85 F. Zusammenfassung  1. Im November 2016 haben die Gewerkschaftsverbände und sozialdemokratischen Parteien  aus  den  EU?Mitgliedstaaten  Schweden  (LO  und  SAP),  Österreich  (ÖGB  und  SPÖ)  und  Deutschland  (DGB  und  SPD)  einen  Europäischen  Pakt  für  sozialen  Fortschritt  unterzeichnet, der auf eine Reform der Binnenmarktverfassung der Union abzielt.  2. Konkret  enthält  der  Europäische  Pakt  die  Forderung,  das  Recht  des  Binnenmarktes  so  einzustellen, dass die Beschäftigten starke soziale Rechte genießen, die Vorrang haben vor  Marktfreiheiten und Wettbewerbsregeln. Weiterhin soll transnationaler Wettbewerb auf  der Basis von Arbeitskosten ausgeschlossen sein. Schließlich wird gefordert, die für den  Binnenmarkt konstitutiven Marktfreiheiten auf ein legitimes Maß zurückzuschneiden, sie  darum  nicht  mehr  als  Beschränkungsverbote  zu  fassen,  sondern  lediglich  als  Gleichbehandlungsgebote.  3. Damit reagiert das „Europäische Protokoll für sozialen Fortschritt“ auf eine in Politik und  Wissenschaft  seit  langem  diagnostizierte  soziale  und  demokratische  Problematik  des  Integrationsprozesses.  Diese  hat  ihren  Ursprung  in  der  liberalistischen  Gestalt  der  Binnenmarktverfassung.  Sie  lässt  sich darum nicht mit einer Vertiefung der  Integration  oder mit einer Stärkung der Rechte des Europäischen Parlamentes beheben.  4. Der  Europäische  Gerichtshof  hat  die  Binnenmarktverfassung  der  Union  durch  seine  Rechtsprechung zu den Marktfreiheiten einer liberalistischen Transformation unterzogen.  Er hat die Marktfreiheiten als Super?Freiheitsrechte für Unternehmen konzipiert, die diese  zusätzlich  zu  ihren  mitgliedstaatlichen  Verfassungsgarantien  von  Eigentum  und  Erwerbsfreiheit ins Feld führen können, um mitgliedstaatliche Regelungen zur Förderung  von Gemeinwohl und sozialem Ausgleich zu Fall zu bringen. Eine solche Verschiebung der  Gewichte  zugunsten  der  Unternehmen  und  zulasten  von  Gemeinwohl  und  sozialem  Ausgleich war als Konsequenz der europäischen Marktintegration weder gewollt noch in  ihrer Konzeption angelegt.   5. Richtig  wäre  eine  Konzeption  der  Marktfreiheiten  als  Gleichbehandlungsgebote:  Kein  Unternehmen mit Sitz  in einem anderen Mitgliedstaat und keine grenzüberschreitende  unternehmerische Leistung soll schlechter behandelt werden, als Unternehmen mit Sitz  im Inland und als Leistungen aus dem Inland. So verstanden, würden die Marktfreiheiten  einerseits  mitgliedstaatlichen  Protektionismus  verhindern,  wie  es  ein  suprastaatlicher  Binnenmarkt  verlangt.  Andererseits  würden  sie  ihren  deregulierenden  Überschuss