i Wir treffen uns In Wien beim 3. Gesamtösterreichischen Gewerkschaftstreffen vom 30. August bis 6. September ZENTRALORGAN DES ÖSTERREICHISCHEN GEWERKSCHAFTSRUNDES 27. APRIL 1953 i NR. 189 PREIS 25 GROSCHEN Mai-Aufruf 1953 des IBFG An die arbeitenden Menschen der ganzen Welt! Der Internationale Bund freier Gewerk¬ schaften entbietet an diesem 1. Mai sei¬ nen 54 Millionen Mitgliedern in 72 Län¬ dern und Gebieten aller Erdteile brüder¬ liche Grüße der Solidarität. Wir geden¬ ken derer, die für Freiheit und Fortschritt kämpfen und sich opfern, derer, die in den Ländern der Diktatoren an militäri¬ schen Paraden teilnehmen müssen, die nichts mit den Friedensidealen des 1. Mai gemein haben, und wir gedenken vor allem derer, die in den Kerkern und Kon¬ zentrationslagern der Diktaturen dafür leiden, daß sie an ihrem Bekenntnis zu echter Demokratie und wirklichem Frie¬ den festgehalten haben. Die Menschenrechte werden weiterhin mit Füßen getreten. Der Weizen der Dik¬ tatoren kann nur wachsen, wo Unwissen¬ heit und das Gefühl der Unruhe und Un¬ sicherheit die Menschen ständig in Span¬ nung halten. Pflichten der Demokratien Die freie Gewerkschaftsbewegung der Welt sieht auch mit tiefer Besorgnis, daß hier und da die Organisationsfreiheit be¬ hindert, der soziale Fortschritt gehemmt und der wirtschaftlichen Demokratie von den Anbetern traditionsgebundener Wirt¬ schaftsformen die größten Schwierigkei¬ ten bereitet werden. In manchen Teilen der demokratischen Welt werden elemen¬ tare menschliche Rechte und Freiheiten angegriffen. Südafrika, Tunesien, Marokko und Südrhodesien sind schreiende Bei¬ spiele rücksichtsloser Unterdrückung des natürlichen Strebens der Völker nach Gleichheit und Selbstbestimmung. Hier sehen wir mit aller Deutlichkeit, daß der Kampf unserer Tage nicht auf politische Rechte, strategische Positionen, Märkte und alte Herrschaftsformen beschränkt ist, sondern daß es vor allem um die Seele der Völker geht, die für die Demo¬ kratie zu gewinnen Lebensaufgabe unse¬ res historischen Zeitabschnittes ist. Wir unterstützen das berechtigte Verlangen abhängiger Gebiete nach politischer Un¬ abhängigkeit. Statt totalitären Kräften den Mißbrauch dieses Verlangens zu er¬ lauben, muß den kühnen Erneuerungs¬ plänen fortschrittlicher Kräfte'die Mög¬ lichkeit der Entwicklung gegeben wer¬ den. Wir appellieren an die demokrati¬ schen Länder, sich der Aufgabe der Ver¬ teidigung der Rechte der Völker gegen alle Angriffe gewachsen zu zeigen. Vorwärts mit dem IBFG Umgeben von den Gefahren einer un¬ ruhigen Welt ist die freie Gewerkschafts¬ bewegung — verkörpert im Internatio¬ nalen Bund freier Gewerkschaften und in den mit ihm verbundenen Berufsinter¬ nationalen — ihren Weg des Aufbaues und Fortschritts gegangen. Nicht nur in den klassischen Landern der Gewerkschaftsbewegung, sondern auch in den unterentwickelten Gebieten der Welt sammelt sich die Arbeiterschaft um den IBFG, erkennt immer mehr, daß Demokratie kein leerer Begriff, Freiheit keine Phrase, Gerechtigkeit das Grund- element menschlicher Gemeinschaft und soziale und wirtschaftliche Verbesserung des Lebens, ständige Verbesserung des Lebensstandards und Sicherung der Voll¬ beschäftigung erreichbare Güter sind. An diesem I. Mai ergeht erneut dei Ruf des Internationalen Bundes freiet Gewerkschaften an alle: Schließt die Reihen im Kampf für Frei¬ heit und Gerechtigkeit, sozialen Fort¬ schritt, Brot und Frieden. Vergeßt nie, daß unser Ziel erst dann erreicht ist, wenn auch die, die heute schmachten und unterdrückt sind, in un¬ seren Reihen stehen. Laßt uns alle an diesem Tag eingedenk sein unserer unauslöschlichen Verpflieh» tung der brüderlichen Solidarität. Heißes Flerz und kühler Verstand seien unsere Wegbegleiter. Es lebe die freie Gewerkschaftsbewe¬ gung! Es lebe der Internationale Bund freier Gewerkschaften!