23 wie mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen haben. Die Anforderung „gleicher Wirkung“  konnte entweder bestimmt werden mit isoliertem Blick auf das einzelne Unternehmen. Die  Frage lautet dann: Führt eine Regelung dazu, dass der Unternehmer im entsprechenden  Mitgliedstaat weniger Waren absetzen kann, als er es ohne diese Regelung könnte? Diese  Fragestellung macht die Marktfreiheit zum Freiheitsrecht. Alternativ konnte die Anforderung  „gleicher Wirkung“ bestimmt werden mit Blick auf den Vergleich der Behandlung in? und  ausländischer Waren. Dann lautete die Frage: beinhaltet die Regelung eine ungleiche  Behandlung von inländischen und ausländischen Waren? Diese Fragestellung versteht die  Marktfreiheit als föderales Gleichheitsrecht.42  Der EuGH entschied sich für das Verständnis als Freiheitsrecht. Er formuliert als tragenden  Grund seiner Entscheidung: „Jede Handelsregulierung der Mitgliedstaaten, die geeignet ist,  den innergemeinschaftlichen Handel unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potentiell  zu behindern, ist als Maßnahme gleicher Wirkung wie eine mengenmäßige Beschränkung  anzusehen.“43 Von einem Vergleich mit der Behandlung inländischer Waren ist nicht die  Rede. Es geht nur darum, ob die Absätze der Importeure oder ausländischer Hersteller  beeinträchtigt werden. Zudem wurde ein sehr weites Verständnis der Beschränkung  gewählt: unter den Begriff fielen nun auch mittelbare Wirkungen sowie die bloße  Möglichkeit einer Beeinträchtigung.  Mit dieser Entscheidung war das freiheitsrechtliche Verständnis der Warenverkehrsfreiheit  etabliert. Der EuGH übertrug es auf die übrigen Marktfreiheiten, zunächst auf die  Dienstleistungsfreiheit und die Niederlassungsfreiheit, am Ende auch auf die  Kapitalverkehrsfreiheit.44 Die erste maßgebliche Entscheidung in diesem Zusammenhang  war die Entscheidung Gebhard aus dem Jahr 1995.45 Dort ging es um die  Niederlassungsfreiheit eines deutschen Rechtsanwalts, dem die Niederlassung in Italien  verweigert worden war. Der EuGH formulierte anlässlich dieses Falls für alle Marktfreiheiten  einheitlich, dass eine Beschränkung dann vorliege, wenn eine mitgliedstaatliche Regelung  die Ausübung der jeweiligen Marktfreiheit behindern oder weniger attraktiv machen könnte.  Ein Vergleich der Betroffenheit in? und ausländischer Unternehmer spielte wiederum keine                                                               42 Zum Konzept des Gleichheitsrechts siehe oben C.I.2).  43 EuGH, Urteil vom 11. Juli 1974, Dassonville, 8/74, EU:C:1974:82, Rn. 5.  44 Dazu genauer unter E.II.2).  45 EuGH, Urteil vom 30. November 1995, Gebhard, C?55/94, EU:C:1995:411, Rn. 37.