137 diese Regelung für die Unternehmensbesteuerung, die Finanztransaktionssteuer und Teilbe- reiche der Mehrwertsteuer festzusetzen. Insgesamt wird es im Kampf für mehr Steuergerechtigkeit und gegen Steuervermeidung und -hinterziehung auch weiterhin jenes großen öffentlichen Drucks bedürfen, der auch in der Ver- gangenheit so manches in Bewegung gebracht hat. Dies gilt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, da auf beiden Ebenen (mit unterschiedlicher Nachhaltigkeit und Fristigkeit) Maßnahmen ergriffen werden können. Neben umfassender medialer Berichterstat- tung über bestehende Schieflagen, Ungerechtigkeiten und aufgedeckte (Steuer-)Skandale kann und sollte auch weiterhin gezielt Information über Daten, Fakten und Zusammenhänge durch nationale und internationale Organisationen sowie zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich dem Thema annehmen (wie z. B. das Tax Justice Network, aber auch Arbeiterkammern und Gewerkschaften u. v. a. m.), aufbereitet und in die Breite getragen werden. Auch europä- ische BürgerInneninitiativen und/oder EU-weite Online-Kampagnen können ein wesentliches Mittel zur Aufrechterhaltung und zum Ausbau des öffentlichen Drucks sein. Auch der Kampf gegen die bestehende Übermacht der Unternehmen und Großkonzerne im Hinblick auf Lob- bying in Brüssel kann einen wesentlichen Beitrag leisten, um manch Gesetzesinitiative schnel- ler und wirkungsvoller in Kraft bringen zu können. Ähnliches kann auch für einen Schulter- schluss mit jenen Unternehmen und ihren VertreterInnen gelten, die im Wettbewerb selbst negativ von den Tricks multinationaler Konzerne betroffen sind. Letztendlich wird es auch für die künftige Entwicklung der Europäischen Union von entschei- dender Bedeutung sein, wie die steuerlichen Herausforderungen bewältigt werden. Die in der jüngsten Vergangenheit beschlossenen Maßnahmen sind zweifelsohne ein Schritt in die richti- ge Richtung, die ganz großen Reformen, wie etwa die Einführung einer einheitlichen Konzern- besteuerung oder die Einführung der Finanztransaktionssteuer, stehen jedoch noch bevor. Es wird allerdings notwendig sein, dass die künftige Steuerpolitik der Europäischen Union so aus- gerichtet wird, dass wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung gefördert werden, den Mit- gliedstaaten ausreichend finanzielle Ressourcen zur Aufrechterhaltung des europäischen Sozi- almodells zur Verfügung stehen und insgesamt auch mehr Verteilungsgerechtigkeit erzielt wird. BIBLIOGRAFIE Avi-Yonah, Rueven (2005), Source and Residence Taxation, Michigan. Bieling, Hans-Jürgen (2017), Aufstieg des Rechtspopulismus im heutigen Europa – Umrisse einer gesellschaftstheoretischen Erklärung, in: WSI Mitteilungen 8/2017, 557–565. Collier, Paul (2013), Keine Geheimnisse mehr!, in: Die Zeit 16/2013, https://www.zeit. de/2013/16/steueroasen-offshorefinanzzentren-reformvorschlag. De Mooij, Ruud and Sjef Ederveen (2008), Corporate tax elasticities: a reader’s guide to empi- rical findings, in: Oxford Review of Economic Policy 24/4, 680–697. Eribon, Didier (2016), Rückkehr nach Reims, Berlin. Europäische Kommission (2001a), Steuerpolitik in der Europäischen Union – Prioritäten für die nächsten Jahre, KOM(2001) 260 endgültig, Brüssel.