181 ARBEIT UND WIRTSCHAFT 182 Kranken- und Unterstützungskasse in Linz ihre letzte Haupt¬ versammlung ab, welche die Auflösung der Kasse und die Eingliederung der alten Sozialversicherungsanstalt in die neue Landeskasse beschloß. Seit 1867 wirkte die Linzer All¬ gemeine im Interesse der Krankenversicherung und der Volksgesundheit. Mit der Errichtung des Erholungsheims in Katsdorf im Jahre 1897 machte die Kasse einen bahn¬ brechenden Schritt auf dem Gebiet der erweiterten Heil¬ fürsorge. Der Zusammenschluß der oberösterreichischen Kassen, der ohne die Auflösung der Linzer Allgemeinen ein Stückwerk geblieben wäre, stellte im Interesse der Auf¬ rechterhaltung der oberösterreichischen Krankenversicherung eine unumgängliche Notwendigkeit dar. In den letzten .lahren büßten die Verbandskassen in Oberösterreich rund 20.000 Mitglieder ein. Fiir die Ausdehnung der Liste der entschädigungspflich¬ tigen Berufskrankheiten In Deutschland sind viel mehr Be¬ rufskrankheiten den Unfällen gleichgestellt als in Österreich. Deshalb beantragte im Ausschuß für soziale Verwaltung Abgeordneter Stein die Erweiterung der österreichischen Berufskrankheilenliste nach deutschem Muster. Im Ausschuß wurde der Antrag angenommen, im Plenum von einer aus Christlichsozialen, Landbündlern und Großdeutschen be¬ stehenden Mehrheit abgelehnt. Es ist allbekannt, daß sich die deutsche Regelung bewährte, trotzdem wurde ein An¬ trag angenommen, der verlangt, daß sich die Regierung Material über diese Frage verschaffe. Die Erhöhung des Bergbaufiirsorgefonds. Der Ausschuß für soziale Verwaltung verdoppelte die Höhe der Beiträge zum Bergbaufürsorgefonds, der infolge der Wirtschaftskrise in eine äußerst schwierige Lage geriet. Der Heimatblöckler Werner erhob im Nationalrat gegen diesen Beschluß Ein¬ spruch und erklärte im Auftrag der Alpinen, daß die Abgaben, die vom Erz geleistet werden, nicht gesteigert werden dürfen, sondern daß an Stelle dieser Heraufsetzung die Ab¬ gabe der Kohle vermehrt werden müsse. In diesem Sinne wurde, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, das Ge¬ setz beschlosen. Im Interesse der Rettung der Pensionen der Bergarbeiter beantragte Abgeordneter Stein die Auf¬ nahme eines Darlehens. Im Nationalrat drang indes die Lösung der Alpinen, der Standpunkt des Heimatblocks durch. Notverordnung in Ungarn. Ein überdimensionierter faschistischer Verwaltungsapparat hat in Ungarn einen äußerst großen Gebarungsabgang gezeitigt. Eine Not¬ verordnung bevollmächtigte die Regierung im Interesse der Beseitigung des Defizits zu einer wesentlichen Herabsetzung der Leistungen. GEWERKSCHAFTSWESEN / Eduard Straas Unsere Toten. Am 8. Februar ist Johann Breuer im Alter von 60 Jahren gestorben. Der einfache und schlichte Mann der Kleinarbeit hat nicht nur als Metallarbeiter für seine Gewerkschaft unermüdlich gearbeitet, sondern ihn sahen wir mit gleichem Eifer in anderen Zweigen der Arbeiterbewegung am Platz. Zwanzig Jahre war er Obmann der Metallarbeiter im 2. und 20. Wiener Stadt¬ bezirk. Im Verband war er im Vorstand der Wiener Bezirksleitung und durch viele Jahre auch Mitglied des _ Zentralvorstandes. Die Metallarbeiter haben auch durch das vor wenigen Tagen erfolgte Hinscheiden des Genossen Johann Nowak einen empfindlichen Verlust erlitten. Nowak war gleichfalls ein verdienstvoller Wiener Funktionär, der eine lange und ersprießliche Gewerkschaftsarbeit vollbrachte. Wir werden die Toten nicht vergessen. Unsere Sechziger. Hugo Hermann ist vor wenigen Tagen 60 Jahre alt geworden. Wir benützen den Anlaß, unserem geschätzten Mitarbeiter auf diesem Wege einen herzlichen Glückwunsch zu entbieten. Hermann hat in jahrzehntelanger Tätigkeit für die Arbeiter und Ange¬ stellten in der Vergnügungsindustrie Außerordentliches ge¬ leistet. Die Bühnenarbeiter und die Arbeiter in den Kino¬ betrieben verdanken seiner Geschicklichkeit, seiner Über¬ zeugungstreue und seinen zähen Bemühungen den Aufbau einer kampferprobten, tüchtigen Organisation und geregelte Arbeitsbedingungen. Hoffentlich treffen wir Genossen Hermann recht bald wieder bei seiner gewohnten Tätigkeit an, die ihm ietzt durch eine mehrwöchige hartnäckige Krankheit unmöglich gemacht ist. Anton Schönauer, der Mitbegründer mehrerer Ge¬ werkschaften in Graz und Salzburg, der langiährige ver¬ dienstvolle Vorsitzende der Landesexekutive Salzburg, ist vor kurzem 60 Jahre alt geworden. Schönauer ist ein Wiener Kind und von Beruf Spengler. Wir wünschen ihm das Beste. Möge ihm ein gütiges Geschick noch lange