ARBEIT UND WIRTSCHAFT HERAUSGEGEBEN VON ANTON HUEBER UND FRANZ DOMES REDAKTEURE: EDUARD STRAAS, VIKTOR STEIN, DR. EDMUND PALLA UND DR. J. HANNAK ——————__ VII. JAHRGANG 15. MAI 1929 HEFT 10 DAS SECHSTE JAHR DER ARBEITERBANK Von J. Freundlich Im April 1929 fand die diesjährige ordentliche General¬ versammlung der Arbeiterbank statt, bei welcher der Bericht der Verwaltung über die Geschäftsergebrtisse des Bilanzjahres 1928 zur genehmigenden Kenntnis genommen und die Anträge auf Verwendung des erzielten Rein¬ gewinnes genehmigt wurden. Es ist für die Leser dieses Blattes gewiß von Interesse, über die Entwicklung der Arbeiterbank informiert zu werden, weil sie, zum großen Teil gewerkschaftlich interessiert, an der Entwicklung der Arbeiterbank, die ja sehr wesentlich ein Organ der Gewerkschaftsbewegung ist, interessiert sein müssen. Die Arbeiterbank vollendete mit dem Jahre 1928 ihr sechstes Geschäftsjahr. Es kann von vornherein, bevor in die Besprechung der einzelnen Ziffern der Bilanz einge¬ gangen wird, konstatiert werden, daß die erfreuliche Ent¬ wicklung, welche die Arbeiterbank in ununterbrochenem Aufstieg genommen hat, auch im Jahre 1928 keine Unter¬ brechung erfahren hat, daß im Gegenteil die Arbeiterbank im Berichtsjahr einen ganz bedeutenden Aufstieg ver¬ zeichnen konnte. Dies drückt sich vor allem darin aus, daß die Bilanzsumme, welche fiir das Jahr 1927 etwas über 39,000.000 S ausmachte, im Bilanzjahr 1928 auf über 50,000.000 S gestiegen ist. Berücksichtigt man, daß die Bilanzsumme im ersten Jahre 1923 4,000.000 S betragen hat, so wird man die Entwicklung der Arbeiterbank, die nunmehr 50,000.000 S erreicht hat, entsprechend würdigen können. Dieser Umfang der Geschäfte wurde erreicht mit eigenen ausgewiesenen Mitteln von 4,329.000 S, wovon auf das Aktienkapital seit 1. Dezember 1927 ein Betrag von 2,500.000 S, auf den ordentlichen Reservefonds ein Betrag von 1,829.000 S entfiel. Die bedeutende Ausdehnung, welche die Geschäfte der Arbeiterbank genommen haben, läßt es der Verwaltung als notwendig erscheinen, sehr bald wieder an eine Vermehrung ihrer eigenen Mittel zu schreiten und wird daran gedacht, das Aktienkapital von 2,500.000 S auf 4,000.000 S zu erhöhen, wodurch auch dem Reservefonds wieder beträchtliche Mittel durch die Differenz zwischen dem Begebungskurs und dem Nominalkurs der Aktien zufließen werden. Die Unter¬ bringung dieser neuen Aktien würde, wie durch Aus¬ sprachen mit den in Betracht kommenden Gewerkschaften festgestellt wurde, auf keinerlei Schwierigkeiten stoßen; wenn trotzdem bei der stattgefundenen Generalversamm¬ lung der Antrag auf Erhöhung des Aktienkapitals nicht gestellt wurde, so aus dem Grunde, weil die Struktur der Bank als Gewerkschafts- und Genossenschaftsbank unver¬ ändert bleiben soll und die Genossenschaften noch nicht so weit sind, um endgültig zur Frage einer weiteren Kapitalsvermehrung Stellung nehmen zu können. Es be¬ steht jedoch kein Zweifel, daß spätestens bei der nächsten Generalversammlung, wahrscheinlich jedoch noch bei einer im Laufe des Jahres 1929 einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung der Beschluß auf Vermehrung des Aktienkapitals gefaßt und, wie dies bei den bisherigen Kapitalsvermehrungen beobachtet werden konnte, ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden wird. Die Stärkung der eigenen Mittel wäre natürlich im Interesse der Bank überaus wünschenswert, aber auch aus dem Grunde, weil die Höhe der Spareinlagen, welche von der Bank entgegengenommen werden dürfen, nach den bestehenden Bestimmungen in einem gewissen Verhältnis zu den eigenen Mitteln stehen muß. Die Arbeiterbank ist mehr als jede andere Bank genötigt, nicht nur mit Rücksicht auf' die hohe Verant¬ wortung, welche sie ihren Aktionären und Einlegern schuldet, sondern auch mit Rücksicht auf ihre Stellung, die sie zwingt, auf unvermutet auftretende große Ansprüche der Gewerkschaften im Falle einer großen Lohnbewegung Bedacht zu nehmen, für eine besondere Liquidität ihrer Mittel vorzusorgen. Sie weist in der Bilanz pro 31. Dezember 1928 unter dem Posten Kassastand, Valuten¬ kasse, Wechselportefeuille und Bankenguthaben über 17,000.000 S aus, das bedeutet gegenüber ihren Kreditoren eine Liquidität von 40 Prozent, also einen sehr hohen Grad der Liquidität, der im Hinblick auf die vorstehend angeführten Umstände geboten erscheint. Unter den Debitoren der Arbeiterbank erscheinen weitaus an der Spitze die Genossenschaften, welche fast 44 Pro¬ zent der ausgewiesenen Debitoren pro zirka 32,000.000 S ausmachen. Die anderen Debitoren sind die verschiedenen anderen Privatunternehmungen, Gemeinden, Organisationen usw., während die privaten Kredite nur mit 5 Prozent auf¬ scheinen, wobei aber auch diese privaten Kredite in irgendeinem Zusammenhang mit den Aufgaben der Arbeiterbank stehen. Die Debitorenliste ist so gründlich gesiebt, daß diese Debitoren als mit 100 Prozent gesichert bezeichnet werden können. Wenn auch, wie sich aus der prozentualen Aufteilung der Debitoren ergibt, die