, Technologie und Innovationsintensität in Verbindung mit der Einkommensentwicklung auf Branchenebene für das Bundesland Wien analysiert. Ent- sprechende Befunde und daraus abgeleitete Hypothesen wurden im Rahmen zweier Fokusgruppen-Diskussionen mit VertreterInnen von in Wien ansässigen Unternehmen, der Wirtschaftsagentur Wien, der Industriellenvereinigung sowie Branchenverbänden diskutiert (TeilnehmerInnen siehe Tabelle 34 im Anhang). Die Analyse quantitativer Daten, insbesondere der Wissens-, Technologie- und Innovati- onsintensität auf Branchenebene für ein einzelnes Bundesland, ist jedoch mit einer Rei- he von Problemen behaftet. Zum einen können Umklassifizierungen von einzelnen Un- ternehmen bzw. Unternehmensteilen auf Branchenebene in Wien bereits deutlichere statistische Effekte haben als bei einer gesamtösterreichischen Betrachtung, insbeson- dere in Branchen mit einigen wenigen Playern. Die branchenspezifische Bedeutung neu- er Industriekonzepte, wonach Unternehmen produktionsbezogene Dienstleistungen wie IKT-Entwicklung & Services sowie F&E an (eigene) Sub-Firmen auslagern, bei gleichzeiti- gem Rückgang der klassischen Produktion, ist dabei gerade im urbanen Bereich ein zent- raler Faktor für die regionale Wirtschaftsstruktur.49 Des Weiteren stehen Daten vielfach nicht in derselben Weise auf regionaler wie auf nationaler Ebene zu Verfügung, sei es aus Geheimhaltungsgründen oder weil eine regionalisierte Zuordnung im Fall von Unter- nehmen mit mehreren Standorten in Österreich nur eingeschränkt möglich ist. Das be- deutet für die F&E- sowie die Innovationsdaten, dass diese im Vergleich zur nationalen Betrachtung Lücken sowohl auf jährlicher als auch auf Branchenebene aufweisen. Inves- titionsdaten für IKT und F&E sowie Mikrozensusdaten zu Beschäftigung und geleisteten Arbeitsstunden auf Branchenebene stehen für eine regionale Auswertung nicht zur Ver- fügung, wodurch die Berechnung regionaler IKT- und F&E-Investitionsintensitäten sowie der Produktivität nach dem hier angewendeten Konzept nicht möglich ist. Weiteres konzentriert sich die nachfolgende Analyse nach Prüfung des vorhandenen Datenmaterials auf ein Kernsegment an Branchen, welches den produzierenden Sektor (C) sowie Informations- und freiberufliche/techn. Dienstleistungen (J und M) umfasst, für die größtmögliche Homogenität in Bezug auf die Datenabdeckung gegeben ist. Des Wei- teren waren gerade diese Branchen in der jüngeren Vergangenheit von einer besonde- 49 Schneider et al. (2014).