427 ARBEIT UND WIRTSCHAFT 428 Braun das Ideal eines kampierprobten und kampfbegeisterten Lehrers. Der Umsturz, der so viele Begabungen der Arbeiterbewegung aus ihrer ursprünglichen Bahn drängte, hat Braun zu einem der ersten Wortführer der reichsdeutschen Bruderpartei werden lassen. Er hat auch in dieser Stellung der österreichischen Arbeiterschaft unendlich ge¬ dient, so wie er sich ja von jeher nicht als Österreicher, nicht als Reichsdeutscher, sondern als Deutscher und darum auch im besten Sinne des Wortes als internationaler Sozialdemokrat gefühlt und betätigt hat. Trotzdem jedoch wollen wir es mit aller Offen¬ heit sagen: Sein Bestes für die österreichische Arbeiterbewegung hat Braun geleistet zu einer Zeit, da er unter uns wirkte. So sehr wir es an¬ erkennen, daß seine gewaltigen Fähigkeiten und sein unendliches Wissen eines größeren Betäti¬ gungsfeldes würdig waren, als es das heutige kleine Deutschösterreich ist, so sehr beklagen wir es doch, daß uns in den letzten Jahren sein Rat und seine Lehrhaftigkeit nicht mehr unmittel¬ bar zuteil wurde. DIE INTERNATIONALE GEWERKSCHAFTS¬ BEWEGUNG Von Anton Proksch Der Internationale Qewerkschaftsbund hat bisher all¬ jährlich ein umfassendes Jahrbuch herausgegeben, das sowohl eingehend über die organisatorischen Verhältnisse in den einzelnen Ländern berichtete, als auch genaue An¬ gaben über die Gliederung der Mitgliederstände der ver¬ schiedenen Landeszentralen und der Internationalen Berufs¬ sekretariate enthielt. Ein genaues Adressenverzeichnis war ebenfalls beigegeben. Im heurigen Jahre ist der I. Q. B. von der bisherigen Gepflogenheit abgekommen. An Stelle des Jahrbuches erschien ein auszugsweiser Bericht in dem Organ des I. G. B., „Die Internationale Gewerkschafts¬ bewegung". Es ist wohl sehr zu bedauern, daß das Jahr¬ buch mit seinen ausführlichen Darlegungen nicht mehr erscheint, denn es war die einzige Quelle, die zur Informa¬ tion über die internationale Gewerkschaftsbewegung dem Gewerkschafter, der nur eine Sprache spricht, zur Ver¬ fügung stand. Aus dem "Bericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der dem I. G. B. angeschlossenen Mitglieder am 1. Jänner 1927 12,839.174 betrug, hingegen am 1. Jänner 1928 13,144.225. Der Stand hat also um 305.051 Mitglieder oder 2'4 Prozent zugenommen. Tabelle I zeigt die Verteilung der Mitglieder¬ zahlen auf die einzelnen Länder. Tabelle I. „ , .... DavonGesamtzahl Männer Frauen Land am 1. Jänner 1928 absolut pro¬zentual abso,ut zentual Deutschland: A. D. G. B. . 4.415.6891) 3,582.944 84 680.508 16 A.F.A. . . . 394.801 311.749 79 83.052 21 Großbritannien 3,874.842 3,471.558 89'6 403.284 10'4 Österreich . . 772.762 597.771 77'4 174.991 22'6 Frankreich . . 605.250 Tschechoslow. 541.637 427.899 79 113.738 21 Belgien . . . 530.5752) 368.933 87 55.120 13 Schweden . . 437.974 397.357 907 40.617 9'3 Polen .... 271.581 241.991 89'1 29.590 10'9 Spanien . . . 221.0003) Niederlande . . 20^.596 190.516 94 12.180 6 Schweiz . . . 165.692 147.778 89'2 17.914 10'8 Dänemark . . 156.425 116.472 74'5 39.953 25'5 Kanada . . . 140.195 Ungarn . . . 127.422 108.670 85'3 18.752 147 Argentinien 82.5743) 81.939 99'2 635 0'8 Südafrika . . 60.6603) , Jugoslawien . 33.217 30.677 92"4 2.540 7'6 Rumänien . . 26.783 23.350 87'2 3.433 128 Palästina . . 21.873 15.828 72'4 6.045 27'6 Lettland . . . 