47 Die Pensionsreformen seit dem Jahr 2010 haben in Summe den ? erwarteten ? Pensionsstand für 2016 um rund 100.000 LeistungsbezieherInnen verringert. So wurde im Gutachten der Pensionskommission vom Oktober 2011 die Zahl der Invaliditätspensionen für das 2016 mit 228.190 angenommen, tatsächlich befanden sich 2016 167.035 Personen in einer solchen Leistung. Das sind rund 60.000 Personen, die statt eine Invaliditätspension zu beziehen, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen; rund 40.000 davon sind arbeitslos und rund 20.000 Personen befinden sich im Rehabilitationsgeldbezug, der sie auf die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt vorbereitet soll. Die verhinderten Pensionszugänge spiegeln sich in der drastisch erhöhten Zahl an gesundheitlich beeinträchtigten Arbeitslosen wider. So ist die Zahl der 50- bis 64-jährigen arbeitslos vorgemerkten Personen von 43.445 im Jahr 2008 auf 114.447 im Jänner 2018 - auf das 2,6-fache - angestiegen und somit wesentlich stärker als die unselbstständige Beschäftigung der 50- bis 64-Jährigen. Ende Jänner 2018 waren 78.954 Personen (siehe Strategiebericht zur UG 21, Seite 50) mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen als arbeitslos gemeldet. 40.162 (51 %) davon waren 50 Jahre und älter und von diesen wiederum waren 23.352 (58 %) langzeitbeschäftigungslos. Auch die Älterenbeschäftigung an sich lässt zu wünschen übrig. Die Auswertung des Hauptverbandes zum 30.9.2017 gem § 31 Abs 15 ASVG betreffend die Bonus-Malusregelung zur Älterenbeschäftigung zeigt, dass rund 40 % der Betriebe (6.600) mit 25 und mehr ArbeitnehmerInnen keine oder kaum Ältere beschäftigen. Das Hauptziel der Bundesregierung in der UG 22 (Wirkungsziel 1) ist die Anhebung des faktischen Pensionsalters. Dabei geht der Budgetentwurf für das Jahr 2016 von einem Wert von 59,9 Jahren aus. Diese Zahl steht im Widerspruch zu dem vom BMASK berechneten Alter von 60,3. Als Maßnahmen zur Zielerreichung werden „Informationen im Rahmen des Pensionskontos über die Vorteile länger zu arbeiten bzw Teilzeitphasen zu begrenzen“ und die „Evaluierung der bisherigen gesetzlichen Maßnahmen im Bereich Pensionsantrittsalter“ genannt. Die angeführten Statistiken zeigen, dass es keiner weiteren Pensionsreformen mehr bedarf, die Wirkungen der Maßnahmen halten weiter an bzw haben zu einem guten Teil erst 2017 eingesetzt. Dringend gefordert sind hingegen Begleitmaßnahmen in den Bereichen Prävention, Rehabilitation, Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt und die Förderung der Älterenbeschäftigung. Gerade jetzt ist der falsche Zeitpunkt die Finanzierung des Gesundheitssystems durch massive Einsparungen in der Unfallversicherung (500 Mio Euro) und Kostenverlagerungen vom FLAF zur Krankenversicherung, zB Mutter-Kind-Passleistungen (50 Mio Euro), zu belasten. Es ist auch kontraproduktiv die Berichtspflichten des Hauptverbandes zur Älterenbeschäftigung durch das Budgetbegleitgesetz für obsolet zu erklären und mit 1. Juli 2018 aufzuheben. Die Berichtspflicht ist auch nicht wie angegeben mit hohen Kosten verbunden, sondern besteht in einer Auswertung von ohnehin vorhandenen Daten. Die Auswertung zeigt aber, wie angeführt, dass 40 % der Betriebe keine oder kaum Ältere Beschäftigen. Im letztgenannten Zusammenhang braucht es ein wirksames Bonus/Malus- System zur Älteren-Beschäftigung. Im Übrigen sollten ? aufgrund der ohnehin sehr günstigen Entwicklung der Bundesmittel im Pensionsbereich ? die zusätzlichen Gelder der Bank Austria auch den Versicherten zu Gute kommen. Es wäre sinnvoll, wenn diese durch die Zweckwidmung für Prävention, Rehabilitation und Wiedereingliederung einen Beitrag zur Anhebung des faktischen Pensionsalters leisten.