—1? D 10 I l'TT’i II e K vVien, 1., Ebendorferstr. 7 29. August bis 6. Septembers Mit Bildbeilage — Vbb Gewerkschafts- treffen in ZENTRALORGAN DES ÖSTERREICHISCHEN GEWERKSCHAFTSBÜNDES 3. AUGUST 1953 / NR. 196 PREIS 25 GROSCHEN Was geschieht mit deinem Beitrag? Alle Gegner der Gewerkschaft, stammen sie nun aus Unternehmerkreisen oder aus den Kreisen der unorganisierten Arbeiter und Angestellten, stützen ihre fadenscheinigen Argumente gegen die Gewerkschaften auf eine bei jeder Gelegenheit und mit gekniffenen Augen vorgebrachte Frage: Was geschieht mit deinem Beitrag? In dem Ton dieser Frage aber liegt kein Interesse für die Finanzgebarung der Gewerkschaften, aus dem Ton ihrer Frage klingt vielmehr jener unbegründete Zweifel, den alle gemeinen Verdächtigungen zum Ursprung haben. Der DGB gibt Rechenschaft Was mit deinem Beitrag geschieht, lieber Kollege oder liebe Kollegin, das brauchen dich nicht eine Hand- voll Außenseiter zu fragen; denen geht es ja doch nur darum, zwischen dir und deiner Gewerkschaft Mi߬ trauen zu säen. Was mit deinem Bei¬ trag geschieht, das fragst du deine Gewerkschaft am besten selbst, und zwar mit vollem Recht und ohne den scheuen Seitenblick eines Mies¬ machers. Die Gewerkschaft wird dir jederzeit Rechenschaft darüber geben, wie sie die Beiträge ihrer Mitglieder verwaltet. Sie wird dir auch Rechen¬ schaft darüber geben, wenn du sie nicht darnach fragst, denn das ist die selbstverständliche Gepflogenheit je¬ der sauberen Vermögensverwaltung. Auch der österreichische Ge¬ werkschaftsbund verwaltet ein Ver¬ mögen, das sich aus den Beiträgen seiner Mitglieder zusarnmensetzt. In seinem alljährlichen umfang¬ reichen Jahresbericht, der in jedem Bezirkssekretariat des DGB zur Einsicht aufliegt, kannst du dich da¬ von überzeugen, daß dein Geld nicht in jene dunklen Kanäle fließt, die gewissen Gewerkschaftsgegnern anscheinend sehr vertraut sind, son¬ dern sparsam und umsichtig ver¬ waltet wird. Hier ein kurzer Auszug aus dem Finanzbericht des Österreichischen Gewerkschaftsbundes für das Jahr 1952. Wenn du diesen grob um- rissenen Bericht gelesen hast, lieber Kollege, dann drück' ihn gelegentlich einmal einem jener Finanzgenies in die Hand, die dich ohne besseres Wissen ständig über die Verwendung deines Gewerkschaftsbeitrages ,,auf¬ klären' wollen. Im Jahre 1952 hat der österreichi¬ sche Gewerkschaftsbund insgesamt S 207,047.356,93 an Mitgliedsbeiträgen eingenommen, dazu kommen noch über drei Millionen Einnahmen an Kapitalerträgen, Anmeldegebühren und Subventionen. Wahrhaftig ein Riesenbetrag, denkst du — der Öster¬ reichische Gewerkschaftsbund ist aber auch eine Riesenorganisation, deren finanzielle Grundlage die Mitgliedsbeiträge sind! Oder glaubst ‘ du. Kollege, daß bei langwierigen, mit Streik verbundenen Lohnkämpfen, irgendwer zu Gunsten des Gewerk¬ schaftsbundes einige Millionen sprin¬ gen läßt. Hier wird also eine Summe von un¬ gefähr 210 Millionen Schilling einge- nommen und auf sie zeigen die öigler mit spitzen Fingern, zeigen so lange, bis sie wieder ein Opfer gefunden haben, das sich von dieser Summe blenden läßt. Auf der anderen Seite aber wer¬ den Riesenbeträge ausgegeben, die seltsamerweise von diesen Rechen¬ künstlern vollkommen ignoriert werden. Die Gewerkschaftsmitglie¬ der interessieren diese Beträge aber brennend, denn sie werden aus¬ schließlich — wenn man von dem geringen Prozentsatz der notwen¬ digen Verwaltungskoslen absieht — zu ihren Gunsten bereitgestellt oder verwendet. Hier die Rechnungslegung über die wichtigsten Ausgaben im Jahre 1952; ihre Richtigkeit kann mit keinen noch so kreischenden Schlagworten ange- zweifelt werden. Fast 27 Millionen Schilling, das sind mehr als 12 Prozent, flössen in Form von Unterstützungen wieder an die Mitglieder zurück. Laufend wer¬ den arbeitslose und notleidende alte Gewerkschaftsmitglieder