Vbb 81 Ufii l® Der Urlaub muß verlangt werden Kolleginnen und Kollegen! Das von den Gewerk¬ schaften erkämpfte Urlaubsgesetz sichert jedem Arbeit¬ nehmer den ihm gebührenden Urlaub. Wer aber nicht Gelahr laulen will, seinen Urlaubsanspruch zu verlieren, möge den Urlaub rechtzeitig im laufenden Dienstjahr vom Unternehmer verlangen. Wird der Urlaub nicht verlangt, kann dies als Verzicht gewertet werden. Es wird daher empfohlen, falls der Urlaub im laufenden Dienstjahr aus irgend welchen Gründen nicht konsumiert werden kann, mit dem Unternehmer eine Verschiebung des Urlaubes auf das nächste Dienstjahr ausdrücklich zu vereinbaren. B Ziel- und verantwortungsbewußt Lohnbewegungen ohne Gefährdung der Stabilisierung Die wichtigste Aufgabe der Gewerkschaften besteht in der Erhöhung der Realeinkommen und in der Sicherung der Arbeitsplätze. Natürlich sind einem solchen Streben Grenzen gesetzt. Auf die Dauer kann das Realeinkommen der Werktätigen nur dann wirksam erhöht werden, wenn es gelingt, durch Hebung der Produktivität auch das Sozialprodukt entsprechend zu steigern. Unter Sozialprodukt versteht man die gesamte Gütermenge, die erzeugt wird und zur Verteilung zur Ver¬ fügung steht. Kommen die Arbeiter und Angestellten bei der Verteilung des Sozialprodukts zu kurz, dann sind die Folgen davon zu niedrige Reatlöhne. Sind nun die Arbeiter und Angestellten machtlos und wehrlos, dann müssen sie sich damit abfinden, sind sie es aber nicht, das heißt, haben sie starke und schlagkräftige Gewerkschaften, dann werden sie mit alter Kraft diesen Zustand zu ändern suchen! Daß die Gewerkschaften das machen, wozu sie eigentlich ge¬ scharten sind, ist für gewisse Leute unter den Wirtschaftstreihenden eine glatte” Herausforderung, eine unerhörte Anmaßung. Sie riefen „Die Stabilisierung ist in ^Geiahr!" und meinten „Unsere (unge¬ rechtfertigt hohen) Profite sind in Ge¬ fahr!". Sie malten den Teufel der In¬ flation an die Wand und kündigten Massenarbeitslosigkeit und das völ¬ lige wirtschaftliche Chaos an. Dies weil arbeitende Menschen sich ein größeres Slück Brot erkämpfen wollten. Beachtliche Erfolge Alle diese Warnungen hatten den i^Zweck, die Entschlossenheit der ge- weUvscJuaftlich organisierten Arbeiter¬ und Angestelltenschaft zu schwächen und dem Widerstand der Unterneh- jnei schaff eine moralische Rechtferti¬ gung zu geben. Die Gewerkschaften ließen sich aber nicht davon beirren. Das vermehrte Sozialprodukt recht¬ fertigte angemessene Lohn- und Ge- haltsforderungen. Zu Beginn des Jahres wurde für das Kinopersonal ein Kollektivvertrag ab¬ geschlossen, durch den die Lohnsätze um 7 bis 12 Prozent erhöht wurden. Für die Vertragsbediensteten der Bundesbahnen wurde kurz danach .eine neue Dienst- und Lohnordnung erieicht, in der ebenfalls lohnrechf- liche Verbesserungen enthalten sind. Die Journalisten von Wochenzeitun¬ gen erhielten einen Kollektivvertrag, der überhaupt der erste dieser Art ist und höhere Gehälter brachte. Die Ar¬ beitnehmergruppe der Schädlings¬ bekämpfer konnte ebenfalls einen KolloidiVvertrag erreichen. Im Marz führten die Handelsange¬ stellten einen schweren, aber erfolg¬ reichen Kampf um das vierzehnte (^Monatsgehalt. Nach Androhung eines Streiks erreichten sie die Gewährung von zunächst einem halben vierzehn¬ ten Monatsgehalt. Die Bundestheater¬ solisten erwirkten eine Entnivel- lierung ihrer Bezüge. Ein besonderer gewerkschaft¬ licher Erfolg war der Abschluß neuer lohnrechtlicher Teile zum Kollektivvertrag der Metallarbeiter. Dadurch erhielten ab 1. April die Arbeiter und Arbeiterinnen in Hüt¬ tenwerken ln der Metallindustrie und in den Metallgewerben höhere Löhne. Für die Brauereiarbeiter in Groß- wie auch in Kleinbrauereien wurden von der zuständigen Gewerkschaft Änderungen der bestehenden Lohn- oidnungen vereinbart, wodurch sich die Wochenlöhne um 5 bis 7 Prozent erhöhten. Ende März trat auch für .die Arbeiter in der Spiritusindustrie eine Lohnerhöhung in Kraft und mit Wir¬ kung vom 12. 