i Und nun an die Arbeit 1 Ein großer Jubilar „Als wichtigstes und vordringlichstes Problem betrachte ich die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Wir müssen Investilionen aller Art in jeder Hinsicht fördern, um die Beschäftigung der Arbeitslosen zu ermöglichen.“ Diese Worte sprach der neue Bundeskanzler, Ing. Raab, nach seiner Vereidigung. Desgleichen erklärte Vizekanzler Dr. Schärf, daß zu den wichtigsten Zielen der neuen Regierung die Vollbeschäf¬ tigung gehöre, denn Arbeitslosigkeit in einem größeren Umfang ist nicht bloß eine soziale, sondern vor allem auch eine politische Gefahr, weil arbeitslose Massen den Glauben an die Demokratie verlieren könnten. Die Fortsetzung des Wohnungsbaues und der öffentlichen Investitionstätigkeit liegen in der gleichen Richtung. Der arbeitslose Bauarbeiter Josef M., der trotz des schönen Frühlingswetters noch immer stempeln geht, hat diese Worte nach der langwierigen Regierungs¬ bildung mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Auch die Metallarbeiterin Olga P., die seit acht Monaten ohne Beschäftigung ist, und der wegen seiner langen Arbeitslosigkeit schon ganz ver¬ zweifelte Buchhalter Karl F. ha¬ ben bei den Worten des Bundes¬ kanzlers und Vizekanzlers aufge¬ horcht. Höchste Zeit! dachten sich der Bauarbeiter, die Metallarbei¬ terin und der Buchhalter. Es wurde tatsächlich mit der Regierungsbildung viel Zeit ver¬ loren. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind dadurch nicht kleiner geworden. Wir schreiben April, und es ist ver¬ ständlich, daß man das bis Ende Mai währende Budgetproviso¬ rium bis Ende des Jahres ver¬ längert. Die Fortsetzung des Bud¬ getprovisoriums bedeutet die Fortführung, der Grundsätze des Budgets 1952, also auch die Fort¬ führung von Investitionen. Sie reichen allerdings nicht zur Herbeiführung eines ausreichen¬ den Beschäftigtenstandes. Es müs-. sen daher inzwischen konkrete Pläne zur Finanzierung größerer Investitionen ausgearbeitet wer¬ den. Die Erkenntnis ist Allgemein¬ gut geworden, daß Wirtschafts¬ krisen und damit Arbeitslosigkeit nicht allein mit einem Appell an die Privatinitiative bekämpft wer¬ den können, sondern daß der Staat helfend einzugreifen hat. Das kann (Fortsetzung auf Seite 2) Und ihre 228.000 Leidensgenos¬ sen dachten sich dasselbe. Denn Ende März gab es noch immer 228.000 Arbeitslose. Zwar ist der Beschäftigtenstand vom März zum April um 47.000 oder um 2,63 Prozent gestiegen, wäh¬ rend im gleichen Zeitraum des Vorjahres die Steigerung des Be¬ schäftigtenstandes 18.500 oder ein Prozent betrug. Es liegt aber im Vergleich zum Vorjahr der Be¬ schäftigtenstand heuer um rund 45.000 oder 2,3 Prozent unter dem Beschäftigtenstand des 1. April 1952. Der arbeitslose Bauarbeiter Josef M., der vergeblich gehofft hatte, zu Ostern endlich wieder arbeiten zu können, ist kein Wirt¬ schaftsfachmann; er versteht nur mit Lot und Kelle umzugehen. Ihn interessiert nicht, warum er keine Arbeit hat, sondern ihm ist vor allem wichtig, daß er welche be¬ kommt. Auch die Metällarbeiterin Olga P., die bereits ihre Winter¬ garderobe versetzt hat, und der Buchhalter Karl F., der befürchtet, daß durch die langwierige Re¬ gierungsbildung viel wertvolle, uneinbringliche Zeit verloren wurde, denken ebenso. Ihnen allen ist es auch klar, daß die Bautätigkeit der Schlüssel zur Be¬ kämpfung der Arbeitslosigkeit ist. Unser Bundespräsident — 80 Jahre Er wird es uns verzeihen — wir wissen, unser Bundespräsident liebt es nicht, gefeiert und gepriesen zu werden; doch diesmal ist der An¬ laß zu wichtig; selbst auf die Ge¬ fahr hin, daß er uns böse ist, wol¬ len wir es wagen und ihm sagen, wie wir ihn verehren, wie uns seine Bescheidenheit, sein einfaches, auf¬ rechtes Menschentum beeindruckt. Wir stellen uns Generäle vor in bunter Uniform, die Brust mit Orden behängen, mit kaltem, herrschen¬ dem Blick — wie anders ist doch unser General, unser Bundespräsi¬ dent Theodor Körner! Auch er hat Orden bekommen, viel mehr, als ihm lieb waren, und er hätte den höchsten der alten österreichischen Monarchie bekommen, wenn er zu bewegen gewesen wäre, um ihn einzureichen. Schon wie der drei- undzwanzigjährige Leutnant mitten im Frieden seinen ersten Orden er¬ hielt, zeichnet den Menschen, zeichnet i h n aus. Im Sommer 1897 hatte es Ende Juli sechzig Stunden ohne Unter¬ brechung geregnet, die Wien, das kleine, unscheinbare Bächlein, war zum reißenden Strom geworden, .. der sich in rasender Hochflut dahinwälzte und allerorts Schrek- ken und Verderbnis stiftete ...". Zur Bolzung des Flußbettes waren da¬ mals gerade Unmassen von Holz¬ bohlen bereit gelegen, die das zum Fluß gewordene Bächlein mit sich riß, mit denen es Brücken ver¬ stopfte, daß das Wasser auf die Straßen strömte, in die Häuser ein¬ drang, die Menschen und ihre Habe bedrohte. Man setzte Pio¬ niere ein. Leutnant Körner watete mit vier Mann beim Gassteg in Sechshaus durch die entfesselten Wasser, er rettete Menschen, er brachte sich selbst oftmals in Ge¬ fahr, aber immer wieder half er und immer wieder kam er zu Hilfe. Als bei einer Brücke das Holz sich zu Berge türmte, als schon die Kai¬ mauer einstürzte, Häuser wankten und Straßendecken sich senkten, übernahm er es, die Brücke zu sprengen. In die tosenden Fluten, zwischen die tanzenden Baum¬ stämme wagte er sich und brachte die Sprengladung an. Wenige Mi¬ nuten später war die Gefahr ge¬ bannt, die Menschen waren geret¬ tet. Der Leutnant Theodor Körner bekam für seine Tapferkeit das Mi¬ litärverdienstkreuz 3. Klasse. Wohl niemals vorher hat in Friedens¬ zeiten ein Leutnant diese Auszeich¬ nung erhalten. So war er immer: Nie dachte er zuerst an sich, immer an die anderen. . i; i1