Betrachtet man die Ergebnisse dieses Unterkapitels, kann zusammenfassend gesagt werden, dass eine Konformität zu bereits vorhandenen Studien besteht. Mader & Schneebaum (2013) zeigen beispielsweise in ihrer Studie, dass Frauen in Osteuropa eher Finanzentscheidungen tre?en, wenn die ?nanzielle Situation des Haushalts angespannt ist. Auch unsere Analysen kommen zu dem Schluss, dass das durchschnittliche Nettovermögen sowohl für Frauen als auch für Männer niedriger ist, sofern die Frau mehr Entscheidungsmacht hat als der Mann, im Vergleich zu jener Situation, in welcher beide gleichermaßen über die Ressourcen bestimmen können. Auch wenn das durchschnittliche Nettovermögen in unseren Statistiken positiv ist und nicht von einer ?nanziell prekären Situation gesprochen werden kann, unterstreichen die Ergebnisse jene von Mader & Schneebaum (2013). Es stellt sich nun die Frage, warum gerade Frauen eher in der Position der Entscheidungsträ- gerin zu ?nden sind, wenn das Vermögen des Haushalts gering bzw. sogar negativ ist. Ein Grund könnte in der Zuschreibung bestimmter Charakteristika wie beispielsweise Altruismus und erhöhte Vorsicht bei Finanzentscheidungen in Bezug auf Frauen seitens der Gesellschaft sein. Auch wenn die empirische Evidenz nicht eindeutig ist, wenn es um die vermehrte Risikoaversion von Frauen im Vergleich zu Männern geht, ist diese Ansicht aus gesellschaftlicher Sicht weit verbreitet. Wird der Vermögensbesitz betrachtet, zeigt sich, dass der Wert des Vermögens von Frauen, sollten sie mehr besitzen als ihre männlichen Partner, deutlich unter jenem der Männer liegt, wenn diese über mehr Ressourcen verfügen als ihre Partnerinnen. Dies entspricht der Annahme, dass die ver- mögendsten Frauen weniger Ressourcen halten als die vermögendsten Männer und unterstreicht, dass geschlechtsspezi?sche Vermögensunterschiede vermehrt am oberen Ende der Verteilung zu ?nden sind. In weiterer Folge kann die Frage aufgeworfen werden, warum Frauen im Durchschnitt über weniger Vermögen verfügen als Männer. Da sich insbesondere in Diskussionen rund um den geschlechtsspezi?schen Einkommensunterschied Argumente hinsichtlich unterschiedlichem Bildungsniveau und Unterschiede im Erwerbsleben von Frauen und Männern ?nden lassen, wird im weiteren Verlauf des Berichts sowohl auf Bildung als auch Beschäftigungssituation und -ausmaß eingegangen. 4.3 Vermögen und Bildung In weiterer Folge inkludieren wir Bildung in die Analyse geschlechtsspezi?scher Vermögensunter- schiede. Im Rahmen des HFCS erfolgt die Einteilung des Bildungsniveaus anhand der International Standard Classi?cation of Education (ISCED). Hierbei können drei Bildungskategorien unter- schieden werden: (1) „Primär und Sekundär I“, (2) „Sekundär II“ und (3) „Tertiär“. In die erste Kategorie fallen die ISCED-Stufen null bis zwei, welche Vor- und Volksschule, AHS-Unterstufe und Hauptschule umfassen. Die zweite Kategorie setzt sich aus den ISCED-Stufen drei und vier zusammen, worunter Lehrlingsabschlüsse, Ausbildung in der Oberstufe sowie Aufbaulehrgänge subsumiert werden. Die höchste Bildungsstufe wird anhand der dritten Kategorie repräsentiert, welche die ISCED-Stufen fünf und sechs beinhaltet und Ausbildungen zum Meister, Abschlüsse an Universitäten, Fachhochschulen, Kollegs sowie Akademien miteinschließt. 26