IFAM ? kaufspreis zumindest um die Bestechungssumme zu hoch ist. Dies unter der durchaus nicht unrealisti- schen Annahme, dass der bestechende Lieferant na- türlich auch die Bestechungssumme in seine Kalkula- tion mit aufnimmt. Die Schwierigkeit für den Staatsan- walt war dabei allerdings die eindeutige Nachweisfüh- rung über den entstandenen Schaden, was vor allem bei der „verbotenen“ Geschenkannahme eigentlich überhaupt unmöglich war, da diese Phase der Kor- rumpierung, das „Anfüttern“, meist noch losgelöst von konkreten geschäftlichen Transaktionen abläuft. Neue Situation – Korruption in der Privatwirtschaft Korruption ist einer der wesentlichen Änderungsbe- reiche, welche im Strafrechtsänderungsgesetz 2008 enthalten sind. Nicht nur die in den Medien bereits sehr ausführlich dargestellte Installierung einer eige- nen Behörde, einer Korruptionsstaatsanwaltschaft, sondern eben die nunmehr explizite strafrechtliche Er- fassung von jeglicher Korruption, also auch jener im privatwirtschaftlichen Sektor, ist eine echte Novität und verändert die Landkarte der Korruptionsbekämp- fung entscheidend. Eingeführt wurden folgende Inhalte: ? Die Geschenkannahme durch Bedienstete oder Beauftragte eines Unternehmens ist mit einer Frei- heitsstrafe bis zu 2 Jahren (bzw. 3 Jahre bei einem Vorteilswert von über 5.000 €) ? Die Bestechung von Bediensteten oder Beauftrag- ten eines Unternehmens ist mit einer Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren zu bestrafen. Was bisher nur für Beamte ausgesprochen im Straf- gesetzbuch enthalten war, gilt nun für die gesamte Wirtschaft ohne Einschränkungen. Für die Strafverfolgungsbehörden und anzeigenden Betroffenen (der Kreis ist relativ groß) hat sich damit die Beweislage entscheidend verändert. Ab nun ge- nügt es – völlig unabhängig vom Ergebnis der durch die Korruption ausgelösten Handlung – nachzuwei- sen, dass Schmiergeld geflossen ist und in welcher Höhe. Das mag zwar immer noch in vielen Fällen sehr schwierig sein, ist jedoch erheblich einfacher als den quasi indirekt verursachten Schaden beispielsweise bei einer manipulierten Ausschreibung nachzuweisen. Damit wurde erreicht, dass nicht nur die Bestechung zu konkreten Handlungen (zB. einer Auftragsertei- lung), sondern auch bereits das so genannte „Anfüt- tern“ über Geschenke ausdrücklich erfasst sein sollte. Unter dem „Anfüttern“ versteht man jenen Vorgang, in welchem einem zukünftig zu Bestechenden im meist Kleinen beginnend Geschenke gemacht werden. Die- se werden häufig unter Hinweis darauf, man sei für ei- ne – ohnedies korrekt und nicht anders durchführbare – Vorgehensweise zB. im Rahmen einer Ausschrei- bung „dankbar“, gegeben. Die Bestecher versuchen damit auszutesten, wie empfänglich die Zielperson für allfällige Bestechung ist und auf welchen Gebieten „Schwächen“ ausgenutzt werden können. Für die Unternehmen in der Privatwirtschaft beginnt damit eine neue Phase in der Korruptionsbekämp- fung, denn es gilt ab nun, diesem Thema weit mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als das in der Vergan- genheit vielleicht geschehen ist. Es obliegt dem Unternehmen, dafür zu sorgen und entsprechende Kontrollstrukturen aufzubauen, damit jederzeit nach- gewiesen werden kann, dass man gegen Korruption ausreichend effizient in den eigenen Reihen vorge- gangen ist. Dieses Thema bietet sich nämlich als An- wendungsfall für das Verbandsverantwortlichkeitsge- setz (VbVG) an, nämlich dann, wenn sich herausstel- len sollte, das Bestechung auf Grund von Umfang und Anzahl involvierter Personen (zB. eine ganze Abtei- lung) faktisch als Teil des Geschäftsmodells anzuse- hen war und angenommen werden muss, dass solche Zustände bekannt waren und geduldet wurden. Dann könnte sich das Unternehmen selbst sehr rasch auf der Anklagebank wieder finden oder eben stellvertre- tend dessen oberste Repräsentanten. Nächste Ausgabe: Ist Prävention möglich? Dr. Matthias Kopetzky, CPA, CFE, CIA ist geschäfts- führender Gesellschafter der Business Valuation GmbH und als allgemein gerichtlich beeideter und zer- tifizierter Sachverständiger überwiegend mit der Bear- beitung von Wirtschaftskriminalitätsfällen befasst. IFAM TERMINE FRÜHJAHR 2008 14.–17. April 2008 Wirtschaftliche Mitbestimmung im Aufsichtsrat (Grundmodul 2) 14.–16. Mai, 11.–13. Juni 2008 Die Aufsichtsratssitzung (Grundmodul 3) 28.–29. April 2008 Psychologie im Aufsichtsrat 9.–10. Juni 2008 Umstrukturierung, Ausgliederung, Fusion IFAM-Auskünfte Ines Hofmann, 01/50165-2268 Friederike Harmuth, 02236/44646-298 IFAM-Anmeldung Nicole Appinger ÖGB-Bildungsreferat, 01/534 44-460