ARBEIT UND WIRTSCHAFT HERAUSGEGEBEN VON ANTON HUEBER UND FRANZ DOMES REDAKTEURE: EDUARD STRAAS, VIKTOR STEIN, DR. EDMUND PALLA UND DR. J. HANNAK VII. JAHRGANG 1. MARZ 1929 HEFT 5 HAT DER UNTERNEHMER NOCH EINE FUNKTION? Von J. Hannak Es ist jetzt zu einem der heuchlerischesten Schlagworte der Reaktion geworden, von der �Krise der Demokratie" und der �Krise des Parlamentaris� mus" zu reden. Im Grunde bedeutet das nichts ande� res, als da� die Bourgeoisie Angst bekommen hat vor den Auswirkungen der Demokratie, die allenthalben zu einem unaufhaltsamen Vordringen der Arbeiter� klasse f�hrt, und da� darum die Bourgeoisie es gern ein bi�chen ohne Demokratie versuchen m�chte. Verzweifelnd an dem �freien Spiel der Kr�fte" im �konomischen Klassenkampf, wollen die besitzenden Klassen ihr Gl�ck korrigieren, und zwar durch Ge� walt. Der Faschismus ist darum nicht so sehr die Krise der Demokratie als vielmehr die Krise des Kapitalismus. Wie stark und heftig die Krise des Kapitalismus trotz seiner �Stabilisierung" fortbesteht, das bezeugen auch die Kritiken und Bedenken seiner eigenen wissenschaftlichen Sachwalter, der Theoretiker und Professoren. Werner Sombarts m�der Pessimis� mus ist ja gerade in der j�ngsten Zeit auch bei seinen Wiener Vortr�gen vernommen worden. Munterer und zuversichtlicher im Ton, aber in der Sache selbst nicht weniger skeptisch f�llt die Betrachtung aus, die Joseph Schumpeter dem Kernpunkt der kapitalistischen Macht, der Stellung des Unter� nehmers im Wandel der �konomischen Entwick� lung, gewidmet hat. Schumpeter ver�ffentlicht seine Untersuchung in dem auch sonst sehr interessanten gro�en Sammelwerk �Strukturwandlungen der deutschen Volkswirtschaft" (2 B�nde, Verlag Reimar Hobbing, Berlin 1928) und nennt sie: �Der Unterneh� mer in der Volkswirtschaft von heute." Schumpeter geht davon aus, zun�chst einmal fest� zustellen, welches denn die eigentliche Funktion des Unternehmers ist, das hei�t, woher sich der Anspruch des Unternehmers auf den Unternehmergewinn �ber� haupt herleitet. Der Unternehmer hat in der K o n- kurrenzwirtschaft, das ist jener Epoche des Kapitalismus, die der durchorganisierten und ver� trusteten Wirtschaft der Zukunft vorausgeht, die mannigfaltigsten Aufgaben: er stellt das Kapital bei und bekommt daf�r den Kapitalszins. Er leistet die Verwaltungsarbeiten im B�ro, als da ist die Er� ledigung der Post, das Verhandeln mit den Kunden, Lieferanten, Beh�rden, das Herumschimpfen mit dem Personal und �hnliche sch�ne Dinge; er entfaltet also eine Art Beamtent�tigkeit und daf�r bekommt er den Lohn eines h�heren Angestellten. Er hat be� sonders in der kapitalistischen Fr�hzeit, solange die Konkurrenz nicht zu gro� ist, hie und da eine Mono� polstellung, die ihm Gewinn eintr�gt. Er hat ein ge� wisses Risiko, wof�r er sich eine Risikopr�mie ver� rechnet. Und er hat schlie�lich Gelegenheitsgewinne aus Spekulationen, Zuf�llen und unverdientem Wert� zuwachs. Das alles bedeutet aber nach Schumpeter noch immer nicht die eigentliche Unternehmerfunktion und den eigentlichen Unternehmergewinn, das alles bildet noch nicht den Urgrund der �berragenden Macht� stellung des Unternehmers im Betrieb und kann vom Unternehmer an andere Organe des Betriebes �ber� gehen, ohne da� die spezifische Unternehmerfunktion darunter leidet. Sondern diese entscheidende spezi� fische Funktion des Unternehmers, die, die ihn erst zum Unternehmer macht, das ist seine Initiative im Gestalten des technischen und kommerziellen Pro� duktionsapparates, das ist, wie es Sombart nennt, die Spannung zwischen den rationalistischen (berechen� baren) Elementen der Wirtschaft und den irrationa� listischen Elementen, dem k�hnen Wagemut, dem Unternehmergeist. Der Vorsprung, den der wagemutige, neuerungsfrohe, einfallsreichere, ideen� vollere Unternehmer vor der �brigen Konkurrenz gewinnt, das und das allein, sagt Schumpeter, sei Sinn und Wesen des Unternehmerdaseins und das allein sei Quelle und Recht des eigentlichen Unternehmer� gewinns. Schumpeter gibt also zun�chst einmal zu, da� alle �brigen Bestandteile des Unternehmereinkommens nicht der spezifischen Arbeit des Unternehmers entstammen. Damit sucht Schumpeter alle diese Ein� kommensteile zu retten, aber zugleich damit stellt er den ganzen Seinsgrund des Unternehmers nur noch auf eine einzige schmale Br�cke. Alle anderen Br�cken hat er hinter sich abgebrochen und wenn auch diese einst�rzt, geht die ganze Gloriole der Unternehmerg�ttlichkeit zum Teufel. Und Schumpeter selbst sprengt diese letzte Br�cke in die Luft! Denn im zweiten Teil seiner Untersuchung zeigt er nun, was von der �Unterneh� merinitiative" in der vertrusteten Wirtschaft, in deren