Die freie Wahl ist ein von den Gewerkschaften schwer erkämpftes Recht für alle Arbeiter und Angestellten. Eine hohe Wahlbetei¬ ligung beweist die politische Reife eines Volkes. Am 24. und 25. Oktober 1954 finden die Arbeiterkammerwahlen statt Der Gang zur Wahlurne ist eine Ehrenpflicht für alle Kolleginnen und Kollegen! Vbb — Mit Bildbeilage WißH, l.~, EiX'! ld< trfersfr» - 7 ZENTRALORGAN DES ÖSTERREICHISCHEN GEWERK SC HAFTS BO NO ES PREIS 25 GROSCHEN Die Aufgaben des ÖGB Präsident Böhm auf dem Gewerkschaffstag der Land- und Forstarbeifer Der Präsident des österrei¬ chischen Gewerkschaftsbundes, Johann B ö h m, hielt am 14. Sep- tember 1954 auf dem 3. Gewerk¬ schaftstag der Gewerkschaft der Land- und Forstarbeiter in Wien ein Referat, in dem er sich mit den Aufgaben des österreichi¬ schen Gewerkschaftsbundes be¬ faßte. Wir geben aus dem Re¬ ferat hier auszugsweise einige Stellen wieder. Das Gewicht des ÖGB gegenüber der Regierung und den Unternehmern ist heute ein ganz anderes als früher. Daiiidls, vor 1934, hat oft eine Stel¬ lungnahme einer Gewerkschaft die einer anderen aufgehoben. Während früher die einzelnen Gewerkschaften gegenüber den Unternehmern auf sich selbst angewiesen waren und oft wegen Mangels an finanziellen Mitteln keinen .Lohnkampf führen konnten, ist heule der Partner der Unter¬ nehmer der einheitliche ÖGB. Diel Finaxizkraft der Gewerkschaften wurde weitgehend zentralisiert. Vor 1934 hatten die Gewerkschaften nur einen einzigen gemeinsamen Fonds, den Solidaritätsfonds, der aber nur über geringe Mittel verfügte. Heute, wenn es einmal notwendig sein sollte, einen wichtigen Lohn¬ kampf zu gewinnen, kann die ganze Finanzkraft des ÖGB in die Waag¬ schale geworfen werden. Gerade diese finanzielle Zentrali¬ sation hat dem ÖGB eine Schlagkraft gegeben, die auch den Unternehmern bekannt ist. Das ist eine der Ursachen, daß seit 1945 keine großen, langandau¬ ernden Streiks stattgefunden haben. Zu den Lohnbewegungen ist zu sagen, daß die Lohn- und Preisabkom- men der vergangenen Jahre Notmaß- iifii waren, die verhindert haben, daß üstem-icli in eine Inflation hin- eingeschliltert ist. Wenn es keine ein¬ heitliche Organisation gegeben hätte, so wäre das nicht gelungen. Der ÖGB aber hat den Zusammenbruch unserer Volkswirtschaft, ja sogar unseres Staates, verhindern wollen. Denn bei einer Inflation wären die größten Leid¬ tragenden die Arbeiter und Ange- stellten gewesen. Als sich die Verhältnisse stabilisiert haben, ist der Gewerkschaftsbund von dieser Lohnpolitik abgerückt, denn er war nie der Meinung, daß eine zen¬ trale Lohnregelung dauernde Gültig¬ keit besitzen müsse. Immer, wo es die Produktiönsver- liältnisse zulassen, haben die Ar¬ beiter und Angestellten das Recht auf einen Anteil an den Früchten der Produktivitätssteigerung. Der ÖGB hat sich in den letzten Jahren ernsthaft mit der Frage der Produk¬ tivitätssteigerung beschäftigt, und es hat Mühe gekostet, manchen Mit¬ gliedern zu erklären, daß Produk¬ tivitätssteigerung nicht erhöhte Ar¬ beitslosigkeit bedeuten muß, sondern gerade das Gegenteil. Der DGB hat in jenen Betrieben, wö Produktivitätssteigerungen erfolgt sind, daher auch Lohnforderungen ge¬ stellt und durchgesetzt. Diese Erfolge sind zwar bescheiden, aber es kann doch, entgegen den kommunistischen Kritikern — die behaupten, daß eine ständige Verschlechterung des Lebens¬ standards erfolgt sei —, eine beschei¬ dene Erhöhung des Realeinkommens festgestellt werden. Die Zeit, wo die Gewerkschaften sich