15 „Was habt ihr bisher über das Pflichtpraktikum gelernt?“ Besser war es zu fragen: „Wie geht es euch mit dem Pflichtpraktikum?“ Während die erste Frage die SchülerInnen eher sprachlos machte, brachte die zweite Formulierung die SchülerInnen dazu, ihre jeweilige Gefühlslage zum Ausdruck zu bringen. Ich versuchte, mich so gut wie möglich in ihre Situation zu versetzen. Die SchülerInnen wurden von ihrem Klassenlehrer oder sogar vom Herrn Direktor bzw. der Frau Direktorin persönlich darüber informiert, dass da ein „Herr aus Wien“ bzw. ein „Herr aus dem Ministerium“ kommt, um sie über das Pflichtpraktikum zu befragen. Aus meiner eigenen Schulzeit weiß ich, dass jede fremde Person, die in die Klasse kam – meist handelte es sich um den Inspektor – großes Unbehagen auslöste. Die meisten SchülerInnen waren, was mich nicht verwunderte, vor der ersten Befragungsrunde angespannt. Dass ich den Einstieg gut schaffte, zeigte mir die folgende Beobachtung in einer Handelsschule besonders deutlich. Eine Schülerin rief nach ihrer ersten Befragung hörbar erleichtert der nächsten Gruppe am Gang entgegen: „Das Interview ist super chillig.“ Diese positive Reaktion zeigte mir, dass ich die richtige Gesprächsebene getroffen hatte. Die meisten SchülerInnen empfanden die Befragung als willkommene Abwechslung ihres Schulalltages und freuten sich auf den nächsten Befragungstermin. Ich habe viele junge Menschen kennengelernt, die zum Zeitpunkt der Datenerhebungsphase an einem schwierigen Punkt ihrer Ausbildung angelangt waren. Viele SchülerInnen wussten nicht, was sie nach der HAS machen werden, ja manche zweifelten gar an der Sinnhaftigkeit, die HAS abzuschließen. Während des langen Zeitraums der Datensammlung wurde jedoch vielen SchülerInnen klar, wie ihre nahe Zukunft aussehen wird. Ihre persönlichen Erfahrungen mit den Praktika trugen nicht selten zur Konkretisierung ihrer beruflichen Pläne bei. Ich fühlte mich von meinen AuftraggeberInnen während des gesamten Forschungsprozesses sehr gut unterstützt. Auch an den verschiedenen Schulstandorten gab es ein wohlwollendes Entgegenkommen, das sich spürbar auch auf die SchülerInnen übertrug. Gegen Ende der Datenerhebungsphase kam es allerdings an einem Schulstandort zu einer schwierigen Situation. Zum Glück eskalierte die Meinungsverschiedenheit jedoch erst nach Abschluss der