27 Köcher haben. Sie können die Regulierung erstens auf der Basis ihrer verfassungsrechtlichen  Grundrechte angreifen, sie können sie zweitens auf der Basis der missverstandenen  Marktfreiheiten angreifen. Finden sie vor dem Verfassungsgericht kein Gehör, dringen sie  vielleicht beim EuGH durch.55  Es kommt hinzu, dass der EuGH zwar eine grundrechtsartige Prüfung durchführt, bei der  Beurteilung von Eignung und Erforderlichkeit aber besondere Strenge an den Tag legt.56  Diese Problematik macht sich, anders als beim Beschränkungstatbestand, insgesamt nicht an  einer rechtlichen Konzeption von Eignung oder Erforderlichkeit fest. Es liegt an ihrer  Handhabung im einzelnen Fall. Die Problematik lässt sich darum hier nicht ausbreiten, ohne  den Rahmen dieser Studie zu sprengen. Festzuhalten ist allerdings, dass kein Fall bekannt ist,  in dem eine Regelung, die vor dem EuGH Bestand gehabt hätte, später wegen Verstoßes  gegen unternehmerische Grundrechte vor einem Verfassungsgericht zu Fall gekommen  wäre. Dies spricht dafür, dass die Prüfung von Eignung und Erforderlichkeit seitens des EuGH  in der Tendenz strenger ausfällt, als die der mitgliedstaatlichen Verfassungsgerichte.  Durchaus von konzeptioneller Natur ist allerdings der Aspekt, dass der EuGH immer wieder  hohe Anforderungen an die Kohärenz mitgliedstaatlicher Regulierung stellt. Das bedeutet:  Eine Regelung mag für sich genommen erforderlich scheinen; gleichwohl besteht sie die  Rechtfertigungsanforderung nicht, wenn das mit ihr konkret verfolgte  Allgemeinwohlinteresse weitere Regelungen nahelegt, die der Mitgliedstaat aber eben nicht  erlassen hat.57 Das erscheint ausgesprochen problematisch: im Rahmen demokratischer  Gesetzgebung beruht Regulierung natürlich bisweilen auf inkohärenten Kompromissen.  Inkohärenz kann weiterhin durch eine föderale Struktur erzwungen sein kann oder sie mag  schlicht von der Unvollkommenheit eines Gesetzgebers herrühren, der nicht immer alles auf  einmal im Blick haben kann. All das vermag der EuGH jedoch nicht anzuerkennen, so dass in  all diesen Konstellationen auch eine an sich erforderliche Regelung fallen muss.                                                               55 Das Paradebeispiel liefert der Fall Rüffert (EuGH, Urteil vom 3. April 2008, Rüffert, C?346/06, C:2008:189):  Nachdem das Bundesverfassungsgericht einer Regelung vergaberechtlicher Tariftreue des Landes Berlin im Juli  2006 für verfassungskonform befunden hatte, brachte der EuGH eine entsprechende Regelung des Landes  Niedersachsen im April 2008 aufgrund einer angeblichen Verletzung der Dienstleistungsfreiheit zu Fall.  56 Vgl. Thorsten Kingreen, in: Callies / Ruffert (Hrsg.), EUV/AEUV, 2016, Art. 36 AEUV Rn. 93; Stefan Leible /  Thomas Streinz, in: Grabitz / Hilf / Nettesheim (Hrsg.), Das Recht der Europäischen Union, 2017, Art. 34 AEUV,  Rn. 123 ff.; Werner Schroeder, in: Streinz (Hrsg.), EUV/AEUV, 2012, Art. 36 AEUV Rn. 55.  57 Breiter bekannt aus den Urteilen zur Glücksspielregulierung: EuGH, Urteil vom 8. September 2010, Rs. C.? 46/08, Carmen Media, EU:C:2010:505; EuGH, Urteil vom 8. September 2010, Rs. C?316/97, Markus Stoß,  EU:2010:504.