Wenn Sie an Ihren Aufsichtsrat (AR) den- ken: Welche Bilder tauchen bei Ihnen auf? Angenommen Sie würden die ein- zelnen Mitglieder in Tieren beschreiben: Welche Tiere kommen da vor? Welche Charaktereigenschaften zeichnet diese aus? Sind sie groß, klein, gefährlich oder lammfromm? Diese Übung heißt „AR in Tieren“ und ist Teil des zweitägigen IFAM-Seminars „Psychologie im AR“. In diesem Modul wird bewusst ein unkonventioneller, emotionaler Zugang zur Aufsichtsrats- arbeit angestrebt. Zahlen, Daten und Fakten sind für erfolgreiche AR-Arbeit zwar unverzichtbar. Mit dem Wissen über psychologische Zusammenhänge, informelle Strukturen, ungeschriebene Spielregeln, Gruppenprozesse, Ver- haltensweisen, Persönlichkeitstypen, unsichtbare Macht strukturen etc. sollen jedoch die Handlungs- und Gestal- tungsmöglichkeiten von BetriebsrätIn- nen erweitert werden. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Zugang zum Thema Macht und Ohnmacht, das Bewusstsein der eige- nen Ressourcen und Beziehungsnetzwerke ist ebenso Teil des Seminars und soll die BetriebsrätInnen bei ihrer Auf- gabe als AR-Mitglieder stärken. Immer wieder kommen von BetriebsrätInnen Aussagen wie: „Ich stoße in meiner AR-Tätigkeit oft an unsichtbare Grenzen“ oder „Wir von der ArbeitnehmerInnenseite gehö- ren im AR nie dazu.“. Für BetriebsrätInnen ist es wichtig, in der AR-Arbeit ihre Rolle und Funktion zu kennen und diese mit Selbstbewusstsein und Verantwortung zu erfüllen. Beziehungen im erlauchten Kreis Warum wird AR-Arbeit oft so „arbeitgeberlastig“ erlebt? Warum fühlen sich BetriebsrätInnen gegenüber den ArbeitgebervertreterInnen oft so unterlegen? Auf diese Fragen gibt es interessante Antworten in der Studie „Blick in den erlauchten Kreis“ von Roswitha Königswieser. Sie zieht Parallelen zur Adelsgesellschaft. Für „Nicht-Adlige“ ist es beinahe unmöglich dazuzugehören. Es gibt eine bestimmte Sprache, Spiel- und Benimmregeln. Dresscode, Small Talk und Sitzordnung sind nur kleine Beispiele der „ungeschriebenen Erwartungen“ der AR-Mitglieder. Wei- ters wird Loyalität und Gefühlskontrolle unter den AR-Mit- gliedern erwartet. Offene Konfrontationen, unkontrollierte Gefühlsausbrüche, Blamagen und gegenseitig bloßstellen gehören zu den absoluten Tabus. Demgegenüber stehen bewusstes Taktieren und das Forcieren von Entscheidun- gen an der Tagesordnung und gehören zur „Dramaturgie“ und zum Spiel. BetriebsrätInnen sollten sich auf die AR-Sitzungen nicht nur inhaltlich, sondern auch strategisch vorbereiten. Die Arbeit im AR lebt von der kontinuierlichen Pflege von Netzwerken und Beziehungen, das sollten auch BetriebsrätInnen in der InstItut für AufsIchtsrAt-MItbestIMMung · nr. 1 – februAr 2012 · www.ifam-aufsichtsrat.at Dr Veronika Hubner ist Referentin in der Abteilung BetriebsratsBeratung der AK-OÖ, Organisationsbe- raterin, Psychotherapeutin und Supervisorin Maga Tanja Dobart Projektleiterin und Beraterin der promitto organisations- und politikberatung gmbh Politikwissenschaftlerin Ifam InfO VOn lÖWen, lÄMMern, schlAngen unD AnDeren tIeren IM AufsIchtsrAt VeroniKa huBner, tanJa DoBart