22 Bürger als auch Unternehmen, auf Rechtspositionen aus den Unionsverträgen berufen  können. Dass es sich so verhält, entschied der EuGH in der Rs. Van Gend & Loos.37  Im Anschluss an die Bejahung unmittelbarer Anwendbarkeit stellte sich die Frage nach der  Lösung von Widersprüchen zwischen mitgliedstaatlichem Recht und Unionsrecht. Diese  beantwortete der EuGH in der Entscheidung Costa vs. ENEL38 dahingehend, dass das  Unionsrecht Vorrang vor dem mitgliedstaatlichen Recht haben solle. In einer weiteren 1970  ergangenen Entscheidung stellte der EuGH ausdrücklich fest, dass dieser  Anwendungsvorrang auch gegenüber mitgliedstaatlichem Verfassungsrecht greift.39 Das  leuchtet in der Sache ein, weil andernfalls das Unionsrecht nicht in allen Mitgliedstaaten und  für alle Unionsbürger einheitlich gelten würde.   2. Entscheidung gegen das föderale Gleichheitsrecht  Auf der Grundlage von unmittelbarer Anwendbarkeit und Vorrang des Unionsrechts konnten  sich nun Unternehmen auch in gewöhnlichen Rechtsstreitigkeiten auf die Marktfreiheiten  berufen, um mitgliedstaatliche Regulierung zu Fall zu bringen. In dieser Lage musste der  EuGH beginnen, den Schutzgehalt der Marktfreiheiten für die Unternehmen genauer  auszuarbeiten. Die Weichenstellung erfolgte mit der Entscheidung Dassonville im Jahr  1974.40 Dort fiel die Entscheidung zugunsten eines liberalistischen Verständnisses vorerst  nur der Warenverkehrsfreiheit als zusätzliches und gegenüber der mitgliedstaatlichen  Rechtslage vorrangiges Freiheitsrecht der Unternehmen.   Die Warenverkehrsfreiheit verbietet zunächst mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen (Art.  34 AEUV). Eine „mengenmäßige Einfuhrbeschränkung“ ist schlicht eine staatliche  Bezifferung, welche Stückzahl einer Ware eingeführt werden darf. Eine mengenmäßige  Einfuhrbeschränkung behandelt im Ausland hergestellte Waren anders als im Inland  hergestellte; sie benachteiligt darum ausländische Hersteller und Importeure gegenüber  inländischen Herstellern und Unternehmen, die mit Inlandsware handeln.   Neben den mengenmäßigen Einfuhrbeschränkungen sind auch „Maßnahmen gleicher  Wirkung“ verboten.41 Die zentrale Frage war nun, welche Maßnahmen „gleiche Wirkung“                                                               37 EuGH, Urteil vom 5. Februar 1963, Van Gend en Loos, 26/62, EU:C:1963:1.  38 EuGH, Urteil vom 15. Juli 1964, Costa/ENEL, 6/64, EU:C:1964:66.  39 EuGH, Urteil vom 17. Dezember 1970, Internationale Handelsgesellschaft, 11/70, EU:C:1970:114, Rn. 3.  40 EuGH, Urteil vom 11. Juli 1974, Dassonville, 8/74, EU:C:1974:82, Rn. 5.  41 Gleiches gilt für Ausfuhrbeschränkungen: Art. 35 AEUV.