77 an. Er spricht einer Tariftreueregelung aber die Eignung ab. Geeignet wäre der Schutz nur,  wenn die Tarifverträge allgemeinverbindlich wären. Tariftreue im Bereich öffentlicher  Auftragsvergabe bliebe also unabhängig von der Entsenderichtlinie unionsrechtswidrig  wegen Verstoßes gegen die Dienstleistungsfreiheit.   b. Laval  Der Fall Laval165 betraf den Boykott einer Baustelle durch eine schwedische  Bauarbeitergewerkschaft sowie die Solidaritätsmaßnahmen einer Schwestergewerkschaft in  der Auseinandersetzung um den Abschluss eines Tarifvertrags mit einem lettischen  Bauunternehmen. Auch hier war zunächst einmal die Entsenderichtlinie einschlägig. Nach  der Lesart des Gerichtshofes führte deren Charakter als Vollharmonisierung zu einer  Begrenzung des nach schwedischem Recht verliehenen Streikrechts. Dieser Vorwurf würde  entfallen, wenn die Richtlinie lediglich eine Mindestharmonisierung bewirkte.   In einer Hinsicht kam die Dienstleistungsfreiheit auch unmittelbar zum Tragen. Es ging um  die gesetzliche Regelung der Reichweite der Friedenspflicht eines Tarifvertrags. Nach  schwedischem Arbeitskampfrecht entfaltet ein Tarifvertrag eine Friedenspflicht auch für  andere Gewerkschaften. Eine Ausnahme gilt für Tarifverträge, die nicht dem schwedischen  Recht unterliegen. Gegen Unternehmen, die einen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft aus  einem anderen Mitgliedstaat geschlossen haben, sind also Arbeitskämpfe möglich.  Was vielleicht auf den ersten Blick irritierend wirkt, die unterschiedliche Behandlung  inländischer und ausländischer Tarifverträge, ist tatsächlich eine Regelung, die das Prinzip  territorialer Arbeitskostengleichheit verwirklicht in einem Kontext tarifautonomer  Normsetzung, in dem – wie in Schweden und etwa anders als in Deutschland –Tarifverträge  Friedenspflichten auch für andere Gewerkschaften auslösen. Die Regelung klingt nur  deswegen irritierend, weil sie im schwedischen Recht naheliegender Weise nur einseitig aus  schwedischer Perspektive formuliert ist. Ihr verallgemeinerter Gehalt ist aber der, dass für  die Tarifierung von Inlandsarbeit nur inländische Gewerkschaften zuständig sein dürfen, weil  nur diese die Tarifierung für ein Leben im Rahmen der inländischen Volkswirtschaft  bestimmen.166 Wenn denn also Tarifverträge Friedenspflichten auch für andere  Gewerkschaften auslösen können, muss es sich natürlich um Tarifverträge inländischer                                                               165 EuGH, Urteil vom 18. Dezember 2007, Laval, C?341/05, EU:C:2007:809.  166 Vgl. die kollisionsrechtliche Lesart der Zuständigkeitsregelung der ITF oben in Fn. 128.