40 unabhängig davon, ob beide Eltern erwerbstätig sind oder nicht, bezogen werden kann. Zudem zeigen Berechnungen des Europäischen Zentrums, dass mit etwa drei Viertel des Gesamtvolumens Männereinkommen erhöht werden und nur mit etwa einem Viertel jene von Frauen. Der Familienbonus dämpft das Aufkommen der Lohnsteuer und des Lohnsteueräquivalents der Selbstständigen – der veranlagten Einkommenssteuer. Während aus den Budgetunterlagen nicht ersichtlich ist mit viel Mindereinnahmen seitens des Finanzministeriums gerechnet wird, gehen Schätzungen des europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung von budgetären Kosten in Höhe von rund 1,3 bis 1,5 Mrd Euro aus. Für 2022 plant die aktuelle Regierung eine Ausweitung des Familienbonus: Pro Kind sollen jährlich bis zu 1.750 Euro von der Lohn- und Einkommenssteuer abgesetzt werden können und der Kindermehrbetrag soll auf 350 Euro erhöht werden. Unklar ist ob die Einschränkungen für den Bezug des Kindermehrbetrags bestehen bleiben: Ausgeschlossen sind aktuell all jene, die in einem Jahr mindestens 330 Tage Arbeitslosengeld oder Mindestsicherung beziehen, selbst wenn sie wegen eines zu geringen Arbeitskommens aufstocken. Rund 166.000 Kinder würden bei der neuen Regelung nicht vom Familienbonus profitieren, aktuell sind es rund 180.000 Kinder. Dabei könnten mit den für den Steuerbonus aufzuwendenden 1,5 Mrd Euro wichtige Maßnahmen im Bereich der Elementarbildung umgesetzt werden (Pirklbauer 2018): Top-Kleinkind-Betreuung in ganz Österreich: durch 37.000 neue Plätze für Frühförderung und problemlosen Wiedereinstieg. Echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie: flächendeckend ganztägig und ganzjährig geöffnete Kindergärten für alle 237.000 dort betreuten Kinder. Echte Bildungseinrichtungen: eine zusätzliche pädagogische Fachkraft jeden Vormittag in allen Gruppen aller Krippen und Kindergärten. Zweites Kostenloses Kindergartenjahr für alle +10 % Lohnerhöhung für die bereits jetzt in der Kinderbildung Beschäftigten – es sollen nicht nur die neuen Kräfte gut bezahlt werden. Damit hätte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ebenso drastisch verbessert werden können wie die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem. Investitionen in die Kinderbildung hätten auch positive budgetäre Effekte, da durch die Maßnahmen rund 600 Mio Euro an Abgaben für die Beschäftigten wieder ins Budget zurückfließen würden. Hinzu kämen weitere Einnahmen über die Einkommen zusätzlich beschäftigter Eltern. Selbst eine Anhebung der Familienbeihilfe um 860 Euro pro Kind und Jahr wäre transparenter und verteilungspolitisch sinnvoller gewesen. 4.6. Pflege Die gesamtstaatlichen Pflegeausgaben betrugen nach Berechnungen des KDZ-Zentrum für Verwaltungsforschung im Jahr 2017 4,7 Mrd Euro. Dabei handelt es sich um Nettoausgaben, denn die Beiträge von Privaten sowie Einnahmen von anderen Gebietskörperschaften oder aus dem Pflegefonds wurden bereits abgezogen (Biewald et al. 2019). Die Pflegefinanzierung weist hohe Komplexität und Verflechtung zwischen den Gebietskörperschaften auf. Von den gesamten Nettoausgaben entfielen 53,4 % auf den Bund, wobei hier der Bundesanteil zum Pflegegeld den größten Anteil ausmacht. Hinzu kommt die gemeinsam mit den Ländern im Verhältnis 60:40 finanzierte 24-Stunden-Betreuung. Der Anteil der Länder an den Nettoausgaben belief sich auf 23 %, jener der Gemeinden auf 23,6 %. Länder und Gemeinden finanzieren vor allem Pflegedienstleistungen (stationäre und mobile Pflege). Die Gemeinden sind über