IFAM DIE EUROPÄISCHE AKTIENGESELLSCHAFT UND DAS MONISTISCHE BOARDSYSTEM – EINE HERAUSFORDERUNG FÜR KÜNFTIGE AUFSICHTSRÄTE? VON WALTER GAGAWCZUK, AK WIEN IN FO INSTITUT FÜR AUFSICHTSRAT-MITBESTIMMUNG · NR. 3 – AUGUST 2003 · www.akwien.at/IFAM Im folgenden Artikel wer- den die beiden Begriffe „Euro- päische Aktiengesellschaft“ und „monistisches System“ kurz erläutert und anschlie- ßend wird der Frage nach- gegangen, was diese beiden Begriffe miteinander verbin- det. DIE EUROPÄISCHE AKTIENGESELLSCHAFT (SE) Die Idee zur Schaffung einer eigenen europäischen Gesellschaftsform geht bereits auf die 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. In den folgenden Jahr- zehnten waren dann verschiedene Entwürfe für eine Europäische Aktiengesellschaft in Diskussion bis man sich letztlich im Jahr 2000 auf politischer Ebene auf dem Gipfel des Europäischen Rates in Nizza über eine konkrete Lösung einigen konnte. Am 8. Oktober 2001 erfolgte dann die formelle Zustimmung im Rat der So- zialminister der Europäischen Union zur Verordnung über das Statut der Europäischen Aktiengesellschaft und zur dazu ergänzenden Richtlinie hinsichtlich der Beteiligung der ArbeitnehmerInnen. Diese beiden Rechtsgrundlagen sind in den Mitgliedstaaten der Eu- ropäischen Union bis zum 8. Oktober 2004 umzuset- zen bzw. treten zu diesem Zeitpunkt in Kraft. Die praktische Bedeutung dieser neu geschaffenen europäischen Gesellschaftsform soll vor allem darin liegen, dass Unternehmen mit Niederlassungen in mehreren Mitgliedstaaten fusionieren und mit einem einheitlichen Management und Berichtssystem überall in der Europäischen Union tätig werden können, ohne mit erheblichen Zeit- und Kostenaufwand ein Netz von Tochtergesellschaften errichten zu müssen, für die unterschiedliche nationale Vorschriften gelten. Für die Europäische Akteingesellschaft ist auch die Bezeichnung „SE“ als Abkürzung des lateinischen Na- mens „Socieatas Europaea“ gebräuchlich.