ARBEIT UND WIRTSCHAFT HERAUSGEGEBEN VON ANTON HUEBER UND FRANZ DOMES REDAKTEURE: EDUARD STRAAS, VIKTOR STEIN, DR. EDMUND PALLA UND DR. J. HANNAK ^ ������ IV. JAHRGANG 15. SEPTEMBER 1926 HEFT 18_____ ARBEITER UND ANGESTELLTE! F�nfundzwanzig Jahre sind verstrichen, seitdem zum ersten Male die gewerkschaftlichen Kr�fte in den einzelnen L�ndern zu einer gemeinsamen internationalen Organisation z u s a m m e n- gefa�t worden, f�nfundzwanzig Jahre, seitdem sie unersch�ttert vereinigt geblieben sind. Ge� stiegen in ihrer Bedeutung und in ihrem Einflu�, hat die internationale Gewerkschaftsbewegung heute einen H�hepunkt erreicht, sie ist eine Welt m acht geworden. Immer mehr wachsen die K�mpfe der Gewerkschaften zu internationaler Bedeutung an und greifen weit �ber die Grenzen der einzelnen L�nder hinaus. �ber die Grenzen der L�nder hinweg greift auch der Kapitalismus, indem er, mit Luftschiff und Rundfunk Erdteile er� obernd, sich �berall dort ansiedelt, wo ihm die Produktionsbedingungen g�nstig erscheinen. Er �berklettert Zollmauern und Schranken aller Art, er geht r�cksichtslos den Weg zur Erh�hung der Profitrate. �ber die Grenzen der L�nder hinweg greifen immer mehr und mehr die gro�en Organisationen der Unternehmer, die internationalen Kartelle und Trusts der Schwerindustrie. �ber die Grenzen der L�nder hinweg mu� darum auch der Abwehrkampf der Arbeiterschaft durch die Gewerkschaften gehen. F�nfundzwanzig Jahre hat die Gewerk� schaftsinternationale diesem gro�en Gedanken gedient, f�nfundzwanzig Jahre hat sie darum gerungen, den gewerkschaftlichen Befreiungskampf zu einem international einheitlichen zu gestalten. F�nfundzwanzig Jahre harter K�mpfe, reicher Erfahrungen, mancher Entt�uschungen, aber auch gewaltiger Triumphe haben die Gewerkschaftsinternationale und in ihr und durch sie die ihr angeschlossenen Landesorganisationen zu jener Macht emporgef�hrt, die sinnf�llig in die Augen springt durch die Tatsache, da� die Welt aufhorcht, wenn Amsterdam etwas zu sagen hat. Der Internationale Gewerkschaftsbund ist ein Symbol des weltgeschichtlichen Aufstiegs der Arbeiterklasse. Nicht �berall ist das Proletariat gleich stark und einflu߬ reich, nicht �berall und in allen L�ndern ist es �ber die Zeit der �rgsten Bedr�ckungen und Ver� folgungen schon hinaus; noch aus manchem kapitalistischen Machtbereich t�nt uns klagend das Leid gemarterter und ausgebeuteter Proletarier!eiber und Proletarierseelen entgegen; noch ist das lichte Gestade der international befreiten Arbeit nur von fernher zu erblicken. Aber der Internatio� nale Gewerkschaftsbund ist doch ein Wegweiser dazu, sein Programm des proletarischen Mitbestimmungsrechtes im Produktionsproze� eine gro�e Verhei�ung und der - Sieg des Betriebsr�tegedankens eine erste Erf�llung. Da� heute die Beherrscher der Staaten und Nationen mit dem �ffentlich-rechtlichen Repr�sentanten des Faktors Arbeit, mit der Gewerkschaftsinternationale, wie von Macht zu Macht verhandeln m�ssen, da� wir Boykotts gegen konterrevolution�re L�nder wie Ungarn organisieren, gegen Militaris� mus und Kriegsgefahr wirksam protestieren und f�r die allgemeine Abr�stung das Gewissen der Menschheit in steigendem Ma�e mobilisieren, da� wir gro�e internationale Hilfsaktionen, wie etwa f�r das von Hungersnot �berfallene russische und georgische Volk oder f�r die heroischen englischen Bergarbeiter ins Leben rufen konnten, da� der Internationale Gewerkschaftsbund sozusagen v�lkerrechtlich anerkannt ist durch seine f�hrende Mitarbeit im Internationalen Arbeitsamt, da� er gerade in der letzten Zeit wieder einen erfolg� verhei�enden Kampf um die internationale Anerkennung des Achtstunden� tages durchzuf�hren vermocht hat, dies und noch vieles andere beweist die gewaltige Schlag� kraft der 14-Millionen-Menschen-Organisation. Es ist also nur selbstverst�ndlich, da� wir in alterprobter engster Gemeinschaft mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch�sterreichs das Jubil�um des Internationalen Gewerkschaftsbundes in der w�rdigsten Weise begehen. W�rdiger aber kann es gar nicht gefeiert werden als im Gedanken positiv aufbauender Arbeit.