19 Instrument der Integrationsdynamik zu nutzen.31 Es wurde erwartet, dass die  Einigungsbereitschaft der Mitgliedstaaten auf Unionsebene zunehmen würde, um die  verlorene mitgliedstaatliche Regulierung durch eine vergleichbare Regulierung auf  Unionsebene wieder zu gewinnen. In Verbindung mit der Ablösung der einstimmigen  Beschlussfassung im Rat durch Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit für den Bereich  des Binnenmarktes mit der Vertragsänderung von 1987 (sog. Einheitlichen Europäischen  Akte)32 ging diese Rechnung auch ein Stück weit auf.  Für Gegenstände der Arbeits? und Sozialverfassung ist das Problem jedoch: Die Union hat in  diesem Bereich nur eingeschränkte Kompetenz und selbst soweit sie besteht, wird sie kaum  noch genutzt. Das bedeutet, dass anders als im wirtschaftsrechtlichen Bereich den  Mitgliedstaaten auf Grundlage der Marktfreiheiten nur Regulierungen gestrichen werden  und sie gerade keine realistische Möglichkeit haben, diese durch vergleichbare Regelungen  auf Unionsebene zu ersetzen. Damit wird die für den modernen Sozialstaat charakteristische  politische Vermittlung von Wirtschaftsverfassung einerseits und Arbeits? und  Sozialverfassung andererseits ersetzt durch einen grundsätzlichen rechtlichen Vorrang der  Wirtschaftsverfassung.  2. Richtig: Autonomie mitgliedstaatlicher Arbeits? und Sozialverfassung  Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, die Reichweite der Marktfreiheiten konzeptionell auf  den wirtschaftsrechtlichen Bereich zu begrenzen.33 Die Gegenstände der Arbeits? und  Sozialverfassung müssen aus dem Anwendungsbereich ausgenommen werden. Es wäre bei  der Anwendung der Marktfreiheiten also stets zu qualifizieren, ob es sich bei der  angegriffenen Regelung um eine Regelung aus dem Bereich der Arbeits? und  Sozialverfassung handelt. Wäre dies zu bejahen, kann die Marktfreiheit keine Anwendung  finden.  Dabei ist zusätzlich zu gewärtigen, dass die Arbeits? und Sozialverfassung nicht durch den  mitgliedstaatlichen Gesetzgeber, sondern in vielfacher Hinsicht durch Tarifvertragsparteien  und in einigen Mitgliedstaaten auch durch Betriebsparteien ausgestaltet wird. Diese                                                               31 Kingreen bezeichnet den EuGH in diesem Zusammenhang als Motor der Rechtsangleichung und die  Grundfreiheiten als dessen Treibstoff, Thorsten Kingreen, Grundfreiheiten, in: Bogdandy / Bast (Hrsg.),  Europäisches Verfassungsrecht, 2. Auflage, Berlin 2009, S. 705?748, 711 ff.  32 Abl. EU, Nr. L 169/1 ff. vom 29. Juni 1987.  33 In diesem Sinne schon Christian Joerges / Florian Rödl, Das soziale Defizit des Integrationsprojektes, Kritische  Justiz 2008, S. 149?165, 157 ff.