unterstützt, Unterstützungen bei Sterbefällen und für den Rechtsschutz werden gewährt, Streikende und Gemaßregelte erhalten Unterstützungen und in außerordent¬ lichen Unterstützungsfällen stehen die Gewerkschaftsmitglieder niemals vor verschlossenen Türen. Hillionenbeiräge für Bildung und Fürsorge 3,6 Millionen Schilling kostete die Jugendfürsorge. Daß Ausgaben für Lehrwerkstätten und Erholungsheime kein hinausgeworfenes Geld sind, wird selbst der ärgste Gewerkschaftsgegner anerkennen müssen. Die Bildungs- und Schulüngstätig- keit des österreichischen Gewerk¬ schaftsbundes sind längst ein fester Begriff in der Volksbildung geworden. Darüber hinaus aber ist es not¬ wendig, junge Gewerkschafter, die Jahre hindurch faschistischen Ideen ausgesetzt wäre«, mit dem Gedan¬ kengut einer demokratischen Ge¬ werkschaftsbewegung vertraut zu machen. Eine Gewerkschaft ohne fähigen Funktional nachwuchs ver¬ liert den Boden. Willst du das Kollege? Hältst du Ausgaben für diesen Zweck für über¬ flüssig? An die sechzehn Fachgewerkschaf¬ ten des ÖGB wurden 37,8 Millionen Schilling an Beitragsanteilen über¬ wiesen. Die einzelnen Gewerkschaften haben \eigene zusätzliche Unter¬ stützungseinrichtungen, unterhalten Büchereien, Erholungsheime und be¬ rufliche Fortbijdungskurse und führen Jubilareehrungen durch. Der aller¬ größte Teil dieser Summe kommt also wieder den Gewerkschaftsmitgliedern (Fortsetzung auf Seite 3) Urlaub — heute ein gesetzlich festgelegtes soziales Allgemeingut für die östeijeichischen Arbeiter und Angestellten, ln vielen wirtschaftlich besser- geslelllen Ländern ist der Urlaubsanspruch nur kollektivvertraglich geregelt und die UrlaubszeH wesentlich kürzer als in Österreich. Was brachte die Internationale Arbeitskonferenz? Der Internationalen Arbeits¬ organisation (IAO) gehören 66 Länder an, deren Vertreter jähr¬ lich einmal zur Internationalen Arbeitslconferenz zusammentreten. Zur Arbeitskonferenz entsendet jedes Land zwei Regierungs-, einen Arbeitnehmer- und einen Arbeit¬ gebervertreter. Außerdem kann jedes Land technische Berater ohne Stimmrecht delegieren. An der heuer in Genf vom 3. bis 25. Juni abgehobenen 36. Inter¬ nationalen Arbeitskonferenz nah¬ men 624 Delegierte aus 57 Staaten teil. Die österreichischen Arbeit¬ nehmer waren durch Präsident Johann Böhm, Vizepräsident Erwin Altenburger und Sekretär Eduard Stark vertreten. Das Ergebnis der diesjährigen 36. Internationalen Arbeitskonfe¬ renz war vor allem die Annahme zweier internationaler Empfehlun¬ gen. Die erste Empfehlung besagt, daß Jugendliche unter 16 Jahren bei Untertagearbeiten im Kohlen¬ bergbau überhaupt nicht beschäf¬ tigt werden sollen, während Ju¬ gendliche zwischen 16 und 18 Jah¬ ren zu solchen Arbeiten nur mit gewissen Einschränkungen, insbe¬ sondere zur Berufsausbildung, zu¬ gelassen sind. Die zweite Empfeh¬ lung enthält Vorschriften für den Gesundheitsschutz der Arbeiter am Arbeitsplatz. Weiters hat die Kon¬ ferenz eine Übersicht über die möglichen Formen der Arbeitsver¬ waltungen (Arbeitsministerien) und ihrer hauptsächlichsten Tätigkeits¬ gebiete ausgearbeitet mit Berück¬ sichtigung der engen Zusammen¬ arbeit dieser Behörden mit den Organisationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Schließlich hat die Konferenz eine internationale Regelung der Frage des bezahlten Urlaubes vor¬ bereitet, die einen jährlichen Min- desturlaub von 2 Wochen vorsieht, während ein internationales Über¬ einkommen aus dem Jahre 1936 noch einen Mindesturlaub von einer Woche vorsah: Auf Antrag der österreichischen Arbeitnehmer¬ delegation, der später die Zu¬ stimmung der Konferenz fand, wurde in die neue Regelung auch die Bestimmung aufgenommen, daß Krankheitstage in den Urlaub nicht einzurechnen sind. Eine interessante Entscheidung wurde von der Mandatsprüfungs¬ kommission der Konferenz gefällt und von der Plenarversammlung