Nr. 5 – August 2002 Zahlreiche Bilanzskandale haben in den letzten Wochen die Wirtschaftswelt erschüt- tert. Ein Rekordtief an den Börsen war die Folge, einige Unternehmen sind an den Rand des Abgrundes getrie- ben worden. Tausende Ar- beitsplätze sind vernichtet. In den Mittelpunkt der öffentli- chen Diskussion sind einer- seits die Prüfungsorgane (Aufsichtsrat, Wirtschaftsprü- fer), andererseits aber auch die „Veramerikanisierung“ der Bilanzregeln gerückt. Deutlich sichtbar ist aber auch gewor- den, dass diese Skandale mit der überbordenden Ausrich- tung der Unternehmenspolitik auf die Interessen der Ei- gentümer zusammenhängen. Die AK wird sich im Herbst diesem Thema in Form einer Betriebsräte-Veranstaltung annehmen. Walter Gagawczuk hat sich in seinem Artikel mit plötzlich einberufenen „außerordentli- chen“ Aufsichtsratssitzungen eingehend auseinanderge- setzt und zeigt auf, welche Handlungsalternativen den AR-Mitgliedern zur Verfügung stehen, um dem erforderli- chen Sorgfaltsmaßstab trotz- dem nachkommen zu kön- nen. IFAM-Redaktionsteam Ines Hofmann Heinz Leitsmüller Ruth Naderer Liebe Kollegin, lieber Kollege! Wenn plötzlich eine „außer- ordentliche“ Aufsichtsratssitzung einberufen wird ... Walter Gagawczuk (AK Wien) Die Einladung zu einer Aufsichts- ratssitzung sollte so erfolgen, dass eine angemessene Frist zwischen Einberufung und Sitzungstermin liegt. Der Einladung sind die Tages- ordnung und all jene Unterlagen beizufügen, die erforderlich sind, damit sich die Aufsichtsratsmitglie- der gewissenhaft auf die Sitzung vorbereiten können. Die Informatio- nen sollten den Aufsichtsratsmit- gliedern gleichermaßen zugehen. All dies ist zwar im Gesetz nicht ausdrücklich geregelt, aber weitest- gehend anerkannt. Was passiert aber, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden? Nehmen wir an, der Termin für eine außerordentliche Sitzung wird am Vortag per Fax bekannt gegeben. Auf der Tagesordnung findet sich als einziger Punkt ein wichtiger An- teilsverkauf. Unterlagen werden keine übermittelt, sondern erst in der Sitzung ausgeteilt. Aus diesen selbst ergeben sich nur wenige In- formationen. Informationen und Vergleiche über bzw. mit anderen Kaufinteressenten wurden nicht vorgelegt. Die verspätete Informati- on wird u.a. mit Hinweis auf börse- rechtliche Vorschriften begründet. Aufgrund eines Gutachtens von Univ. Prof. Dr. Peter Jabornegg er- gibt sich dazu folgendes: Sitzungseinberufung und Unterlagen Für die Einberufung einer Auf- sichtsratssitzung sind die Satzung sowie die Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat zu beachten. Ist dort dem Vorsitzenden des Auf- sichtsrates die Möglichkeit einge- räumt, in dringenden Fällen die Frist zu verkürzen, wird dies gerade bei zustimmungspflichtigen An- teilsverkäufen kaum je zum Tragen kommen können, da es sich inso- weit typischerweise um von vorn- herein länger dauernde Verfahrens- abläufe handelt, die ohnehin einer entsprechenden zeitlichen Abfolge- planung bedürfen und bei dieser Planung auch die Beteiligung des Aufsichtsrates am Entscheidungs- prozess berücksichtigt werden kann und muss. Sind nach der Satzung und der Ge- schäftsordnung für den Aufsichtsrat www.akwien.at/IFAM – die neue IFAM-Homepage n alle IFAM-Seminare und Veranstaltungen n aktuelle Artikeln rund um das Thema Aufsichtsrat n die wichtigsten Gesetze für den AR n Broschüren, Publikationen n Online-Kursanmeldung