133 betroffen, denn ihnen fehlen oft die Möglichkeiten, Steuervermeidung in großem Stil zu be- treiben. Spektakuläre Einzelfälle wie beispielsweise Apple, Starbucks, Google, McDonald’s oder IKEA sind allerdings nur die Spitze des Eisberges. Transnationale Unternehmen zahlen im Schnitt 30 % weniger Gewinnsteuern als national agierende (vgl. European Commission 2016). Letztere können deswegen oft mit den großen Konzernen nicht mehr mithalten. Insgesamt wird das Ausmaß des Problems von der Europäischen Kommission mit einem jährlichen Einnahmenverlust (innerhalb der EU) von einer Billion Euro beziffert (vgl. Europä- ische Kommission 2012a). Das ist ca. das dreifache Bruttoinlandsprodukt Österreichs. Die OECD geht in ihren Berechnungen davon aus, dass durch die Steuertricks multinationaler Unternehmen den Staaten jährlich bis zu 240 Mrd. US-Dollar an Körperschaftsteuerein- nahmen entgehen, das entspricht bis zu 10 % des jährlichen weltweiten Körperschaftsteu- eraufkommens (vgl. OECD 2015). Durch die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft hat sich diese Entwicklung noch verstärkt. Die Europäische Kommission verweist auf aktu- elle Untersuchungen, die deutlich zeigen, dass die effektive Körperschaftsteuerbelastung für Unternehmen der digitalen Wirtschaft mit 9 % nur halb so hoch ist wie in der traditionel- len Wirtschaft, wo die effektive Steuerbelastung rund 18 % beträgt (vgl. Europäische Kom- mission 2017). Mit den steuerlichen Schieflagen zwischen und innerhalb von Staaten steht darüber hinaus natürlich eine ganze Reihe an Folgeerscheinungen in Verbindung. So ergeben sich dadurch direkte und indirekte Verschärfungen in der Verteilung von Einkommen und Vermögen. Aber auch Legitimationskrisen staatlicher Institutionen, wie auch der EU, stehen damit in Verbin- dung. All das macht die aktuelle Dimension des Problems deutlich und zeigt auf, dass im Bereich der Steuerpolitik der Europäischen Union dringender Handlungsbedarf herrscht. 4 DIE STEUERPOLITIK IN DER EUROPÄISCHEN UNION Die Konsequenzen von Steuerwettbewerb und Steuervermeidung wurden bereits im vorigen Abschnitt dargestellt. In den letzten Jahren ist vieles in Bewegung geraten. Mögliche Lö- sungsansätze werden bereits diskutiert. Es ist erfreulich, dass in wichtigen Teilbereichen be- reits einiges umgesetzt wurde, was vor einigen Jahren noch undenkbar war. Bis dato hat in wesentlichen Bereichen allerdings die Bereitschaft zahlreicher Regierungen im Rat zur Umset- zung der notwendigen großen Reformen gefehlt – bei einigen Regierungen aufgrund deren neoliberaler Ausrichtung, bei anderen wiederum aufgrund der Angst vor dem Verlust der Sou- veränität in Steuerangelegenheiten. 4.1 Unternehmensbesteuerung: Systemumstellung vs. Reparatur Die Kommission beschäftigt sich seit Anfang 2000 intensiver mit Harmonisierungsüberlegun- gen zur Unternehmensbesteuerung in der Europäischen Union. Anfänglich argumentierte die Kommission, dass eine Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung in der EU insbeson- dere für die Unternehmen ein Vorteil sei, weil die Befolgungskosten gesenkt und Wettbe- werbsverzerrungen abgebaut werden (vgl. Europäische Kommission 2001b). Die Eindämmung