Endbericht zur Arbeitssituation von LSBTI-Personen in �sterreich Seite 12 SORA � Institute for Social Research and Consulting Einleitung Die Wahrnehmung und Akzeptanz von Menschen, die lesbisch, schwul, bise- xuell, trans*ident oder intersexuell sind, hat sich seit den �ffentlichen Auseinandersetzungen der 1970er und 1980er Jahre merklich gewandelt. Die Entwicklungen in Politik und Gesellschaft zielten in den letzten Jahren zu- nehmend auf eine rechtliche und soziale Verbesserung der Situation von LSBTI-Personen in �sterreich ab, die sogar in den klassisch famili�ren Sektor hineinreichen. Seit 1. J�nner 2010 war es f�r gleichgeschlechtliche Paare m�glich, eine Lebenspartnerschaft einzugehen, die in den meisten Rechtsbe- reichen anerkannt wurde. Ende 2017 hat der Verfassungsgerichthof mit Verweis auf das Diskriminierungsverbot des Gleichheitsgrundsatzes diese Unterscheidung zwischen eingetragener Partnerschaft und Ehe aufgehoben, mit 1. J�nner 2019 werden in �sterreich nun auch gleichgeschlechtliche Paa- ren heiraten d�rfen. Schon 2004 wurden im Zuge des Gleichbehandlungs- gesetzes Bestimmungen geschaffen, die eine Diskriminierung bei der Arbeitssuche und im Beruf auch aufgrund der sexuellen Orientierung verbie- ten. Damit einher gingen auch Verbesserungen im Arbeitsrecht, etwa die Ber�cksichtigung gleichgeschlechtlicher Lebensgef�hrt*innen in der Angeh�- rigendefinition und eine weitestgehende Gleichstellung bei Pflegefreistellung, Elternkarenz und Kinderbetreuungsgeld. Mit 70% ist die Mehrheit der �sterreicher*innen heutzutage der Meinung, dass homosexuelle Menschen dieselben Rechte haben sollten wie heterosexuelle, fast ebenso viele sehen in einer Beziehung zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts nichts Falsches und 62% bef�rworten die gleichge- schlechtliche Ehe. Die Akzeptanz reicht scheinbar bis in die Arbeitswelt hinein: 78% der �sterreicher*innen w�rden sich auch an homosexuellen Kol- legen*innen nicht st�ren, 71% nicht an Trans*-Personen als Mitarbeiter*innen (Eurobarometer 437 2015). Diesen positiven Entwicklungen zu einem scheinbar toleranten Miteinander stehen jedoch immer wieder Schilderungen von Personen mit einer gleichge- schlechtlichen Orientierung oder anderen Geschlechtsidentit�t entgegen, die auf eine nach wie vor schwierige Alltagssituation hindeuten. In einer 2013 durchgef�hrten europaweiten Studie gaben zuletzt 48% aller befragten LGBT- Personen in �sterreich an, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identi- t�t bel�stigt oder diskriminiert worden zu sein, rund ein F�nftel f�hlte sich dar�ber hinaus am Arbeitsplatz diskriminiert. 26% der homosexuellen und 35% der Trans*-Personen wurden sogar k�rperlich oder verbal angegriffen, und fast ausnahmslos alle erinnerten sich an negative Bemerkungen oder Mobbing in der Schule (FRA 2014).