253 ARBEIT UND WIRTSCHAFT 254 arbeitslos zu werden und die gewerkschaftliche Unter¬ stützung in Ansprucli nehmen zu müssen, dieselbe Bei¬ tragsleistung haben müssen wie die erwachsene Arbeiter¬ schaft nnd mit dieser in enger organisatorischer Ver¬ bindung bleiben sollen. Aber der junge Hilfsarbeiter hat genau so wie ein Lehrling das Bestreben, unter Alters¬ genossen zu bleiben; er ist mit den Agitationsmitteln der erwachsenen Arbeiterschaft nur schwer für die gewerk¬ schaftliche Organisation zu gewinnen. Wir müssen also nach neuen Wegen des Werbens suchen. Hier weisen nun die Frauen den Weg. Wie es in vielen Organisationen von der Verbandsleitung bis zur Orts¬ gruppen- und Zahlstellenleitung Frauenkomitees gibt, müßten auch .lugendausschüsse fiir jugendliche Hilfs¬ arbeiter gebildet werden. Fs müßten auch Vereinsabende liir jugendliche Hilfsarbeiter veranstaltet werden. Wohl sind die jugendlichen mit den erwachsenen Arbeitern organisatorisch fest verbunden, es soll aber auch der Figenart jedes jungen Menschen Rechnung getragen wer¬ den. Dann wird es möglich, die großen Massen der jugend¬ lichen Hilfsarbeiter gewerkschaftlich organisiert zu sehen und in ihren Herzen für alle Zukunft den Gedanken der gewerkschaftlichen Solidarität zu verankern. Eindrücke, die der Mensch in seiner Jugend erhält, wirken im ganzen Leben am stärksten nach. Fs ist Aufgabe der Gewerk¬ schaften, sich um die heranwachsende Jugend zu kümmern! Julius Grünwald ein Sechziger. Der langjährige Redak¬ teur der „Gewerkschaft", des Vorläufers unseres Blattes, ist nun auch sechzig Jahre alt geworden. Genosse üriin- wald hat sich in der Gewerkschaftskommission um die Theorie und Praxis der Sozialpolitik verdient gemacht und der Bewegung durch die Verfechtung der organisatorischen Grundsätze der freien Gewerkschaften wertvolle Dienste geleistet. Er war in Wort und Schrift eifrig tätig. Wir ge¬ denken heute seiner Mitarbeit und entbieten unserem wackeren Kollegen zu seinem sechzigsten Geburtstag unseren herzlichen Glückwunsch. Hauptversammlungen. Außer den bereits genannten Gewerkschaften Warden auch noch andere in den nächsten l agen ihre Hauptversammlungen abhalten. Die Union des B ti h n e n- und Kino p e r s o 11 a 1 s wird den ! 4. Ver¬ bandstag am 29. März im Verbandsheim der Gewerk¬ schaften abhalten. Am gleichen Tage wird die 36. General¬ versammlung des Bühnenvereines stattfinden. Ihr wird eine Konferenz der Ländervertreter vorangehen. Von der Fachpresse. Der österreichische Bühnenverein hat seine bisherige Zeitschrift in eine andere, neue umge¬ wandelt. Sie heißt „Der Komödiant", offizielles Organ des Bühnenvereines, und ist eine Monatsschrift, 16 Seiten stark, Quartformat, rn hübscher technischer Ausstattung und textlicher Vielseitigkeit, mit Bildern und einem zwei¬ farbigen Umschlag versehen. Die Redaktion führt Genosse F i s 1 e r. Das neue Gewerkschaftsorgan geht in seinem In¬ halt über organisatorische Angelegenheiten weit hinaus und beschäftigt sich auch mit künstlerischen und techni¬ schen Fragen des Berufes. Noch ein Gewerkschaitsliaus in Wien. Das Haus der vormaligen Bezirkskrankenkasse in Wien VIII, Albert- gasse 35. ist vom Verband der Lebens- und Genußmittel¬ arbeiterschaft käuflich erworben und als Gewerkschafts¬ haus zweckdienlich eingerichtet worden. Vor wenigen Tagen wurde es mit einer festlichen Versammlung eröffnet. In diesem prächtigen Gebäude werden nun untergebracht sein: der Verband der Lebens- und Genußmittelarbeiter¬ schaft, der Verein der Buchbinder und Papierverarbeiter und der Bund der öffentlichen Angestellten. Mit diesem Heiin erhält die österreichische Gewerkschaftsbewegung eioen weiteren kräftigen Stützpunkt. Absichten der Gegner. Ein neuer Plan der gegnerischen Gewerkschaften wird jetzt erörtert. Die christlichsozialen und völkischen Gewerkschaften in Österreich wollen sich zur Wahrung gemeinsamer Interessen und Verstärkung ihrer Kräfte in einen „Vaterländischen Gewerkscliafts- bund" als Spitzenorganisation zusammenschließen. Warum nicht? Dienen sie doch dem gleichen Zweck, nämlich dem Kapitalismus niemals wehe zu tun und den Kampf der freien Gewerkschaften, wo immer es möglich ist und gleichviel mit welchen Mitteln, zu durchkreuzen und zu schwächen. Bei den öffentlichen Angestellten sind Be¬ strebungen im Gange, eine allumfassende