nur damit begnügten, Lohnfor¬ derungen zu stellen und kleine sozialpolitische Verbesserungen zu erreichen, ist längst vorüber. Der ÖGB muß heute auch in den zu¬ ständigen Körperschaften, zum Bei¬ spiel im Nationalrat durch seine Abgeordneten, auf die Kartell-, Zollpolitik usw. Einfluß nehmen. Dies ist bis jetzt nur teilweise ge¬ lungen. Als Beispiel gilt das Kartell¬ gesetz, das nur eine Teillösung dar¬ stellt. Das Gesetz läuft nun bald ah, und der Gewerkschaftsbund wird ein besseres durchzusetzen versuchen. Im Verein mit den Arbeiterkammern wird er auch versuchen, die Zollpolitik zu beeinflussen. Präsident Böhm kam in seinem Re¬ ferat auch auf die politische Struktur des ÖGB zu sprechen. Er stellte unter anderem fest, daß innerhalb der Ge¬ werkschaften verschiedene politische (Fortsetzung auf Seite 3) Antworten auf Ausflüchte Wenn man einen Unorganisierten fragt, warum er nicht seiner Ge¬ werkschaft beitreten will, hat er, zwar etwas variiert, immer drei Antworten bei der Hand: Unser Betrieb hält sich ohnehin an die Kollektivverträge — Ich will mit der Politik nichts zu tun haben — oder: Was leistet schon die Gewerk¬ schaft für die eingezahlten Bei¬ träge? Der österreichische Gewerk¬ schaftsbund führt in der nächsten Zeit wieder eine Mitgliederwerbung durch. Alle Kolleginnen und Kolle¬ gen, die sich an dieser Werbe¬ aktion beteiligen, werden die fadenscheinigen Einwände und ab¬ geleierten Ausflüchte der Unorgani¬ sierten, zusammengefaßt in die oben angeführten „Antworten", zum Überdruß zu hören bekom¬ men. Ihnen mit gewichtigen, über¬ zeugenden Argumenten entgegen¬ zutreten, ist nun Aufgabe des Wer¬ bers. Wohl gibt es Unorganisierte, bei denen jedes noch so treffende Argument abprallt. Nicht, daß sie den Wert der Gewerkschaften ver¬ kennen würden, nein — sie treten ihr lediglich aus einem kleinlichen Egoismus nicht bei. Sie spielen die „Neutralen" und bekämpfen dabei unbewußt die Gewerkschaften. Lei¬ der haben sie bisher übersehen, daß sie diesen Kampf gegen sich selbst führen. Die Bemerkung: „Ich brauche keine Gewerkschaft, unser Betrieb hält sich ohnehin an die Kollektiv¬ verträge", kann aber auch von Un¬ organisierten kommen, die beileibe keine Egoisten, sondern nur felsen¬ fest davon überzeugt sind, daß ihre Ansicht richtig ist. Für sie gibt es nur die eine Antwort: Wer schafft denn die Kollektiv¬ verträge, die jedem Arbeiter und Angestellten den festgelegten Lohn rechtlich sichern? Und wer achtet darauf, daß sie auch konsequent eingehalten werden? Doch nicht die Unternehmer! Kollektivverträge sind die Früchte jahrzehntelanger gewerkschaftlicher Kämpfe, und der Unorganisierte hat bisher immer die anderen dafür kämpfen lassen. Denen aber, die es ablehnen, einer Gewerkschaft beizutrelen, weil sie „mit der Politik nichts zu tun haben wollen", ist leicht zu er¬ widern: Der österreichische Ge¬ werkschaftsbund ist doch keine Partei! Er vertritt die Interessen aller seiner Mitglieder, ungeachtet ihrer Weltanschauung. Er kann aber in seiner Tätigkeit nicht unpolitisch bleiben, denn um die Interessen der Arbeiter und Angestellten wirk¬ sam vertreten zu können, muß er Einfluß auf die Politik haben. Die österreichische Elektroindustrie besitzt Weltgeltung. Erst vor kurzer Zeit wurden drei Elin-Großtransiormatoren mit einem Gewicht von je 105 Tonnen nach Amerika geliefert. Im Bild: Eine Werkhalle der Österreichischen Elektro¬ industrie-GmbH. in Deucjiendorf-Kapfenberg. Mit sicherer Hand dirigieren Frauen diese gigantischen Pressen.