Die englische und walisische Wasserver- und Abwasserentsorgung ist seit der ersten großen Krise rund um die Jahrtausendwende (Bakker 2003b) von zwei gegensätzlichen Entwicklungen ge- prägt. Auf der einen Seite ist das Geschäftsmodell der neun englischen regionalen Monopolisten zunehmend finanzmarktgetrieben (siehe Kapitel 6). Auf der anderen Seite versucht der, auf dem walisischen Gebiet tätige, Versorger Dwr Cymru (Welsh Water) einen anderen, gemeinwohlorien- tierten Weg zu gehen. Auch wenn dies keine Rekommunalisierung im engeren Sinne darstellt, weist die gemeinwohl-orientierte Ausrichtung viele Parallelen mit den umfassenderen Zielsetzungen öffentlicher Unternehmen auf (Mühlenkamp 2015). Das Unternehmen hat seit der Gründung bzw. Übernahme von einem US-Energieunternehmen (Western Power Distribution) keine/n AnteilseignerIn und gehört sich selbst. Daher werden allfällige Gewinne reinvestiert, in Form von niedrigeren Preisen an KonsumentInnen weitergegeben oder zur Schuldentilgung verwendet. Während die neun englischen Versorger ihren Schuldenstand seit An- fang der 2000er Jahr – teilweise massiv – erhöht haben, hat Dwr Cymru als einziges Unterneh- men seinen Verschuldungsgrad (von rund 90% auf knapp 57%) gesenkt (siehe Abbildung 10). Daher hat es auch die beste Bonität im Wassersektor und somit günstigere Finanzierungsbedingun- gen, was eine weitere Kostenreduktion ermöglicht. Ebenso wurden in den letzten 15 Jahren rund 180 Mio. Pfund an „KundInnendividenden“ ausgeschüttet und 10 Mio. Pfund für benachteiligte Kun- denInnengruppen bzw. Sozialtarife ausgegeben. Die moderate Entwicklung des Wasserpreises zeigt sich darin, dass die durchschnittliche Wasserrechnung in realen Preisen niedriger ist als im Jahr 2000. In den aktuellen politischen Diskussion um die Neuausrichtung ist das walisischen Mo- dell eine der mögliche Alternativen (Financial Times 2018). Abbildung 10: Verschuldungsgrad der englischen und walisischen Versorger (2001 vs. 2016) Quelle: OFWAT (2018). In Österreich ist das Phänomen der Rekommunalisierung aufgrund der kaum beobachtbaren Priva- tisierungen in der Wasserver- und Abwasserentsorgung schwer festzumachen (Terzic 2017). - 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 V e rs c h u ld u n g s g ra d i n % 2001-02 2015-16