„Ideal ist es, wenn der Vorstand eines Unternehmens nicht mehr als das 20-fache eines einfachen Mitarbeiters verdient“, meinte der Gründer des Weltwirtschaftsforums Davos, Klaus Schwab, beim diesjäh- rigen Gipfeltreffen in den Alpen. Was kürzlich noch von der Wirtschaftselite als Neid-Debatte gescholten wurde, gehört mittlerweile unter „ehrbaren Kaufmännern“ zum guten Ton und ist längst im politischen Mainstream angekommen: Die Kritik an hohen Managergehältern. Angefeuert von der Anti-Abzocker-Volksbefragung in der Schweiz, hat inzwischen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel das Deckeln von Managergehältern zur Chefinnensache erklärt und parallel dazu fährt die Euro- päische Union eine härtere Gangart bei Bonusregelungen für das Management in Kreditinstituten. Auch Österreich hat im Vorjahr gesetzliche Neuerungen für mehr Trans- parenz und Angemessenheit bei der Vorstandsvergütung erlassen. Wie bewähren sich die jüngst in Kraft getre- tenen Regelungen in der Praxis? Welche Anreizmecha- nismen liegen dem herrschenden Vergütungsparadigma zugrunde? Welche Maßstäbe in der Vergütungsstruktur für das Management sollte der Aufsichtsrat setzen, um zukunftsweisende, stakeholderorientierte Unterneh- mensführung zu stärken? Remuneration reloaded! Die Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien hat im April 2013 die Prinzipien und Komponenten der Vorstands- vergütung in den 20 ATX-Unternehmen an der Wiener Börse untersucht. Damit wird erstmalig die praktische Umsetzung der im Vorjahr verabschiedeten Gesetze für eine Neuorientierung der Vorstandsvergütung eva- luiert. Die noch jungen Regelungen, die im Zuge des 2. Stabilitätsgesetzes im Vorjahr beschlossen wurden, sollten einerseits die Transparenz erhöhen sowie für mehr Angemessenheit sorgen. Doch wie die vorliegenden Stu- dienergebnisse zeigen, ist von Trendumkehr bisher keine Spur, vielmehr muss ein erstes Fazit wohl „renumeration reloaded“ lauten: Denn das durchschnittliche Vorstands- gehalt eines ATX-Managers steigt weiter und liegt für das Jahr 2012 nunmehr bei 1,4 Mio. Euro (plus 6,5%), das ist das 49-fache eines österreichischen Durchschnittsge- halts. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt die Dynamik der Entwicklung: Im Jahr 2000 lag der Faktor noch beim 20-fachen. Pflicht zur Einzelveröffentlichung: Neues Gesetz, neue Gesichter Das Gesetz zur Einzelveröffentlichung der Bezüge der Vorstände in börsennotierten Unternehmen bringt auf den ersten Blick immerhin mehr Transparenz und zugleich neue Gesichter in das Gehälter-Ranking: Der aktuell bestbezahlteste ATX-Manager heißt Wolfgang Maga Christina Wieser ist Referentin in der Abteilung Betriebswirtschaft der AK-Wien gerechte vorstandsvergütung: eine (an)reiz-frage? von Christina Wieser Nachdruck eines Beitrags aus „Aufsichtsrat aktuell“ 3/2013 mit freundlicher Genehmigung des Linde Verlages. IFAM institut für aufsiChtsrat-MitbestiMMungnr 3 · august 2013 www.ifam-aufsichtsrat.atwww.voegb.at/ifaM