Wteü» i., Fast viereinhalb Millionen! Mit einer beispielhaften Opfexbereitschaft und Solidarität haben die österreichischen Arbeiter und Angestellten bis zum 1. September 1954 4,436.455 Schilling gespendet. Bei der Spendensammelaktion des Ö'GB iür die Opfer des Hochwassers im Juli 1954 werden die Spendenlisten wegen Raummangels nicht mehr — wie bei vorher¬ gegangenen Sammelaktionen — in der „Solidarität", dem Zentralorgan des österreichischen Gewerkschaftsbundes, veröffentlicht, sondern es wird nach Beendigung der Sammelaktion eine alphabetisch geordnete Gesamt¬ spendenliste gedruckt herauskommen, die den Betrieben zugesandt wird. Auf dem richtigen Weg Eine gewerkschaftliche Diskussion mit ehrlichen Kritikern, die vielleicht einen schärferen lohnpolitischen Kurs, weniger Rücksichtnahme auf wirt¬ schaftliche und politische Gefahren und eine raschere Angleichung des österreichischen Lebensstandards an den unserer westeuropäischen Nach- b.irn wünschen, erscheint uns näm- lit h dm c haus notwendig. Viele Gewerkschafter waren ehr¬ lich empört über die bewußten Preis¬ treibereien bei lebenswichtigen Kon¬ sumgütern und über die Verfälschung der Liberalisierung durch Zoüerhöhun- gen, die sie teilweise wirkungslos ge¬ macht haben. Dabei soll nicht verges¬ sen werden, daß die Kommunisten überhaupt gegen eine Liberalisierung waren, obwohl sie wußten, daß sie auf die Preise drücken würde, ein¬ fach deshalb, weil die Liberalisierung dem Konzept ihrer Auftraggeber zu¬ widerläuft, die ja jede wirtschaft¬ liche Zusammenarbeit Europas . be¬ kämpfen. Eine allgemeine fünfzehnprozen¬ tige Lohnerhöhung wird von allen verantwortungsbewußten Gewerk¬ schaftern abgelehnt, da sie wissen, daß eine derartige Aktion Ma߬ nahmen auf der Preisseite erfor¬ dern würde, daß also ein neues Preis- und Lohnabkommen ge¬ schlossen werden müßte. schlossen werden. In Westdeutsch¬ land ist man nicht so glücklich ge¬ wesen; dort müssen ähnliche Lohn¬ bewegungen später als bei uns und unter schweren Opfern und Kämpfen durchgeführt werden. Viele Gewerkschafter glauben aber, daß eine erfolgreiche Lohnpolitik ausschließlich eine Frage der gewerk¬ schaftlichen Kampfkraft ist. Leider ist dem nicht so. Gewerkschaftliche Kraft ist eine, aber nicht die einzige Voraussetzung zu einer Verbesserung des Lebensstan¬ dards. Die Lohnpolitik der Ge¬ werkschaften kann sich nämlich nicht im luftleeren Raum, das heißt, ohne Berücksichtigung der wirtschaftlichen Möglichkeiten abspielen, im Gegenteil, es müssen die wirtschaftlichen Voraussetzun¬ gen für Lohnbewegungen sehr oft erst geschaffen werden. So wären die Lohnbewegungen dieses Jahres ohne vorherige Durch¬ setzung größerer Investitionen, ohne ’ Erkämpfung des langfristigen Investitionsprogramms und der Ver¬ besserung der Renten- und Arbeits- (Fortsetzung auf Seite 3) Dafür bestehen aber weder die wirtschaftlichenVoraussetzungen.noch besteht die Spur einer Notwendig¬ keit oder gar eine , Begeisterung für eine solche Aktion. Wir kämpfen für Vollbeschäftigung! Der Beschäftigtenstand steigt ständig an. Unser Bild zeigt den Schichtwechsel in einem chemischen Betrieb um 10 Uhr nachts. Man kann über alles verschiedener Meinung sein. Man kann auch über alles diskutieren, erst recht über eine so entscheidend wichtige Frage wie die Lohnpolitik der Gewerkschaften. Man soll auch darüber diskutieren, denn eine Klärung der Standpunkte in einer Diskussion gehört zum Wesen der Demokratie, und Gewerkschaften sind nun einmal demokratische Organi¬ sationen. Fragwürdig wird der Wert einer demokratisch geführten Diskussion jedoch dann, wenn einer der beiden Diskussionspartner in der Demokratie nur ein Mittel erblickt, die Demokratie zu beseitigen oder, mit anderen Worten gesagt, wenn überhaupt keine gemeinsame Ausgangsbasis vorhanden ist und man daher immer nur aneinander vorbeireden könnte. Gerade das aber ist der Fall bei einer