INSTITUT FÜR AUFSICHTSRAT-MITBESTIMMUNG ? SONDERAUSGABE - MÄRZ 2010 ? www.ifam-aufsichtsrat.at NEUER PRÜFUNGSBERICHT: WENIGER INFORMATION FÜR AUFSICHTSRÄTE INES HOFMANN, AK WIEN BETRIEBSWIRTSCHAFT Aufgrund geänderter Prüfungs- standards wird sich für Prü- fungsberichte ab dem Bilanz- stichtag 31.12.2009 eine deutli- che Verkürzung gegenüber dem bisher üblichen Umfang erge- ben. Insbesondere werden die Aufgliederungen und Erläute- rungen der Posten des Jahres- abschlusses weitestgehend reduziert. In der Praxis fallen damit wichtige Informationen für den Auf- sichtsrat weg. ArbeitnehmervertreterInnen im Auf- sichtsrat sind daher gut beraten, die erforderlichen Informationen aktiv einzufordern. Mindestinhalte des Prüfungsbericht laut Gesetz Im Unternehmensgesetzbuch (UGB) sind die Min- destinhalte des Prüfungsberichts festgelegt. Dem- nach müssen folgende Punkte enthalten sein: ? Feststellung, ob die Buchführung, der Jahresab- schluss, der Lagebericht, der Konzernabschluss und –lagebericht den gesetzlichen Vorschriften entsprechen ? Feststellung, ob der Corporate Governance Be- richt aufgestellt worden ist ? Feststellung, ob die gesetzlichen Vertreter die verlangten Aufklärungen und Nachweise erbracht haben ? Aufgliederung und Erläuterung der Posten des Jahres- und Konzernabschlusses ? Nachteilige Veränderungen der Vermögens-, Finanz- u. Ertragslage und wesentliche Verluste ? Tatsachen, die den Bestand des Unternehmens- gefährden ? Reorganisationsbedarf nach dem URG ? Bestätigungsvermerk Neues Fachgutachten führt zu reduziertem Prü- fungsbericht Die gesetzlichen Vorschriften zum Mindestumfang werden durch Richtlinien der Kammer der Wirt- schaftstreuhänder (Fachgutachten KFS/PG2) er- gänzt. Diese wurden im Jahr 2009 erneuert – mit dem Ergebnis, dass die Prüfungsberichte künftig wesentlich dünner werden. Das neue Fachgutach- ten stellt den gesetzlichen Mindestumfang in den Mittelpunkt des Prüfungsberichts. Der Umfang kann freiwillig erweitert werden, wenn dies vom Ab- schlussprüfer für zweckmäßig erachtet wird oder mit dem Auftraggeber im Prüfungsvertrag gesondert vereinbart wurde. Diese freiwillige Berichtsauswei- tung findet sich dann in den Anlagen bzw in eigenen Beilagen zum Prüfungsbericht. Beispiele für Berichtspunkte, die zukünftig nur mehr „freiwillig“ bzw auf Anforderung gemacht werden: ? Analyse der Vermögens-, Finanz- u. Ertragslage ? Kennzahlen ? Rechtliche Verhältnisse (zB Eigentumsverhältnis- se, wichtige Beschlüsse der Anteilseigner, Aus- führungen zum Aufsichtsrat) ? Steuerliche Verhältnisse (zB letzte Betriebsprü- fung, steuerliche Verlustvorträge, wichtige uner- ledigte Rechtsmittel) ? Wirtschaftliche Verhältnisse (zB Darstellung des Produktionsprogramms, Umfang u. Zusammen- setzung der Produktion u. des Absatzes mit Ver- gleichzahlen, Hinweise auf größere Investitions- vorhaben und deren Finanzierung) ? wesentliche langfristige Verträge ? wesentliche Umgründungen