18.732 14.401 76'9 4.331 23'1 Litauen .... 18.4863) Luxemburg . . 14.1793) 14.058 99*1 ' 121 Ö'9 Estland . . . 5.071 Bulgarien . . 2.485 2.314 93'1 ' 171 6'9 Memelgebiet . 1.024 748 73 276 27 Südwestafrika f00 Zusammen . 13,144.225 10,146.953 857 1,687.251 14'3 ') Wovon 152.237 Jugendliche, welche nicht unter Männer und Frauen angeführt sind. 2) Wovon 105.522 Mitglieder, welche nicht unter Männer und Frauen angeführt sind. 3) 1. Jänner 1927. Aus der Aufstellung geht vor allem hervor, daß Deutschland in der Gewerkschaftsinternationale führt. Es stellt 36'6 Prozent der dem I. G. B. angeschlossenen Mit¬ glieder. An zweiter Stelle befindet sich Großbritannien, und ihm folgen Österreich, Frankreich, Tschechoslowakei, Belgien und Schweden. Diese wenigen Zahlen zeigen, wie stark im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die freien Ge¬ werkschaften in Österreich sind. Größere Zunahmen ihrer Mitgliederstände verzeichnen folgende Länder: Jugo¬ slawien (21'7 Prozent), Lettland (18'4), Deutschland (A. D. G. B., 12'2), Polen (ll'l) und Kanada (11 Prozent). Demgegenüber stehen größere Verluste in folgenden Ländern: Rumänien (12'1 Prozent), Memelgebiet (12 Pro¬ zent) und Großbritannien (6*9 Prozent). Aus vorstehender Tabelle ist auch für die meisten Landeszentralen die Verteilung der Gesamtmitgliederzahl nach Geschlechtern zu ersehen. Während noch im letzten Jahre Österreich den stärksten Prozentsatz von Frauen verzeichnete, hat sich die Reihenfolge diesmal verschoben. Den größten Prozentsatz an weiblichen Mitgliedern weisen der Reihe nach auf: Palästina (27*6 Prozent), Memel¬ gebiet (27), Dänemark (25'5), Lettland (23'1), Österreich (22'6), Tschechoslowakei (21) und Deutschland (A. F. A. 21 Prozent). An letzter Stelle der Tabelle befinden sich die Niederlande mit nur 6 Prozent weiblichen Mitgliedern. Der durchschnittliche Anteil der Frauen an den Gesamt- mitgliederzahlen ist leider nicht anzugeben, da nicht alle Landeszentralen angeben, wie sich ihre Mitgliederzahl nach Geschlechtern verteilt. Für die bekanntgegebenen Zahlen ergibt sich ein Durchschnitt von 14'3 Prozent Frauen. Auch die Angaben über die finanziellen Verhältnisse der einzelnen Landesorganisationen sind sehr spärlich ge¬ worden. So wird diesmal nicht mehr der Vermögensstand 4er einzelnen Länder ausgewiesen. Die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben der den Landeszentralen angeschlossenen Organisationen zeigt folgendes Bild: Land Einnahmen Ausgaben * in holländischen Oulden 6,306.804 5,164.726 Dänemark 14,308.939 15,096.099 Deutschland, A. D. G. B.. . 107,528.917 76,383.760 15.240 13.527 Jugoslawien 115.874 121.211 Lettland 157.200 147.648 Niederlande 10,104.900 8,019.000 Österreich 7,826.000 6,691.860 1,160.936 1,158.136 Rumänien 278.226 261.575 Schweden 11,500.751 6,965.052 Schweiz 4,924.896 4,324.032 Tschechoslowakei . . . . 6,275.003 5,247.226 Ungarn 1,873.850 1,803.642 Dieser Aufstellung ist die Tatsache zu entnehmen, daß Länder mit viel geringeren Mitgliederständen wie Öster¬ reich bedeutend höhere Einnahmensummen aufweisen. Vor allem gilt dies von Holland. Hier zeigen sich wieder die katastrophalen Wirkungen des Krieges für die öster¬ reichische Arbeiterschaft. Nicht bloß die Löhne wurden zerstört, sondern nach der Inflation mußte auch das Beitragswesen neu aufgebaut werden. Obwohl die öster-