Diskussion, zu der die kommu¬ nistischen Drahtzieher einen Betriebs¬ funktionär veranlaßt haben. Der be¬ treffende kommunistische Funktionär hat an Präsident Böhm ein dem¬ agogisches Schreiben gerichtet, das dann, zusammen mit der Antwort, zum Gegenstand einer neuerlichen „Erwi¬ derung“ gemacht wurde. Auf diese, übrigens ellenlange Erwiderung einzu¬ gehen, erübrigt sich schon deshalb, weil sie nicht von dem Willen zu ehr¬ licher Diskussion, sondern offenkun¬ dig allein von dem Bedürfnis nach dyp^ocp^her ^n^acmngaJj^Dijxwl. Dennoch sei zu dem aufgeworfe¬ nen Problem der Erhöhung des Lebensstandards grundsätzlich Stel¬ lung genommen, um zu zeigen, daß die Gewerkschaften, getragen von dem Vertrauen der überwältigen¬ den Mehrheit der Arbeiter und An¬ gestellten, auf dem richtigen Wege sind. Wirtschaftliche Gegebenheiten ausschlaggebend Die Lohnpolitik, die die Gewerk¬ schaften verfolgen, muß sich nach den wirtschaftlichen Gegebenheiten rich¬ ten, und nur im Rahmen dieser Ge¬ gebenheiten können echte Lohnbewe¬ gungen, nämlich solche, die eine Erhöhung des Lebensstandards bewir¬ ken, geführt werden. Derartige Lohn¬ bewegungen konnten die großen Ge¬ werkschaften auch bereits in den Frühjahrsmonaten dieses Jahres durchführen. Kleinere Gewerkschaf- ten folgten ihnen nach. .. , Diese Lohnbewegungen konnten infolge der Stärke des österreichi¬ schen Gewerkschaftsbundes, die die Unternehmer kennen, ohne grö¬ ßere Streiks und schwere Opfer der Arbeiterschaft erfolgreich abge- Wir müssen noch stärker werden! Der österreichische Gewerk¬ schaftsbund hat seif 1945 Jahr für Jahr Mitglieder dazugewonnen. In den letzten Jahren war die Auf¬ wärtsentwicklung selbstverständlich nicht mehr so stürmisch wie in den ersten Jahren nach der Gründung, und der Mitgliederzuwachs beträgt nur mehr einige tausend im Jahr. Es ist sicherlich ein großer Erfolg und ein Beweis des Vertrauens, daß innerhalb eines Jahrzehnts im Ge¬ samtmitgliederstand kein Verlust zu verzeichnen ist. Aber wir können uns trotzdem nicht damit zufrieden geben, daß wir mit 1,320.000 Mit¬ gliedern rund zwei Drittel der über zwei Millionen unselbständig Er¬ werbstätigen erfaßt haben. Wir müssen einen noch besseren Orga¬ nisationsgrad erreichen — im ur¬ eigensten Interesse der Organisier¬ ten selbst, denn mit der Stärke wachsen auch die Erfolge. Wo gilt es nun den Hebel anzu¬ setzen? Die Großbetriebe und viele mitt¬ lere Betriebe der Industrie und des Gewerbes sind durchgehend gut or¬ ganisiert. Aber außer den Groß- und Mittelbetrieben gibt es noch die vielen Kleinbetriebe, in welche die Gewerkschaften zum Teil noch nicht richtig eindringen konnten. In Österreich sind 62,8 Prozent allein der industriellen Betriebe Kleinbe¬ triebe mit weniger als 50 Beschäftig¬ ten, 32,2 Prozent der Betriebe be¬ schäftigen nur 6 bis 20 Arbeitskräfte. Die Werbung in diesen Arbeitsstätten ist um so schwieriger, je kleiner der Betrieb und je größer damit die Abhängigkeit vom Arbeitgeber ist. Der gewerkschaftliche Rückhalt ist aber gerade im Kleinbetrieb noch wichtiger als in einem Großbetrieb, da dort dem einzelnen, ob er ge¬ werkschaftlich organisiert ist oder nicht, alle von der Gesamtheit er¬ reichten Sicherheiten und Begünsti¬ gungen gleichfalls zugute kommen. Erst durch die Gewerkschaft steht der Arbeiter oder Angestellte der Willkür des Arbeitgebers nicht mehr schutzlos gegenüber. In manchem Kleinbetrieb wird es schwer sein, einen Werber für die Gewerkschaft zu finden, um so wichtiger ist es, daß die Agitation von außen eindringt. Im Wohnhaus, im Freundeskreis, auf der Fahrt zur und von der Arbeitsstätte, überall dort, wo sich arbeitende Menschen treffen, kann der Kontakt mit dem im Kleinbetrieb beschäftigten Kol¬ legen hergestellt werden. Der Or¬ ganisierte des Groß- oder Mittel¬ betriebes muß sich seines Kollegen im Kleinbetrieb annehmen! Ein Ge¬ spräch mit diesen Arbeitskollegin-