IHS Steiber I Die COVID-19 Gesundheits- und Arbeitsmarktkrise & ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung 7 Im folgenden Subkapitel 3.2 befasst sich die Studie mit den von der Erwerbsbevölkerung wahrgenommenen gesundheitlichen Risiken, insbesondere mit dem geschätzten Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus am Arbeitsplatz bzw. mit den Risikofaktoren und Schutzvorkehrungen. Die für die Mehrheit der Bevölkerung in dieser Phase der Corona- Pandemie im Vordergrund stehenden wirtschaftlichen Folgen der Krise für Haushalte bzw. Familien werden daran anschließend im Kapitel 4 behandelt. 3.2 Wahrgenommenes Infektionsrisiko bei der Arbeit Eine Reihe von Studien, die das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus bei der Arbeit auf Basis einer Analyse von Tätigkeitsprofilen in unterschiedlichen Berufen ab- schätzen, präsentieren Indizes zur Abbildung der berufsspezifischen physische Nähe zu anderen Menschen sowie der Exposition für Infektionen. Analysen dieser Art liegen für die Vereinigten Staaten1 sowie für Großbritannien2 vor und zeigen, dass es in Berufen, die körperliche Arbeit oder unqualifizierte Routinearbeit involvieren, ein erhöhtes Risiko für Infektionen (im Allgemeinen nicht auf COVID bezogen) gibt bzw. es diese Berufe sind, in denen physische Nähe zu vielen anderen Menschen unvermeidbar ist. Im Einklang mit den Ergebnissen dieser theoretischen Analysen zeigt eine britische Studie, dass es in der Tat deutlic -19 Mortalität gibt: Personen in niedrig qualifizierten Berufen (manuelle Arbeit bzw. Routinearbeit) trugen ein höheres Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und daran zu sterben als Personen in höher qualifizierten Jobs, die sich leichter schützen bzw. von zu Hause aus arbeiten können3. Da in Österreich für die Forschung keine Daten zur Verfügung stehen, die eine ähnliche Analyse erlauben würden (zu den Personen, die bisher positiv getestet wurden, gibt es bis dato nur Information zu deren Geschlecht und Alter), geht die vorliegende Studie einen alternativen Weg: So wurde eine repräsentative Stichprobe erwerbstätiger Personen gefragt, wie viel persönlichen/direkten Kontakt sie in ihrem beruflichen Alltag zu anderen Menschen haben; wie gut sie an ihrem Arbeitsplatz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt sind und wie hoch sie das Risiko einschätzen, sich im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit mit dem Coronavirus anzustecken. Auf Basis der Beobachtung, dass sich in der Gesamtbevölkerung gleich viele Frauen wie Männer mit dem Virus infizierten, die Infektionsrate im Haupterwerbsalter jedoch unter Frauen deutlich höher war als unter Männern, steht die Hypothese im Raum, dass die __________________________________________________ 1 https://www.nytimes.com/interactive/2020/03/15/business/economy/coronavirus-worker-risk.html 2https://www.ons.gov.uk/employmentandlabourmarket/peopleinwork/employmentandemployeetypes/articles/which occupationshavethehighestpotentialexposuretothecoronaviruscovid19/2020-05-11 3 Williams, M. (2020): Coronavirus class divide the jobs most at risk of contracting and dying from COVID-19 https://theconversation.com/coronavirus-class-divide-the-jobs-most-at-risk-of-contracting-and-dying-from-covid-19-138857