Endbericht zur Arbeitssituation von LSBTI-Personen in Österreich Seite 30 SORA – Institute for Social Research and Consulting 2 Lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intersexuelle Beschäftigte in der Befragung Vorbemerkungen: Wer und wie viele? Ziel der vorliegenden Studie war es, die Arbeitssituation von Beschäftigten in den Fokus zu rücken, die sich einem der folgenden Merkmale in Bezug auf ih- re sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zugehörig fühlen:  schwul,  lesbisch,  bisexuell,  trans* und/oder  intersexuell. Innerhalb der LSBTI- Community gibt es seit jeher eine lebhafte und offene Debatte über die indivi- duelle Selbstbezeichnung und die Benennung der Community. Während in den 1970er und 1980er Jahren vor allem die „gay community“ präsent war, weitete sich diese Gruppenbezeichnung allmählich auf lesbische, bisexuelle und Trans*-Menschen aus, was zu dem mittlerweile weit verbreiteten eng- lischsprachigen Kürzel „LGBT“ führte. Das Akronym unterliegt aber nicht nur sprachlichen, sondern auch inhaltlichen Abwandlungen, da sich einzelne Gruppen in ihrer Identität nicht von dieser Begriffspaarung repräsentiert sahen (Canadian Centre for Diversity and Inclusion 2015, 10). So werden intersexu- elle Personen erst seit Kurzem unter dem Kürzel „I“ ebenfalls zur Gruppe gezählt. Um eine möglichst inklusive Definition der untersuchten Bevölke- rungsgruppe sicherzustellen, haben wir uns im Rahmen dieser Studie für das deutschsprachige Kürzel „LSBTI“ entschieden, gemeint sind damit lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intersexuelle Personen. Nach wie vor fehlen in Österreich valide Daten, die auf die Anzahl und Struk- tur von LSBTI-Personen schließen lassen. Pizer et. al. gehen für die USA von einem LSBTI-Bevölkerungsanteil von 4% aus (Pizer / Sears / Mallory / Hunter 2012, 719). Eine im Oktober letzten Jahres veröffentlichte Umfrage kam zu dem Schluss, dass sich 6% aller Menschen in Europa als „LGBT“ beschreiben (Dalia 2016). Für Österreich spricht die Studie von 6,2%, das entspräche mehr als einer halben Million Einwohner*innen. Als europaweiter Trend gilt, dass sich mehr Frauen als Männer und jüngere Menschen eher als ältere als LGBT identifizieren. Die Daten wurden per Smartphone-App im Rahmen einer Opt- In-Umfrage erhoben. Eine Stichprobenziehung auf Zufallsprinzip blieb aus, weshalb die Repräsentativität dieser Ergebnisse trotz der hohen Smartphone- Sättigung in Europa angezweifelt werden darf. Die Schwierigkeit, die Validität solcher Umfragen richtig einzuschätzen, ist in den meisten Fällen der mangel- haften Datenlage und damit geringen Vergleichsmöglichkeiten geschuldet. Die vorliegende Studie nimmt einen möglichst umfassenden und inklusiven Blick auf die Lebens- und Arbeitssituation von LSBTI-Personen ein. Zentrale Merkmale der Zielgruppe betreffen zum einen die sexuelle Orientierung und