Gelegenheit geben, mit seiner Kraft und seinen Kenntnissen der bewegung zu dienen. Auf den 70. Geburtstag blicken Karl Müller von den Metallarbeitern und Siegmund Spitzkopf von den Buch¬ druckern zurück. Gewerkschaftsforderungen im Parlament. Der letzte österreichische Gewerkschaftskongreß hat bekanntlich bei seinen Beratungen die wirtschaftspolitischen Verhältnisse in den Vordergrund treten lassen. Er hat unter anderem auch einige Forderungen aufgestellt, welche eine Linderung der Arbeitslosigkeit herbeizuführen geeignet erscheinen. Diese Forderungen sind von den Sozialdemokraten im Parlament bei verschiedenen Gelegenheiten mehrmals vorgebracht und vertreten worden. Nun werden die aufgeworfenen Fragen konkreter gestellt. Bezüglich der Doppelverdiener liegt im Parlament eine Gesetzesvorlage der Regierung, die freilich den Gewerkschaften vollkommen unzureichend erscheint. Die paritätischen Arbeitsvermittlungen mit obligatorischer Meldepflicht freier Stellen auszustatten, verlangt ein soeben eingebrachter Initiativantrag der Sozialdemokraten. Die Frage der Einführung der Vierzigstundenwoche wird durch eine vom Minister für soziale Verwaltung einberufene Enquete, zu der natürlich auch die Gewerkschaften geladen sind, erörtert. Unterdes muß im Parlament von den Sozialdemokraten das Recht auf Streik und damit zusammenhängende Kampfesmittel verteidigt werden, denn der Staatsanwalt greift Parteizeitungen an, weil sie mitteilten, daß in Wien von Streikbrechern Wurstwaren erzeugt werden. Die Heiniwehrputschisten hinwieder sind unausgesetzt bemüht, den Kapitalisten Liebesdienste zu erweisen und in begeister¬ ter Form die Verlängerung der Arbeitszeit zur Milderung der Wirtschaftskrise zu empfehlen. Ein Sturmbefehl. Hitler, der Himmelsstürmer, hat jetzt einen „Sturmbefehl auf die Betriebe" losgelassen. Er be¬ zeichnet die Organisation der Arbeiter in den Betrieben als das Vorfeld für den beginnenden Hauptkampf mit dem Marxismus. Er sagt, eine vollkommene Zerschlagung der Organisation des Marxismus sei nur möglich durch eine vorangegangene ideelle Überwindung der marxistischen Theorie. Die nationalsozialistische Betriebsorganisation soll keine Uberleitung zur Bildung eigener Gewerkschaften sein, da diese sich tatsächlich „gegenüber den bestehenden festgefügten und traditionellen Gewerkschaften aller Lager jämmerlich ausnehmen" würden. Die historische Aufgabe der nationalsozialistischen Betriebsorganisation wird darin bestehen, die Betriebsbelegschaften vom Marxismus zu lösen und sie für den Nationalsozialismus zu organisieren. Das soll gelingen, denn die Industriearbeiter und die Ange¬ stellten sind nicht hundertprozentig marxistisch organisiert. Schließlich muß die nationalsozialistische Petriebsorgani- sation eine einzige große Schule und Vorbereitungsanstalt für die Spezialfragen der Gewerkschaften und des Wirt¬ schaftsprozesses überhaupt sein. Der in dieser Schule ge¬ schaffene Stab muß dann den Sturmtrupp bilden, der bei der Eroberung der politischen Macht, unterstützt durch die Massen gesinnungsmäßig vorgebildeter Sympathisierender, die Gewerkschaften besetzen muß. Die Hakenkreuzler wollen also ihren Kampf in die Be¬ triebe tragen. Sie wollen eine Organisation von Betriebs¬ zellen aufbauen. Haben wir solche Phantasien nicht schon von den Kommunisten gehört? Aber die Herrschaften fangen mit ihrer Arbeit nicht von unten an. sie beginnen oben. Sie haben mit Wirkung vom 1. Jänner bereits eine „Reichs¬ betriebszellenabteilung" eingerichtet. Es fehlen also nur noch die Zellen selbst, damit das Vorfeld im Kampf gegen den Marxismus freigemacht werden kann. Bisher haben wir gehört, Hitlers Sieg stehe unmittelbar bevor. Nun vernehmen wir es auf einmal anders. Jetzt soll zum Sturm erst der Kampf gegen die Gewerkschaften vorbereitet werden. Sie wollen die ideelle Überwindung des marxi¬ stischen Geistes herbeiführen. Etwas ganz Neues. Von Geist war in der Hitler-Bewegung bisher keine Spur zu entdecken. Jetzt auf einmal soll ausgerechnet im Kampf mit den Gewerkschaften der Geist angewendet werden. Ist das nicht zuviel Kühnheit? Die ideelle Überwindung des Marxismus! Wenn das nur so leicht wäre! Schon vor fast hundert Jahren hat Heinrich Heine darauf aufmerksam gemacht, daß in Deutschland die freie sozialistische Be¬ wegung die Zukunft habe, weil sie den Menschen von innen packe, weil f'"'r den deutschen Arbeiter die soziale Frage keine bloße Hungerfrage sei, weil der deutsche Arbeiter nicht mit einem Blutegel zu vergleichen ist, der, wenn er