'April eine solche für die Arbeitnehmer im Wiener Zucker¬ bäckergewerbe. Die Handelsarbeiter und die Arbei¬ ter und Angestellten der Sowjetischen Mineralölverwaltung erreichten eine Urlaubsbeihilfe, und die oberöster¬ reichischen Rauchfangkehrer erzwan¬ gen sich in einem Streik höhere Löhne. Die Bauarbeiter bei einem Hochhausbau in Wien streikten eben¬ falls und erreichten die Gewährung einer Höhenzulage. Das von den Ge¬ werkschaften erkämpfte Heimarbeits- Der Bundespräsident bei den Gewerkschaften Vor kurzem besuchte Bundes¬ präsident Dr. h. c. Körner, das Oberhaupt und der Repräsentant unseres Staates, den Gewerk- schaftsbund in seiner Zentrale. Er orientierte sich über die Tätigkeit und äußerte sich anerkennend über die Leistungen der Gewerkschaften. Diese Nachricht war im Radio zu hören und stand in den Zeitungen, Aber der Besuch des Staatsober¬ hauptes bei den Gewerkschaften ist nicht nur ein Besuch wie viele andere, ein Höflichkeitsakt, er is! ein Ereignis von grundsätzlicher Be¬ deutung. Vor hundert Jahren, als die Ge¬ werkschaften entstanden, herrschte der Absolutismus, der Kaiser war unumschränkter Herrscher in einem Obrigkeitsstaat und thronte als sein Regent für das Volk in Wolken¬ ferne. Die Revolution des Jahres 1848 und die Forderungen nach einer Konstitution wurden im Blute ertränkt. Nur langsam erlang sich das Bürgertum konstitutionelle Rechte und nur in zähen und opfer¬ vollen Kämpfen die Arbeiterschaft Bewegungsfreiheit. Auch in der konstitutionellen Mon¬ archie blieb der Staat der Obrig¬ keitsstaat, dessen Aufgabe es war, für Ruhe und Ordnung, aber nicht für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen. Das Wohlergehen der Bürger fiel in den Bereich der Wirt¬ schaft, der selbstherrlichen Domäne der Unternehmer, die der Lehre einer der Wirtschaft selbsttätig inne¬ wohnenden Gesetzmäßigkeit hul¬ digten, der jeder staatliche Eingriff nur schade. Die liberal-kapitalisti¬ sche Epoche dachte dem Staat nur eine Nachtwächterrolle zu. Obwohl sich die Arbeiterschaft allmählich Einfluß in diesem Staat errang, blieben die Gewerkschaften darin Fremdkörper. Schließlich wur¬ den durch den ersten Weltkrieg dem Volke wieder viele seiner Frei¬ heitsrechte genommen und dem Herrscher als obersten Kriegsherrn übertragen. Der Umsturz des Jahres 1918 er¬ hob das Volk zum Souverän, von dem, nach den Buchstaben der Verfassung, alle Rechte ausgingen. Aber für ein Staatswesen ist nicht die Staatsform, sondern ihr Inhalt entscheidend. Die wirtschaftliche Macht der Unternehmerschaft ver¬ schob die politische Macht zu ih¬ ren Gunsten. Zwischen dem Volk und dem Staatsoberhaupt kam kein wirklich echter Kontakt zustande. Durch Faschismus und Nazismus wurde der Staat Herrschaftsobjekt (Fortsetzung auf Seite 3) Der Präsident des ÖGB heißt unseren Bundespräsidenten vor der Gewerksrhaffszentrale herzlich willkommen. Anschließend wurde er von dem Präsidium des ÖGB, bestehend aus Präsident Böhm, Minister Maisei, Nationalrat Altenburger und Generalsekretär _Proksch, durch das Haus geleitet. _