Zusätzlich wurden in den vergangenen zehn Jahren einige Studien zum Gender Wealth Gap basierend auf SOEP-Individualdaten für Deutschland publiziert, eine davon ist jene von Sierminska et al. (2010). Methodisch basiert ihre Analyse, ähnlich jener der vorliegenden Studie, auf deskriptiven Statistiken und bivariaten Analysen hinsichtlich der Verteilung von Vermögen zwischen Männern und Frauen nach Familienstand (verheiratet, zusammenlebend, geschieden, verwitwet, alleinstehend). Den Ergebnissen zufolge liegen im Durchschnitt die Vermögen von Männern mit 30.000e höher als die der Frauen. Wird nur die Subgruppe der verheirateten Paare betrachtet, kann festgestellt werden, dass der Vermögensunterschied zwischen den Geschlechtern mit rund 47.000e vergleichsweise hoch ist. Prozentual gesehen haben Männer innerhalb der Gruppe der verheirateten Paare um 56% mehr Vermögen als Frauen. Bei zusammenlebenden (und nicht verheirateten) Paaren erhöht sich der Wert auf 74% und innerhalb der Gruppe der geschiedenen bzw. getrenntlebenden Paare übersteigt das Vermögen der Männer jenes der Frauen um 88%. Im Rahmen der Analyse einzelner Vermögensbestandteile konnten die AutorInnen zeigen, dass die Di?erenz insbesondere bei den Betriebsvermögen beträchtlich ist. Das Vermögen der Männer entspricht in der Gruppe der verheirateten Paare dem Fün?achen der Frauen. Bei zusammenlebenden Paaren ist die Di?erenz noch größer: Das Betriebsvermögen der Männer ist neunmal so hoch wie jenes der Frauen. Die AutorInnen begründen diese Di?erenz mit der höheren Zahl männlicher Selbstständiger, die u. a. durch Sozialisierung erklärt werden kann. Frick et al. (2007) zeigen außerdem, dass ein haushaltsbezogener Ansatz im Vergleich zum personenbezogenen eine geschlechtsspezi?sche Vermögenslücke in Höhe von rund 50.000e verbirgt. Grabka et al. (2013) können in ihrer Analyse im durchschnittlichen Nettovermögen ebenfalls einen Gender We- alth Gap in Höhe von 33.000e zwischen verheirateten und zusammenlebenden Paaren zugunsten der Männer feststellen. In mehr als der Hälfte der deutschen Paarhaushalte hält der Mann den Großteil des Vermögens, der daraus resultierende Gender Wealth Gap beträgt rund 91.000e. Wenn jedoch die weibliche Partnerin mehr Vermögen besitzt, so beläuft sich die Vermögensdi?e- renz auf nur ca. 48.000e. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich, wenn man betrachtet, wer das letzte Wort bei Finanzentscheidungen hat: Die intrapartnerschaftliche Vermögenslücke ist am größten, wenn der männliche Partner die Entscheidung tri?t, allerdings zählen diese Paare auch zu den vermögendsten Haushalten. Tri?t jedoch die Frau die Finanzentscheidungen, so ist die intrapartnerschaftliche Vermögenslücke zwar am geringsten, allerdings weisen solche Paare auch das niedrigste Durchschnitts-Nettovermögen auf. An diesen Ergebnissen knüpfen wir nun nachfolgend mit der erstmaligen Analyse von Vermö- gensdaten auf der Personenebene für Österreich an. Zuvor werden im nächsten Abschnitt die verwendeten Datensätze (HFCS und SOEP) beschrieben. 3 Daten 3.1 Eurosystem Household Finance and Consumption Survey (HFCS) Der HFCS des Eurosystems ist eine umfassende Datenerhebung im Zuge derer Sachvermö- gen, Finanzvermögen, Verbindlichkeiten und Ausgaben privater Haushalte erfasst werden. 9