ARBEIT UND WIRTSCHAFT HERAUSGEGEBEN VON ANTON HUEBER UND FRANZ DOMES REDAKTEURE: EDUARD STRAAS, VIKTOR STEIN, DR. EDMUND PALLA UND DR. J. HANNAK VII. JAHRGANG 15. M�RZ 1929 " HEFT 6 DIE INDUSTRIELLE REVOLUTION SEIT 1900 Von Otto Leichter Zu st�rmisch ist der Pulsschlag der wirtschaft� lichen und sozialen Entwicklung in der ganzen Welt, als da� wir nicht ununterbrochen gespannt auf das rasende Tempo der kapitalistischen Wirtschaft achten m��ten. Und doch ist man immer wieder �berrascht, wenn man die Entwicklung zu ein paar einfachen Zahlen zusammengefa�t plastisch dar� gestellt findet, �berrascht von den ungeheuer� lichen Strukturwandlungen, die sich ge� rade in den letzten Jahren vollzogen haben. Da ist vor einigen Wochen ein Buch erschienen, das in geradezu aufregender Lebendigkeit einen klaren Ein� druck der weltver�ndernden Entwicklung gibt, die sich im letzten Vierteljahrhundert vollzogen hat: Die "W i r t s c ha ft des Auslande s"*). Das neun� hundert Seiten starke Buch ist zwar mit der n�ch� ternen Schilderung wirtschaftlicher Tatsachen, zu� meist mit Tabellen und graphischen Darstellungen ausgef�llt, und trotzdem ist die Lekt�re des Buches, das vor allem ein gl�nzendes und unentbehrliches Nachschlagewerk ist, f�r jeden Sozialisten geradezu aufregend: so deutlich zeigt es den rapiden Eortschritt in der kapitalistischen Entwicklung. Dabei bietet es gegen�ber �hnlichen Darstellungen, die wenigstens f�r Einzelgebiete in den letzten Jahren erschienen sind, den Vorteil, da� es nicht erst die Entwicklung im und nach dem Krieg, also seit dem letzten Vorkriegsjahre 1913 aufzeigt, sondern den Zeitraum seit 1900 darstellt und einen �berblick dar�ber erm�glicht, auf welchen Gebieten die Ent� wicklung seit dem Krieg beschleunigt, auf welchen sie verlangsamt worden ist. Betrachten wir den Eortschritt in der industriellen Rohstoff Produktion in der ganzen Welt seit 1900: Vergleich mit 1900 Jahresproduktion von 1900 = 100 Jahr Steinkohle Erd�l Roheisen Rohstahl Kupier Zink Aluminium Mill.Tonnen Mill.FaB Millionen Tonnen Tausend Tonnen 1900 100 100 100 100 100 100 100 1910 149'5 219*9 162'9 213 1 178'5 1707 600 1913 171'6 258'4 196 270 204 209'2 839'2 1920 164'4 466'3 158'2 255'8 190 147'6 17411 1925 166 9 716 190'8 319'8 280'1 237'2 2563 1927 180" 1 839'8 213'4 355 1 305'1 276'3 2823'3 *) Einzelschritten zur Statistik des Deutschen Reiches, Nr. 5. (Bearbeitet im Statistischen Reich samt, Berlin 1928, Verlag Reimar Hobbing. 910 Seiten.) An der Spitze der Entwicklung steht die Aluminiumerzeugung: sie ist 1927 zwanzig� mal so gro� gewesen als 1900; der weitaus gr��ere Teil dieses Fortschrittes ist seit Kriegsbeginn, seit 1913, zur�ckgelegt worden. Nach dem Aluminium kommt das Erd�l, die industrielle Errungenschaft des letzten Vierteljahrhunderts. Die Weltproduktion an Erd�l ist in dem ersten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts auf nicht weniger als das Achtfache ge� stiegen. Auch hier der weitaus gr��ere Teil dieses Weges seit 1913: die Entwicklung in der ersten H�lfte war durchaus langsamer. Der Kohlenmangel nach dem Krieg, der �bergang der Kriegsschiffe von der Kohle zum �l, die gewaltige Vermehrung der �l� motoren hat den Siegeslauf des Erd�ls beschleunigt. Rohstahl und Roheisen: Die Rohstahlproduktion ist in einem Vierteljahrhundert auf das Dreieinhalb� fache, die Eisenproduktion auf mehr als das Doppelte gestiegen. Hier war ein so rasender Fortschritt der Produktion nicht mehr m�glich, denn schon die Zeit vor 1900 war die Zeit des gro�en Aufschwunges der Eisen- und Stahlindustrie, aber immerhin ist auch diese Entwicklung, besonders die bei der Stahl� industrie noch gewaltig genug. Beim Eisen und Stahl f�llt der Schwerpunkt der Entwicklung - anders als beim Erd�l � in die Zeit vor dem Krieg. Der Welt� krieg bringt sogar einen R�ckschlag - die Produktion im Jahre 1920 ist kleiner als die des Jahres 1913 �, aber dieser R�ckschlag wird in der Nachkriegszeit nicht nur ausgeglichen, sondern sogar weit �berholt. Kupfer und Zink: Steigerung beim Kupfer auf mehr, beim Zink auf beinahe das Dreifache; auch hier eine rasch fortschreitende Entwicklung bis zum Welt� krieg, R�ckschlag im Krieg und neuerlicher Fort� schritt in der Nachkriegszeit, �hnlich wie bei Stahl und Eisen, aber anders als beim Erd�l, bei dem gerade der Krieg eine Steigerung der Weltproduktion auf fast das Doppelte bringt. Hinter dieser au�erordentlichen Entwicklung der ma�gebenden industriellen Rohstoffe bleibt die K o h 1 e zur�ck. Die Weltkohlenproduktion ist 1927 nur um 10 Prozent gr��er als im Jahre 1913: sie w�chst von 1900 bis 1913 um nicht weniger als 70 Prozent, er� leidet im Krieg einen allerdings nicht besonders gro�en R�ckschlag und w�chst seither nur sehr lang� sam. Die internationale Kohlenkrise zeigt sich deutlich in dieser Entwicklung, die von dem emporsprudelnden Erd�l weit �berholt wird. Die