Gesamtorgani¬ sation der Staatsangestellten zu schaffen. Im Fünfund¬ zwanzigerausschuß der Organisationen der Staatsange¬ stellten wurde dieser Gedanke erwogen. Die Stellung der freien Gewerkschaften zu dieser Absicht ist in der vorigen Nummer unserer Zeitschrift durch den Genossen Dorer dargelegt worden. Diesen Ausführungen haben wir nichts hinzuzufügen. Internationaler Gewerkschaftsbund. Die nächste Aus¬ schußsitzung des Internationalen Gewerkschaftsbundes wird am 23. Mai und die folgenden Tage in Prag abge¬ halten werden. Außer den üblichen Berichten wird über die nächste internationale Arbeitskonferenz (im Mai in Genf) gesprochen werden und die weltwirtschaftliche Lage sowie das wirtschaftliche Programm des Bundes, dann die Frage des bezahlten Urlaubes zur Erörterung gelangen. Auch der Ort und die Zeit des nächsten Kongresses (1930) sollen bestimmt werden. Zur Sitzung in Prag werden einige der Internationale nicht angeschlossene Landes- zentralen eingeladen, Gäste zu entsenden. Das Internatio¬ nale gewerkschaftliche Arbeiterinnenkomitee wurde für den 11. und 12. Jänner zu einer Sitzung einberufen. Das Inter¬ nationale Gewerkschaftskomitee für Jugend- und Bildungs¬ fragen wird am 25. Juni tagen. Internationale Berufssekretariate. Der internationale Fabrikarbeiterkongreß wird vom 1. bis 3. Juli in Hannover tagen. — Die Internationale der Angestellten in öffent¬ lichen Diensten wird am 16. Juli in Stockholm tagen. Die Holzarbeiter-Internationale hält ihren nächsten Kon¬ greß vom 25. bis 28. Juli in Heidelberg ab. Die Leder¬ arbeiter-Internationale tritt iu der Zeit vom 12. bis. 18. August in Stockholm zusammen. Metallarbeiter-Internationale. In B r ii n 11 tagte am 2. und 3. März eine internationale Konferenz der Metall¬ arbeiter in der Schwerindustrie. Österreich, Tschecho¬ slowakei, Ungarn, Polen, Jugoslawien und Rumänien waren vertreten. Die Konferenz beschäftigte sich mit der Inter¬ nationalen Rohstahlgemeinschaft. Der Konferenz lagen Er¬ hebungen über die organisatorischen, lohnpolitischen,, sozialpolitischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Schwerindustrie vor. Die Berichte aus den Ländern er¬ gaben erschütternde Einzelheiten über die Lebensverhält¬ nisse und Kampfesbedingungen der Arbeiterschaft. Die Konferenz beschloß ein Manifest, das zur Agitation auf¬ muntert. Eine Resolution verlangt die Einhaltung des Acht¬ stundentages und der Arbeiterschutzgesetze, eine Kontrolle der Kartelle und bestimmte Maßnahmen, 11111 die gesund¬ heitsschädlichen Folgen der Rationalisierung hintanzu¬ halten. Fs wurde eine Exekutive von sechs Mitgliedern zu dem Zweck gewählt, die Beziehungen der Hüttenarbeiter¬ schaft in den genannten sechs Ländern zu festigen und die Werbearbeit einheitlich zu gestalten. Auch wurde ange¬ regt, einen zentralen Widerstandsfonds zu errichten. Transportarbeiter-Internationale. Die Internationale der Transportarbeiter hat auf dem letzten Kongreß in Stock¬ holm einen Eisen bahn beirat geschaffen. Dieser tagte gegen Ende Jänner in I5 rag zum erstenmal. Die Konferenz war von allen europäischen Ländern beschickt: 39 Delegierte vertraten 1,100.000 organisierte Eisenbahner. Die Berichte über die Verhältnisse in den Ländern leiteten die Verhandlungen ein. Es soll durchgesetzt werden, daß zum internationalen Kongreß der Eisenbahnverwaltungen im Jahre 1930 in Barcelona auch Gewerkschafter entsendet werden. Ferner beschäftigten fachliche Angelegenheiten den Kongreß, so das Einmannsystem auf Lokomotiven und Motorwagen, die Forderung nach gesetzlicher Einführung- der automatischen Kuppelung bei allen Zügen, die Fisen- bahnkatastrophen und deren Ursachen, wobei die Frage des Personalabbaues eine Rolle spielte. BILDUNGSWESEN / J. Hannak Buchbesprechungen Zum zehnten Jahrestag der Ermordung Kurt Eisners hat die Büchergilde „Gutenberg" (Berlin-Wien) unter dem Titel „Welt werde froh!" ein Kurt-Eisner-Buch heraus¬ gebracht. das Erich Knau f aus dem literarischen Nach¬ laß Eistiers zusammengestellt hat. Der iu schöner, würdi¬ ger Ausstattung erschienene Band (213 Seiten) enthält, nach Sachgebieten geordnet, die wichtigsten Auszüge aus den Schriften und Briefen Eisners. Ein mit liebevoller Ein¬ fühlung geschriebenes Nachwort von Heinrich Knauf er¬ gänzt das Bild, das in dem Buche vom Leben und Wirken Eisners gegeben wird. •X- -*-X-