ARBEIT UND WIRTSCHAFT HERAUSGEGEBEN VON ANTON HUEBER UND FRANZ DOMES REDAKTEURE: EDUARD STRAAS, VIKTOR STEIN, DR. EDMUND PALLA UND DR. J. HANNAK IV. JAHRGANG 15. JUNI 1926 HEFT 12 ARBEITER UND ANGESTELLTE! Nur wenige Wochen trennen uns noch von den Wahlen in die Wiener und nieder�ster� reichische Kammer f�r Arbeiter und Angestellte, denen in kurzer Zeit die Kammerwahlen in allen anderen Bundesl�ndern folgen sollen. In den n�chsten Wochen werden also alle deutsch�ster- reichischen Arbeiter und Angestellten der Indu� strie, des Gewerbes, des Handels, des Bergbaues und des Verkehrs zur Wahlurne schreiten und �ber die Frage zu entscheiden haben, ob die Arbeiterkammern weiter unter freigewerkschaft� licher F�hrung die Arbeit der letzten f�nf Jahre fortsetzen sollen. Die Arbeiterkammern, von unserem unverge߬ lichen Ferdinand Hanusch als Staatssekret�r f�r soziale Verwaltung geschaffen und von ihm als Direktor der Wiener Arbeiterkammer prak� tisch eingerichtet, haben sich in den f�nf Jahren ihres' Bestandes eine wichtige Rolle im �ffentlichen Leben der Republik, eine bedeutsame Funktion in dem Machtgef�ge der deutsch�ster� reichischen Arbeiter und Ange� stellten erobert. Als �ffentlich-rechtliche K�rperschaften sind sie von Gesetzes wegen dazu berufen, die Interessen der Arbeiter und An� gestellten gegen�ber den Beh�rden und der Re� gierung, der Bundes- und den Landesverwal- -tungen wahrzunehmen. Es gibt keine wirtschafts- oder sozialpolitische Frage, zu der die Arbeiter� kammern nicht im Interesse der Lohn- und Ge� haltsempf�nger Stellung genommen h�tten, kein Gebiet des Arbeiter- oder Angestelltenlebens, auf dem sie nicht mit Anregungen hervorgetreten w�ren. Daneben hat die Arbeiterkammer, geleitet von dem Bestreben, den Arbeitern und Angestellten in ihrer Alltagsnot zu helfen, selbst die Initiative ergriffen und versucht, im eigenen Wirkungskreis die Not der Arbeitslosen zu lindern, die Lehrlinge durch eine besondere Schutzsteile und eine gro�e Organisation freiwilliger Helfer vor �berm��iger und ungesetzlicher Ausbeutung zu sch�tzen. Sie ist bestrebt, den Schutz der arbeitenden Frau zu erh�hen. Sie hat gemeinsam mit der Gemeinde Wien ein Berufsberatungsamt ein� gerichtet, sie steht den Arbeiter- und Angestellten- Erfindern mit Rat und Tat zur Seite, sie stellt den Arbeitern und Angestellten eine gro�e Biblio� thek zur Verf�gung und f�rdert ihre B i 1 d u n g s- bestrebungen. Sic hat auf dem Gebiete des gesamten Arbeiterschutzes, in der Frage der Auswanderung, auf tausend anderen Gebieten alles m�gliche getan, um den Arbeitern zu helfen und sie zu beraten. Sie hat sich in der kurzen Spanne Zeit seit ihrer Errichtung einen wichtigen Platz unter den gewerkschaftlichen und parteim��igen Vertretungsk�rpern der Arbeiter� schaft errungen. Es ist selbstverst�ndlich, da� sie zu dieser Rolle nur infolge der zielbewu�ten F�hrung durch die freigewerkschaftlichen Ver� treter gelangt ist. Sie kann diese f�r die Arbeiter und Angestellten au�erordentlich wichtige T�tig� keit nur fortsetzen, wenn sie auch weiter ein Instrument freigewerkschaftlicher Wirtschafts- und Sozialpolitik bleibt. Aber so wichtig es ist, unsere erdr�ckende Majorit�t in den Kammern ungeschm�lert zu er� halten, so haben die Wahlen gerade im jetzigen Zeitpunkt auch noch eine andere, viel gr��ere Bedeutung. Die Wahlen m�ssen zu einem ge� waltigen und unzweideutigen Bekenntnis der gesamten Arbeiter und Angestellten f�r die uneingeschr�nkte Aufrechterhaltung des Mieterschutzes werden! Keine Stimme den Trabanten der b�r� gerlichen Hausherrenparteien! Wer freigewerk� schaftlich w�hlt, unterst�tzt uns im Kampfe gegen die Begehrlichkeit der Hausherren. Wer freigewerkschaftlich w�hlt, erkl�rt, da� er gemeinsam mit der ganzen Arbeiterklasse f�r die